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Madonna und wir. Bekenntnisse

Kerstin und Sandra Grether

Die Herausgeberinnen Kerstin und Sandra Grether legen zum 50. Geburtstag der Pop-Diva einen dicken Madonna-Schmöker vor. Martin Büsser hat ihn verschlungen.
Geschrieben am
Die Herausgeberinnen Kerstin und Sandra Grether legen zum 50. Geburtstag der Pop-Diva einen dicken Madonna-Schmöker vor. Martin Büsser hat ihn verschlungen.

Sind nicht alle Madonna-Diskurse über Popfeminismus und Postmoderne bereits in den Neunzigern erschöpfend durchgenudelt worden? Diese Gefahr sehen auch die Herausgeberinnen von "Madonna und wir". Schon in der Einleitung geben sie Entwarnung: "Weder wollten wir eine oberflächliche, aufs private Starleben fixierte Berichterstattung, wie sie typisch ist für die Lifestyle-Medien, noch dem akademischen Diskurs über Madonna - den Zeichen-Theorien der 80er-Jahre oder der Gender-Studies-Variante der 90er-Jahre - weitere, unfreiwillig komische Madonna-Interpretationen ablauschen."

Obwohl Klatsch und Diskurs ausgeklammert werden sollten, ist mit dem 400 Seiten starken Reader pünktlich zum 50. Geburtstag des Popstars das bislang umfangreichste Madonna-Buch in deutscher Sprache erschienen. Kerstin und Sandra Grether haben nicht nur die unterschiedlichsten Schreibformen zugelassen - vom fiktiven Brief an Madonna bis zum Manifest, vom Fake-Tagebuch bis zur (dann eben doch) theoretischen Abhandlung -, sondern auch die unterschiedlichsten Positionen. Die wenigsten AutorInnen wagen jedoch, an der Säulenheiligen zu kratzen, sondern hängen immer noch der alten Subversions-Theorie an, die davon ausgeht, Madonna könne den Kapitalismus von innen heraus entlarven oder ihm zumindest einen Spiegel vorhalten.

Erfrischend anders liest sich dagegen Sarah Khans Kritik an "Madonnas Ehrgeiz und Humorlosigkeit": "Sie ist eine wesentliche Lehrmeisterin ihrer Zeit, eine Vorturnerin und kapitalistische Fruchtbarkeitsgöttin. Das kann man einigermaßen wertfrei und kritiklos feststellen. Wenn man die etwas diskreteren Nebenprodukte wie ihre Kabbala-Propaganda und ihre Kinderbücher besieht, springt einen die verzweifelte Moralistin an, die sie absurderweise auch ist. Spätestens das muss man als metaphysisches Mitschnackertum zurückweisen."

Harte Worte. Doch ausgerechnet ein linker Autor, Dietmar Dath, sieht das etwas anders und lobt an Madonna das Fehlen sämtlicher verlogener Essenzialismen und Eigentlichkeits-Mythen: "Die von ihr in allen hör- und sichtbaren Dimensionen produzierte Aura von Bewusstheit, Inszenierung, Absicht, Wissen und Willen (kurz: Materialismus) im Gegensatz zu Sentimentalität, Gefälligkeit, Unschuld, Geblubber und sonstiger Naturkindscheiße (kurz: Idealismus) hat Madonna von der ersten Platte an [...] diszipliniert durchgehalten und umsichtig weiterentwickelt." Dath macht aus Madonna keine radikale Kapitalismus-Kritikerin, würdigt aber, dass sie wenigstens dessen aufgeklärte, progressive Variante vertritt.

Und wie so oft beim Nachdenken und Schreiben über Madonna haben beide recht, Sarah Khan und Dietmar Dath. So wenig es die eine Madonna gibt, so wenig kann es einen einzigen Erklärungsansatz des Phänomens Madonna geben. "Bei Madonna ist immer noch ein Diskursplätzchen frei", zitiert Thomas Groß die Herausgeberinnen, die es auf den Punkt bringen: Jeder neue Text über Madonna fügt den bereits existierenden Spekulationen nur eine weitere hinzu. Weil Madonna es wie neben ihr vielleicht nur Andy Warhol verstanden hat, die totale Oberfläche des Pop zu absorbieren und sich damit klassischer Subjekt-Zuschreibungen zu entziehen, ist jede Madonna-Exegese nichts weiter als die jeweilige Wunschprojektion des schreibenden Subjekts. Genau das macht Madonna, wie Thomas Groß ausführt, den Dylanologen suspekt, jenen "seltsame[n] alte[n] Zausel[n], die ihre Herkunft aus gutem Elternhaus dadurch zu verbergen versuchen, dass sie noch immer einen Koffer in Woodstock haben".

Kerstin und Sandra Grether (Hrsg.)
Madonna und wir. Bekenntnisse
Suhrkamp, 400 S., EUR 12

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