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Obi-Wan Kenobis Opiumzäpfchen

Junge Musiker über »Trainspotting«

Danny Boyles »Trainspotting« ist neben Tarantinos »Pulp Fiction« wohl der stilbildende Kinofilm der 1990er Jahre. Aber wie wirkt der Mythos eigentlich auf die »Zuspätgeborenen«, die noch recht jung waren, als Mark Renton und seine Kumpel auf der Leinwand erschienen. Anlässlich des Kinostarts von »T2 Trainspotting« haben wir uns unter deutschen Musikerinnen und Musikern umgehört. Die meisten waren auch gleich drin im Thema.
Geschrieben am

Hello Piedpiper

Als »Trainspotting« rauskam, war ich gerade 15 Jahre alt, hatte angefangen Skateboard zu fahren und Bass in meiner ersten Punkband zu spielen. Ich trank schon Alkohol, rauchte Zigaretten und hatte auch schon mal an Joints gezogen. »Trainspotting« und auch Larry Clarks »Kids« hatten einen großen Einfluss auf meine Einstellung zum Leben, zur Freiheit, dazu alles zu tun, auf das man Lust hat und sich einen feuchten Dreck zu scheren, was die anderen denken. Zum Glück war ich immer zu feige, um Drogen jenseits von Gras zu testen. Wer weiß, vielleicht würde ich sonst heute auch in Toiletten schwimmen.


Zwei von Millionen

Der Punk der Neunziger hört Techno und nimmt chemische Drogen. Underworld ersetzen die Sex Pistols. Wenn ich 16 gewesen wäre, wäre »Trainspotting« mein Rebellionsmanifest gewesen. Gott sei Dank war ich noch zu jung, und so war der Filmabend mit meinen Kumpels nur ein faszinierender Abtörner. Wir haben dann doch lieber Musik gemacht und mal ein Bier getrunken. Und dass wir manchmal nachts im Dorf sprühen waren, war das Höchste der Gefühle.
Felix Räuber


Brandt Bauer Frick

Für mich war »Trainspotting« auch noch ein paar Jahre nach dem Release, als ich ihn zum ersten Mal mit circa 16, 17 Jahren gesehen habe, ein Ereignis. Irgendwie war man von der Welt in dem Film angezogen und abgeschreckt zugleich. Man wollte irgendwie gerne dabei sein, aber wenn es brenzlig wurde, war man froh, zu Hause auf der Couch und nicht auf Turkey zu sein.
Ich hatte das Poster mit dem »Choose Life«-Monolog ein paar Jahre in meinem Zimmer hängen. Und »Borny Slippy« ist meiner Meinung nach einer der besten Dance Songs aller Zeiten.
Daniel Brandt
Bild: Max Parovsky


Kraków Loves Adana

»Trainspotting« ist einer dieser Filme, die ungefähr den gleichen Effekt wie gute Horrorfilme haben, die die Ambivalenz von Beklommenheit und Faszination, von Realität und Eskapismus zeigen. Dem ungeschminkten Blick auf den Wachstumsschmerz einer Generation X, die sich den Konventionen der Gesellschaft entzieht und in eine eigene Welt flüchtet, 
verwoben mit einem wohlüberlegt kuratierten Soundtrack, der direkt in die Bedeutung des Filmes einfließt, kann man sich auch als Zuspätgeborener nicht entziehen.
Deniz Cicek


Emma6

Vielleicht haben wir daher die Begeisterung für James Bond und Iggy Pop. Haben »Trainspotting« natürlich erst mit ein paar Jahren Verspätung in der Pubertät gesehen. Er ist schockierend und tragisch zugleich, da es nicht nur um Drogen, sondern auch um Freundschaft geht. Und uns als Band gibt es nach fast 12 Jahren immer noch - was kann man da machen? Sind ja Kumpels.
Peter Trevisan, Henrik Trevisan, Dominik Republik


Mädness & Döll

Für mich wirft »Trainspotting« eine Frage auf, die ich mir bis heute noch nicht abschließend beantworten konnte. Was ist besser: Das Streben nach einem elektronischen Dösenöffner, einem pervers großen Fernseher und dem Heimwerkertum oder ganz einfach »ehrlich und aufrichtig« an der Nadel zu hängen? Ich mag den Film in erster Linie wegen seiner kompromisslosen Ehrlichkeit. Vor allem die Tiefen der Heroinsucht werden - soweit ich das beurteilen kann - weitestgehend authentisch dargestellt und erreichen in der Szene, in der Mark seine Freunde abzieht mit denen er aufgewachsen ist, ihren Höhepunkt. Viel besser kann man die scheinbare Grenzenlosigkeit der menschlichen Gier wohl nicht darstellen.
Fabian Döll

Als ich zum ersten Mal im Frankfurter Bahnhofsviertel war, wurde mir relativ schnell klar, dass das Konsumieren von Heroin nicht gerade erstrebenswert ist. »Trainspotting« bestätigte das auf ausführliche Weise. Es ist keiner dieser Drogenfilme, bei denen man sich den Konsum noch irgendwie schönreden kann. Selbst die »coolen« Sequenzen, in denen der Rausch abgebildet wird, werden relativ schnell von dem eigentlichen Elend der Situation überschattet. Ein Klassiker mit Lehrauftrag.
Marco Döll


Odd Couple 

Es verbindet uns nicht extrem viel mit »Trainspotting«. Aber wir teilen Mark Rentons Liebe zu Diane. Inmitten von Begbies Ausrastern, Spuds Scheiße und Tommys Amateurporno steht im Discokugelkleid die ideale Mischung zwischen Femme Fatale und Lisa Simpson, sexy und schlagfertig. Sie liest, raucht Gras und mag Bier. Die eigentliche Heldin. Besser als Heroin. Und definitiv wert, ihre Bücher zu tragen.
Jascha Kreft & Tammo Dehn


OTAGO 

Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und war beim Kinostart von »Trainspotting« gerade mal zarte zehn Jahre alt. Dementsprechend hab ich vom damaligen Hype natürlich nicht viel mitbekommen. Anfang der Nullerjahre hab ich dann angefangen mich durch die »Muss man UNBEDINGT mal gesehen haben«-Filme der letzten 30 Jahre durchzuarbeiten. Das »Trainspotting«-Plakat mit dem »Choose life«-Monolog an der Klotür einer befreundeten WG hatte mich direkt fasziniert und so hab ich mir den Film damals sogar direkt auf DVD besorgt, damit ich ihn im Original sehen kann. Zuhause auf dem Röhrenfernseher und in einer Reihe von Filmen wie »A Clockwork Orange«, »Donnie Darko« oder »Dancer in the Dark« konnte er auf mich natürlich leider nicht den gleichen Impact haben wie bei einem Kinogänger 1996. Das Baby an der Decke und die Kloschüsselszene sind aber auch bei mir bis zum heutigen Tag hängengeblieben.
Hannes Wittmer/Spaceman Spliff


Candelilla 

1996 war ich elf Jahre alt. Im Kino liefen: »The Rock«, »Breaking The Waves«, »Star Trek – First Contact«, Baz Luhrmanns »Romeo & Juliet«, »Larry Flynt«, »Mission Impossible« und »Fargo«. Um nur einige neben »Trainspotting« zu nennen, die ich natürlich alle nicht mit elf im Kino gesehen habe, die aber dennoch mein Verständnis von Kino und dem visuellen Erzählen geprägt haben. Das wird jetzt cinephiles Unverständnis auslösen, aber die Sichtung dieser Filme im Wohnzimmer und nicht im Kino hat ihrer Wirkung bei mir nicht geschadet. Anders: Etwa das Nirvana Konzert 1994 in München-Riem, da war ich acht Jahre alt. Oder The Cure in den Achtzigern. Oder Hole, Anfang der Neunziger. Oder die Einstürzenden Neubauten 1986 in Nürnberg in der Reichsparteitag-Nazi-Höhle, da war ich ein Jahr alt. Oder, um vor meine Geburt zu gehen: Die Beatles, Gustav Mahler am Dirigierpult und die Uraufführung der Dreigroschenoper mit Lotte Lenya, 1929. Der Vorteil an Filmen: Sie altern nicht, und sie werden nicht live erzeugt. Deshalb: Wenig Verlustgefühle bezüglich »Trainspotting« auf meiner Seite.
Rita Argauer


Goldroger

Ich müsste so 15 gewesen sein, als ich »Trainspotting« das erste Mal mit meinem damals besten Freund Arne gesehen habe. Das war auch die Zeit, in der wir anfingen zu trinken, zu kiffen, »Cheech & Chong«, »Fear and Loathing...« und so weiter geguckt haben – und Drogen allgemein supercool und interessant fanden. Er hatte also sturmfrei, wir lagen lattendicht im Wohnzimmer und haben eher so was wie die genannten Filme erwartet, als wir plötzlich mit der totalen Heroin-Horrorshow konfrontiert wurden. Ich kannte Ewan McGregor ja nur als Obi-Wan Kenobi – und auf einmal drückt sich Meister Jedi Opiumzäpfchen in den Arsch. Jedenfalls hat uns der Film, bis auf den mega Soundtrack, am Ende etwas enttäuscht und ratlos zurückgelassen, weil er halt nicht so stumpf drogenverherrlichend war, wie wir uns das erhofft haben. Erst in den Jahren danach konnte ich nach und nach Punkte aus dem Film in ihrer Gänze greifen. Vor allem als Arne dann recht früh anfing härteren Stuff zu nehmen. Und ich gecheckt habe, dass es Punkte gibt, an denen auch die beste Freundschaft nicht mehr tragbar ist und man sich seinen Umgang selbst aussuchen muss.


Blackberries

»Trainspotting« war zu meinen Schulzeiten der Skandalfilm, den man gesehen haben musste, um cool zu sein. Wie souverän Spud sein Vorstellungsgespräch gemeistert hat, bleibt für mich unvergessen. Und Begbie ist die wahrscheinlich beste Filmfigur aller Zeiten.
Sebastian Heer


Sea Moya 

Beim ersten Mal konnte ich nichts mit »Trainspotting« anfangen. Mein großer Bruder schaute ihn auf dem Hauscomputer an, ich war ungefähr neun Jahre alt und durfte ein bisschen mitgucken. Verstörend. Später auf Englisch war das eine andere Erfahrung und hat Fragen aufgeworfen wie »Bin ich Teil des Karussells mit Bausparvertrag, f***ing big television, etc?« Wenn ja, möchte ich weiter im Kreis hoch und runter holpern, oder doch eher zum Autoscooter wechseln und mir meinen Weg bahnen? Nicht weniger verstörend, aber definitiv inspirierend.
Elias Förster 


Golf 

Ich habe »Trainspotting« vor ein paar Jahren nachgeholt. Vor allem diese Blase aus total bescheuerten Leuten, in der die da leben, fand ich witzig. Als Band fühlt man sich ja auch manchmal ein bisschen so. Mit dem Mythos kann ich aber nicht so viel anfangen. Generell find ich's eher schade, dass viele Sachen die heute so rauskommen, Remakes sind. Das ist ja inzwischen auch in der Musik so. Gibt es dann in 20 Jahren eigentlich Remakes von den Remakes?
André Hörmeyer


Julian Stetter

Ich muss bei »Trainspotting« in erster Linie an den »Born Slippy«-Edit von Alma & Mater denken. Der Track wurde zu einer Art Hymne, der sich nach und nach auch aus dem Kölner Underground in die Sets von DJ-Superstars wie John Talabot oder Job Jobse einschlich. 
Bild: Frederike Wetzels


Giant Rooks 

Ich bin 1996 geboren, als »Trainspotting« in die Kinos kam, trotzdem lief mir der Film häufig über den Weg und hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dieses ganze Drogen-Drama wird an keiner Stelle beschönigt und in all seiner Grausamkeit dargestellt, dennoch muss ich als Zuschauer bei einigen Szenen auch sehr lachen und kann Rentons unbedingten Lebenswillen immer wieder spüren. Für mich ist es dieses Wechselspiel, das den Film so intensiv, zeitlos und vor allem lebendig macht.
Finn Schwieters


Fuck Art Let’s Dance

Eine verstörende Geschichte in verführerisch ekliger Ästhetik über ziellose Jugendliche, Neunziger-Rave und harte Drogen. Die Thematiken von »Trainspotting« berühren uns, weil wir sie auch schon am eigenen Leibe spürten. Ein in unserer Version abgeschwächter Sumpf aus »Teen-Angst«, Ziellosigkeit und die Abneigung gegen ein materialistisches »Choose life«.  Aber viel beeindruckender: Die größte Stärke des Films besteht unbestritten darin, dass wir durch ihn den Neunziger-Rave feiern.
Nico Cham, Romeo Sfendules, Tim Hansen, Damiam Palm



Milky Chance

Clemens Rehbein: »Trainspotting«?

Das ist ein typischer Neunziger-Film. Ist ein bisschen die ältere, bösere Schwester von »Pulp Fiction«.
Clemens: »Pulp Fiction« fand ich super. Ist »Trainspotting« dann aber nicht so ironisch?

Naja, schon ein wenig – jedoch noch viel drastischer. „Trainspotting“ ist ziemlich schonungslos und brutal. Es geht um abgestürzte Jugendliche in Schottland. Am 16. Februar startet nach über 20 Jahren die Fortsetzung.
Philipp Dausch: Ich muss ja sagen, dass Filme auch einfach nicht mein Medium sind. Ich lese mehr. Aber der Film hört sich echt gut an. Vielleicht sollten wir uns den mal ansehen.
Clemens: Ja absolut. Ist echt ein guter Filmtipp. Danke dafür!

Danny Boyle

Trainspotting - Neue Helden [Blu-ray]

Release: 29.08.2013

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