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»Es war so gut, so etwas Schlechtes zu tun«

Künstlerin Ruth Van Beek im Interview

Die holländische Künstlerin, Illustratorin und Fotografin Ruth Van Beek sammelt alte Bilder und faltet aus ihnen etwas Neues. Vor allem haarige und pelzige Objekte haben es ihr angetan. Sie möchte beispielsweise Tiere aus ihrer ursprünglichen Pose befreien und sie in einer neuen wieder einfangen. Frederike Wetzels hat sie gefragt, woher ihre Leidenschaft zu Pflanzen, Tieren und deren neuen Formen kommt.
Geschrieben am
Die schwebenden Hunde in deiner Serie »The Levitators« haben ihre ursprüngliche Form verloren und erinnern nun eher an Wolken. Hat ihr baumwollähnliches Fell dich dazu inspiriert, diese neue Tierspezies zu kreieren?
Ich liebe es, Bilder von pelzigen oder haarigen Objekten zu sammeln. Pelz oder Haare haben soetwas wunderbar Gruseliges und Unheimliches. Ich finde nicht, dass die gefalteten Hunde wie Wolken aussehen, eher wie Perücken oder wie die Haare von Zucht - Meerschweinchen. Wenn Bilder zu meinem Archiv hinzukommen, verlieren sie meist ihren Bezug zum Original. Sie sind dann flexibel und offen für neue Formen und Bedeutungen. Die Bilder von Hunden haben dann zwar noch immer einen Bezug zu Hunden, aber viel wichtiger ist, dass aus ihnen etwas anderes entstehen kann. Eine neue Züchtung oder Spezies. 

Wo hast du die originalen Hundefotos gefunden?
Ich habe sie aus alten Büchern aus Second-Hand-Läden ausgeschnitten. Dort finde ich fast alle meine Bilder. Ich liebe es, mich an solchen Orten überraschen zu lassen, all diese Dinge aus verschiedenen Häusern und Familien sind per Zufall zusammengewürfelt. 

Hast du ein Lieblingsfoto aus der Serie? Kannst du beschreiben, warum du es am liebsten magst?
Es gibt eins, es ist ein bisschen größer als die anderen und der Hund hat noch immer sein Gesicht. Er sieht direkt in die Kamera. Es war das erste, das ich gefaltet habe. Mein Heureka-Moment. Ich entdeckte, dass ich den Hund auf eine Art fliegen lassen kann, wenn ich ihn falte. Bei allen anderen Fotos habe ich mehr oder weniger versucht, diese Aktion zu wiederholen. 

Wie kommt es, dass so viele Tiere und Pflanzen in deinen Arbeiten vorkommen? Neben den Hunden arbeitest du auch mit Bildern aus der Natur.
Ich mag es, wie die Tiere fotografiert sind, vor allem in den Praxis-Büchern über Haustiere. Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hühner, … Sie sehen aus wie seltsame Objekte, wie in den Rahmen des Bildes gezwungen und gucken hoffnungslos verloren. Als ich damit begonnen habe, die ausgeschnittenen Bilder auszuschneiden oder zu falten, habe ich versucht, das jeweilige Tier aus seiner Pose zu befreien, nur um es in einer neuen Pose oder Form wieder einzufangen. Das gleiche gilt für die Zimmerpflanzen, die man aus der Natur ins Haus holt und dann in einen Topf am Fenster zwängt. Die Pflanzen und Tiere teilen ihr Leben mit uns, zur gleichen Zeit teilen sie es aber auch nicht, sondern leben in einer parallelen Realität. Diesen Aspekt finde ich interessant und es scheint, als ob er immer wieder in meinen Arbeiten auftaucht.
Du nutzt diese sehr sorgfältige Falttechnik in anderen Arbeiten wie »The Hibernators« oder auch »Koninjen«. Was mich am meisten an dieser Art von Collagen beeindruckt, ist, dass du damit eine neue Dimension kreierst, ohne dem Originalmaterial etwas hinzuzufügen. Wie hast du diese Technik entwickelt?
Für mich lag das Besondere an der Fotografie immer sehr nah an ihrem realen Erscheinungsbild. Das alte analoge Fotoalbum, ein Foto im Portemonnaie, ein zerstörtes Foto, das ich auf der Straße gefunden habe. Die Kombination davon, was man auf dem Bild sieht und der Form belegt das Foto mit einer extra Ebene an Dramatik. Nachdem ich ein paar Jahre lang Fotos gesammelt und daraus Bücher gemacht, habe ich festgestellt, dass mir etwas Essenzielles fehlte. Ich habe diese anonymen Bilder gehegt, als wären sie meine eigenen. Aber das waren sie natürlich nicht. Und um sie zu meinen zu machen, musste ich aufhören, sie wie Schätze zu behandeln. Ich entschied, das Gegenteil zu tun und sie auf eine grausame Weise zu zerstören. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich das Messer an das Porträt einer unbekannten Frau angesetzt habe. Es war so gut, so etwas Schlechtes zu tun. So hat das alles angefangen.

Seit Februar kann man deine Arbeiten auf Kleidung in einer Mini-Kollektion von Marni kaufen. Wie fühlt es sich an, wenn du jemanden siehst, der deine Kunst trägt? Hast du das Gefühl, dass das Kleidungsstück und die Person deinen Collagen eine neue Ebene hinzufügen?
Haha, so habe ich darüber noch nie nachgedacht. Und bisher habe ich noch niemanden mit meiner Kunst auf einem Kleidungsstück gesehen. Aber es ist eine große Ehre, mit Marni zu arbeiten. Sie haben einen so verspielten Umgang mit Mode. Ein bisschen merkwürdig und gestört.

Gibt es einen passenden Soundtrack zu deinen Arbeiten?
»I Put A Spell On You« – Screaming Jay Hawkins

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