×
×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Sexy Relevanz

Klaus Theweleit / absolute

»Die absolute-Reihe«, sagt ihr Herausgeber Klaus Theweleit, »ist keine Einführung. « Der Verleger des Orange-Press-Verlages, Martin Baltes, die Autoren der einzelnen Bände und Theweleit selbst würden gewissermaßen »als Dienstleister am schwer arbeitenden oder auch nur zeitknappen Leser« das »Wichtig
Geschrieben am

»Die absolute-Reihe«, sagt ihr Herausgeber Klaus Theweleit, »ist keine Einführung. « Der Verleger des Orange-Press-Verlages, Martin Baltes, die Autoren der einzelnen Bände und Theweleit selbst würden gewissermaßen »als Dienstleister am schwer arbeitenden oder auch nur zeitknappen Leser« das »Wichtigste herauspicken – das Interessante, das noch Aktuelle, das Weiterzudenkende«. Los ging’s vor drei Jahren, im Jahr 2002, mit Marshall McLuhan und seiner spezifischen Sicht auf die Medien: Das Medium ist die Botschaft. Es folgten Bände – häufig mit Interviews der vorgestellten Personen – über Paul Feyerabend, Simone de Beauvoir, Pierre Bourdieu, Vilém Flusser, Claude Levi-Strauss, Noam Chomsky, Max Weber, aber auch zu komplexeren Phänomenen wie ›Black Beats‹ und ›Marken, Labels, Brands‹. Was es sonst noch mit der hübsch poppig aufgemachten Reihe auf sich hat, wollten wir wissen.

Herr Theweleit, wo liegen die strategischen Differenzen der Reihe absolute zu typischen Theorie- bzw. Theoretiker-Einführungen?
Einführungen sagen oft: Diese Theorie funktioniert soundso. Wir stellen sie lieber in Auszügen vor und machen das nicht unnötig kompliziert. Bei Einführungen bleibt oft das schale Gefühl zurück, mit der Sache selbst nicht in Kontakt gekommen zu sein. Das ist bei der absolute-Reihe anders. Die Bücher erheben einen Schönheitsanspruch, und der Kontakt mit den wichtigsten Textstrecken ist garantiert. »Interplay of senses« würden wir mit McLuhan sagen – soweit das im Medium Buch möglich ist.

Die Verlagskultur steckt tief in der Krise – ist eine Reihe wie ihre da nicht ein finanziell törichtes Unterfangen?
Das ist die momentane Mode, all das als töricht zu bezeichnen, was sich nicht schon in der Planungsphase als antiinnovativ zu erkennen gibt. Nicht nur in der Verlagskultur. Wo Geld ist, wird noch mehr Geld sein – das ist wie beim Müll. Wenn in einer Ecke Papierchen liegen, schwindet die Hemmung, dort etwas hinzuwerfen. Die Konsequenz daraus ist, dass normalerweise all das verworfen wird, was keine Planungssicherheit hat (d. h., keinen Müllberg mit sich schleppt). Da Planungssicherheit allen neuen – also riskanten – Unternehmungen per definitionem abgeht, hält man sich an Fortsetzungen und Remakes: Shrek 2, Oceans 12 usw. Man muss ja nicht auf jeder Ebene die idiotischen Seiten der Filmindustrie imitieren.

Man gewinnt den Eindruck, dass Theorie hier, was die Auswahl von Autoren & Themen im Verbund mit inhaltlichem Aufbau und Layout bzw. Gestaltung betrifft, auf einen nächst höheren Level popkultureller Sexiness befördert werden soll. Ist da was dran?
Bei allem, was einen interessiert, ist libidinöse Energie im Spiel. Und wenn die sich im Umgang mit unseren Büchern erhöhen lässt, umso besser. Auch gut, wenn das so wahrgenommen wird. Trotzdem sträube ich mich gegen den Gedanken von Sex mit Büchern.

Profitiert die absolute-Reihe nicht auch erheblich von der intellektuellen Aura ihres Herausgebers Klaus Theweleit?
Ihrer Frage nach zu urteilen, wird es so sein. Die Regeln des Spiels, die wir ja kennen, verlangen so etwas wie ein Gütesiegel für Qualität. Ich stehe für eine bestimmte Art von theoretisch-spielerischer Auseinandersetzung, hier kommt sie in der Auswahl und der Gestaltung der Bände zum Ausdruck.

Die Relevanz der von Ihnen vorgestellten Intellektuellen ergibt sich fast immer aus ihrem theoretischen Werk. Wie wichtig bzw. aktuell ist deren gesellschaftstheoretisches Denken heute?
Relevanz fürs Gegenwärtige ist die grundlegende Bedingung bei der Auswahl. Insofern schon Aktualität – die wir aber nur behaupten können. Wobei wir mit allen möglichen anderen Aktualitäten, zum Beispiel der, dass nach wie vor »Sex sells« – und der findet im »Roman« statt –, konkurrieren müssen.

Generell: Wie wichtig sind gegenwärtig theoretische Versuche, verstehend der Gesellschaft, ihren verschiedenen Sphären oder Systemen zu Leibe zu rücken?
Eher rückt heute wohl – aber nicht zum ersten Mal – die Gesellschaft dem Individuum zu Leibe, um Ihre Formulierung aufzugreifen. Wo der Besitzer- und Managerfaschismus politisch keine Diktatur hinbekommt, bedient er sich gern des Sozialdemokratismus. Und eines grünen Tannenbaums. Unter dem jeder süße Einzelmensch sein Handy und die Digitalkamera vorfindet. An die Stelle des Denkens wird dabei das Duplizieren gesetzt und an die Stelle der Reflexion die Sehnsucht, sich die Haut zum Markenartikel umnähen zu lassen. Aber es gibt auch genügend Leute, die beispielsweise wissen möchten, warum das (vielleicht) so ist. Denen macht die absolute-Reihe ein freundliches Angebot.

Bücher über wen oder was dürfen wir in der absolute-Reihe ganz sicher noch erwarten?
Susan Sontag, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Michel Foucault, aber im Frühjahr zunächst Jacques Derrida und der von mir selbst besorgte Band absolute Sigmund Freud. Sicher aber auch bald mal einen Band über all those new technologies. Marshall McLuhan war nicht umsonst Eröffner unserer Reihe.

Orange-Press-Verlag
Der kleine Freiburger Verlag stützt sich in seinem Programm auf zwei Säulen. Die eine ist die Theoretiker-Reihe absolute, die andere, ebenfalls eine Sachbuch-Reihe, befasst sich mit Popkultur, vor allem mit Musik. Dem Orange-Press-Verlag ist es zu verdanken, dass wichtige Bücher US-amerikanischer Popkritiker wie Nelson Georges ›XXX – Drei Jahrzehnte HipHop‹ oder Amiri Barakas ›Blues People‹ endlich auf Deutsch zu lesen sind.

Klaus Theweleit
Irgendwer nannte Klaus Theweleit einmal »den intelligentesten Mann Deutschlands«. Was er selbst wohl kaum so sehen dürfte. Richtig ist, Theweleit – der Autor von ›Männerphantasien‹, ›Buch Der Könige‹, ›Das Tor Zur Welt‹ u. v. a. – hat sich vom freien Publizisten inzwischen hochgearbeitet bis zum Professor für Kunst & Theorie. Schön, dass seine Bücher so subversiv-kritisch sind wie eh und je.

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr