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Feldstudien Über Ukrainischen Sex

Oksana Sabuschko

Sex im Titel funktioniert immer – auch wenn diese Vorschau genauso oft irreführend ist, wie sie zum vorschnellen Hingrapschen führt. So auch hier, denn die “Feldstudien Über Ukrainischen Sex”, die 1996 von der laut Klappentext “wichtigsten Schriftstellerin der
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Sex im Titel funktioniert immer – auch wenn diese Vorschau genauso oft irreführend ist, wie sie zum vorschnellen Hingrapschen führt. So auch hier, denn die “Feldstudien Über Ukrainischen Sex”, die 1996 von der laut Klappentext “wichtigsten Schriftstellerin der heutigen Ukraine” ebendort publiziert wurden und bereits vor ihrem Erscheinen als Raubdruck kursierten, erforschen nicht so sehr das Sexualverhalten eines jungen Staates. Vielmehr werden hier, metaphernreich und stark autobiografisch gefärbt, die Nachbeben der amour fou einer in den USA lebenden ukrainischen Dichterin mit einem verheirateten ukrainischen Provinzkünstler geschildert. Doch auch diese in ihrer Brutalität schwer nachvollziehbare “tough love” bildet nicht den eigentlichen Kern des Poesie-Romans, der in seiner Erzählperspektive aus Sicht der Protagonistin Oksana ständig zwischen erster, zweiter und dritter Person wechselt. Im Mittelpunkt steht die Liebesode an eine Nation und deren Sprache. “Wir verlieben uns nämlich nicht in einen Mann, sondern in die nationale Idee”, kommt eine Freundin in Oksanas endlosem Stream of Consciousness zu Wort, und fast pausenlos fabuliert die “National-Masochistin” von “ihr[em] unglückliche[n] Volk voller Schmerz” und seinen “unzähligen Gefallenen”. Auch wenn man um die Unterdrückungsgeschichte der Ukraine und die Vorliebe slawischer Literaturen für blumig-pathetische Gesten weiß, ist das für aufgeklärte Anti-NationalistInnen harter Tobak. Wenn sich die “Feldstudien” doch wenigstens als die “Bibel des Feminismus” entpuppen würden, als die sie vom Verlag angekündigt wurden! Doch bei aller kulturellen Differenz taugen Exkurse über Männer, die vom System “durchgefickt” wurden und deswegen ihre Frauen ebenso “durchvögeln” müssten und die zwar “brutal, aber wenigstens leidenschaftlich” seien, beim besten Willen nicht zur weiblichen Selbstermächtigung.

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