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Jenseits von Deutschland: Ein Film von Ulrich Köhler

Schlafkrankheit

Jenseits von Deutschland: Ulrich Köhler hat mit einem von Klischees befreiten Afrika-Film die Kritik bereits überzeugt. Das Publikum darf sich auf magische Momente freuen.
Geschrieben am

Für »Schlafkrankheit« heimste Ulrich Köhler auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären in der Kategorie »Beste Regie« ein. Der feinnervige Filmemacher der sogenannten »Berliner Schule« unternimmt darin einen gespenstischen Ausflug ins »Herz der Finsternis« – nach Kamerun. Und er beweist eindrucksvoll, dass sein realitätsnaher Stil auch außerhalb des spröden Alltags in Deutschland (wie in den vorangegangenen Filmen »Bungalow« oder »Montags kommen die Fenster«) ausgezeichnet funktioniert.

In Köhlers Afrika ereignen sich die ergreifenden Details spürbar zwischen den Filmbildern, ganz beiläufig und dennoch höchst irritierend. Die von der eigenen Biografie inspirierte Geschichte handelt einerseits vom Arzt Ebbo (Pierre Bokma). Der schafft es nicht, sich vom postkolonialen Kamerun zu lösen und seiner Familie zurück in die Heimat zu folgen. Er ist von Afrika, aber auch seinem sozialen Status dort gewissermaßen verhext. Ginge er zurück nach Wetzlar, wäre er wieder nur ein ganz normaler Arzt. Die letzte Einstellung vor einer spürbar langen Schwarzblende als Ende der ersten Hälfte des Films zeigt Ebbo völlig aufgelöst in der Küche seines Hauses in Kamerun, eine Flasche Bier in der Hand. Filmriss.

Es folgt der zweite Teil, der von der Figur des afrikanisch-stämmigen französischen Arztes Alex Nzila (Jean-Christophe Folly) getragen wird: Er ist gewissermaßen eine Spiegelung von Ebbo. Der Homosexuelle fühlt sich fremd im Land seiner Vorfahren. Eigentlich soll Alex im Auftrag der WHO die Effizienz der Klinik für Schlafkrankheit, die Ebbo leitet, überprüfen. Die komplexe Frage nach dem Sinn und Unsinn internationaler Entwicklungshilfe durchzieht diesen dialektischen Film ebenso wie das widersprüchliche Verhältnis der Europäer zu Afrika. Die Kulisse des Dschungels erinnert an die magischen Filme des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul (»Tropical Malady«). Beide Hauptfiguren sind nicht in der Lage, die tief symbolische Schlafkrankheit, die den Kontinent befallen hat, zu besiegen. Sie bleiben letztlich hilflos: zwei zutiefst einsame und entwurzelte Männer. Schwarzblende. Während des Abspanns ertönt das geheimnisvolle 80er-Stück »Moments In Love» von Art Of Noise ...


»Schlafkrankheit« (D 2011; R: Ulrich Köhler; D: Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly; Kinostart 23.06.)




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