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Kinderblick

»Mohnblumen aus dem Irak«

Brigitte Findalkys autobiografischer Comic »Mohnblumen aus dem Irak« zeigt, wie ihre Kindheit im Irak ausgesehen hat. Das ist hübsch und tut manchmal weh.
Geschrieben am
Nimrud liegt etwa 130 Kilometer südlich von Mossul im heutigen Irak. Die Ruinen der altorientalischen Stadt waren ziemlich gut erhalten, bis 2015 der so genannte Islamische Staat begann, alles dem Erdboden gleich zu machen. Für Brigitte Findalky wurde damit eine Kindheitserinnerung kaputt gemacht, denn sie und ihre Familie haben früher oft Ausflüge nach Nimrud unternommen. Jene Zerstörung bildete den Anlass, »Mohnblumen aus dem Irak« (erschienen bei Reprodukt) zu schreiben, einen autobiografischen Comic über ihre Kindheit im Irak und in Frankreich. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Ehemann, dem Zeichner Lewis Trondheim, der ihre Geschichte in kindlich-niedliche Bilder gefasst hat.  

Findalky wurde 1959 in Mossul geboren. Ihr Vater stammt aus dem Irak, ihre Mutter ist Französin, kennen gelernt haben sie sich in Paris, während der Vater Zahnmedizin studierte. Nach der Hochzeit gingen sie zurück in seine Heimat. Findalkys Mutter musste sich dort erst mal zurechtfinden, was für einige lustige Anekdoten im Comic sorgt und auch den Leserinnen und Lesern die irakische Kultur ein wenig näher bringt. Gemeinsam mit Findalkys Mutter lernen wir zum Beispiel, dass man mehrmals nachhaken soll, wenn Gäste den Nachtisch ablehnen, weil es unhöflich wäre, direkt anzunehmen oder dass im Irak die Männer den Lebensmitteleinkauf übernehmen. 
Der Irak war in den 1960er Jahren geprägt von verschiedenen Militärdiktaturen und Putschen, die für verschärfte Gesetze, neue Regelungen und auch für Knappheit verschiedener Alltagsdinge sorgten. Findalky selbst hat das alles als Kind erlebt und wir sehen die Entwicklungen oft durch ihre etwas naiven Augen. Ein Beispiel: Als im Irak 1970 die Volksarbeit eingeführt wird, die Jugendliche zu Landarbeit bestellt und so der Partei näher bringen soll, schicken Findalkys Eltern ihren fast 16jährigen Bruder nach Frankreich auf ein Internat. Findalky beneidet ihn darum, denn für sie ist Frankreich gleichbedeutend mit den Ferien, die sie dort meist verbringt. Sie ahnt kaum, was für einen ernsten Hintergrund das alles hat. Später zieht sie mit ihrer Familie ganz nach Frankreich, weil die Situation im Irak für ihre Eltern immer unhaltbarer wird. Findalky schildert, wie sich neu einfinden muss und irgendwo zwischen den Welten lebt, während sie aus der Ferne beobachtet, was in ihrer Heimat vorgeht. Die meisten der Bekannten und viele Familienmitglieder leben mittlerweile ebenfalls im Ausland und auch Findalky ist in Frankreich geblieben. Der Iran-Irak-Krieg, der IS und viele andere Entwicklungen haben sie nach und nach vertrieben.  

Findalky und Trondheim gelingt das Kunststück, trotz des sehr ernsten Hintergrunds eines gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Das geschieht erstens über die bereits erwähnten kindlichen Zeichnungen, zweitens über kleine Episoden, die am Anfang des Buches noch die Bräuche im Irak erklären und später mit »Gute Erinnerungen« betitelt werden. Zwischen den Schilderungen über die traurigen Entwicklungen in ihrer Heimat klammert sich Findalky immer an das, was eben auch schön war. Sandstürme, die Mossul gelb-orange färbten, im Ofen geröstete Kastanien, Kleinigkeiten eben. Diese  Momente machen »Mohnblumen aus dem Irak« zu einem sehr berührenden und persönlichen Comic. Und zu einem, der einem ein Land, das man oft nur aus den (schlechten und traurigen) Nachrichten kennt, ein wenig näher bringt.

Brigitte Findakly

Mohnblumen aus dem Irak

Release: 01.05.2017

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