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Die zwei Zeiten der Revolution. Würde, Macht und die Politik der Zapatistas.

John Holloway

Die revolutionäre Bewegung der Zapatistas gilt vielen im Zeitalter des weltumspannenden Neoliberalismusdiktats als Anomalie: Während der kämpferische Zusammenschluss der indigenen BewohnerInnen der armen südmexikanischen Provinz Chiapas von den einen als anachronistischer Romantizismus belächelt wir
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Die revolutionäre Bewegung der Zapatistas gilt vielen im Zeitalter des weltumspannenden Neoliberalismusdiktats als Anomalie: Während der kämpferische Zusammenschluss der indigenen BewohnerInnen der armen südmexikanischen Provinz Chiapas von den einen als anachronistischer Romantizismus belächelt wird, ist das Movement für die anderen mit seiner smarten Nutzung moderner Technologien wie Internet, seinen poetischen Kommuniqués und natürlich seiner medial versierten Galionsfigur El Subcommandante Marcos Fackelträger in der Hoffnung auf globalen sozialen Wandel. In dem von Jens Kastner äußerst umsichtig und durchaus nicht kritikfrei eingeführten Band in der neuen Turia & Kant-Reihe “es kommt darauf an” (deren Name sich natürlich auf Marxens 11. Feuerbach-These bezieht) wird anhand mehrerer Essays des in Puebla, Mexiko lehrenden irischen Politikwissenschaftlers John Holloway eine Theorie des Zapatismus’ als Philosophie der revolutionären Befreiung entworfen. Immer wieder räumt Holloway ein, dass “die zapatistische Revolution absurd” sei und zu einer (postrevolutionären) Zeit begonnen habe (1994), in der ein solches Aufbegehren der Marginalisierten nicht mehr vorgesehen gewesen sei. Doch gerade aus diesem “poetischen Romantizismus” leitet er ihr Potenzial im Widerstand gegen die kapitalistischen Sachzwänge ab, die die Menschen mit ihrer “there is no alternative”-Doktrin ihrer Würde beraubten. “Wenn Kapitalismus heute existiert, tut er es nicht, weil er vor hundert oder zweihundert Jahren geschaffen wurde, sondern weil wir – die ArbeiterInnen der Welt, im weitesten Sinne – ihn heute schaffen. Wenn wir es morgen nicht tun, wird er nicht mehr existieren”, schreibt Holloway, und verwahrt sich damit auch gegen die klassisch linke Vorstellung eines Zeitkontinuums, in dem die Ära des Kapitalismus von der des neuen Gesellschaftssystems abgelöst wird – auf die es zu warten gelte. Von den Zapatistas sei zu lernen, so Holloway implizit, dass klassische Formen der linken Politik, die auf die Übernahme staatlicher Macht ausgerichtet seien, von einer Zersetzung des Apparates durch ein Rätesystem wie in Chiapas abgelöst werden sollten, immer unter dem Motto des mandar obedeciendo (gehorchendes Befehlen) und preguntando caminamos (fragend schreiten wir voran). Die Legitimation und damit auch die wichtigste Botschaft seiner Schriften leistet Holloway jedoch, indem er die universale Bedeutung des Zapatismus deutlich macht, die durch die Erkenntnis geleitet werden müsse, dass es hier nicht um Solidarität mit einer Minorität gehen könne, sondern “dass die Zapatistas und wir Teil desselben Kampfes sind.”

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