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Zeitreise über den Tellerrand

Interview mit dem Team von »Dark«

Die erste deutsche Netflix-Produktion »Dark« ist ein Mystery-Thriller, der in den Jahren 2019 und 1986 spielt. In einem Provinzkaff in der Nähe eines Atomkraftwerks verschwinden Kinder spurlos. Patrick Heidmann sprach mit Produzentin und Autorin Jantje Friese, Schauspieler Louis Hofmann und dem Schweizer Regisseur Baran bo Odar.
Geschrieben am
War euch sofort klar, dass ihr den Hut in den Ring werfen würdet, als Netflix eine deutsche Serien-Produktion ankündigte?
Jantje Friese: Nein, wir hatten nicht das Gefühl, unbedingt für dieses Projekt pitchen zu müssen. Bo steckte noch kopfüber in seiner Hollywood-Produktion »Sleepless«, und ich schrieb an etwas anderem. Aber die Netflix-Verantwortlichen hatten »Who Am I« gesehen und fanden das superspannend. Die kamen auf uns zu, weil sie aus dem Film eine Serie machen wollten. Da hatten wir nicht so richtig Lust zu, weil wir schon lange genug mit den Hackern beschäftigt waren. Weil wir aber noch ein paar Ideen in der Schublade hatten, beschlossen wir, dass wir es zumindest versuchen wollten. Wir wären ja doof gewesen, wenn wir es nicht gemacht hätten.

So habt ihr »Dark« aus der Schublade gezogen?
Jantje: Genau. Netflix war davon begeistert. Damit haben sie uns angesteckt, sodass sich eine gemeinsame Begeisterung für dieses Projekt entwickelte.

Naiv gefragt: Wie ausgearbeitet ist so ein Pitch? 

Baran bo Odar: Pitchen ist tatsächlich eine eigene Kunstform. Es hat mit dem Schreiben noch nicht viel zu tun, sondern erinnert eher daran, wie man einem Freund einen Film empfehlen würde, den man vorher im Kino gesehen hat. Fünf, sechs Sätze, die das Wesentliche auf den Punkt bringen. Wenn man eine interessante Idee hat, geht das recht zügig. So wie im Fall von »Dark«. Der erste Gedanke war, ein Familiendrama mit einem übernatürlichen Twist zu kombinieren. Das Entwickeln und Schreiben ist etwas vollkommen anderes. Da stößt man dann schon öfter mal gegen Wände.
Jantje: Beim Pitchen kommt es einfach darauf an, eine gewisse Spannung zu erzeugen. Je weniger man erzählt, desto besser klappt das.

Louis, brauchte es Überzeugungsarbeit, dich als Schauspieler für »Dark« zu verpflichten?
Louis Hofmann: Als ich von dem Konzept und der Geschichte hörte und dann das Drehbuch las, brauchte es kein bisschen Überzeugungsarbeit. Schon als ich die erste Pressemitteilung gelesen hatte, hoffte ich, dass es in dieser Serie einen Jungen gibt, den ich vielleicht spielen könnte.

Die Erwartungen und die Aufmerksamkeit sind groß, gerade weil »Dark« die erste deutsche Netflix-Serie ist. Wie äußert sich dieser Druck?
Jantje: Da muss man sich ein bisschen frei machen. Das Wichtigste ist, dass man schon in der Entwicklung versucht, seiner Idee treu zu bleiben. Und am Ende muss man ein Gefühl dafür haben, ob etwas entstanden ist, das einem gefällt. Die Stimmen der anderen sollten zweitrangig sein.
Baran: Ich habe schon als Jugendlicher Druck einfach abgeschmettert. Wir haben »Dark« nicht gemacht, weil wir die erste deutsche Netflix-Serie machen wollten. Wir fanden es spannend, dass uns jemand die Gelegenheit gab, eine Serie zu machen. Den hohen Anspruch haben wir uns selbst gesetzt.
Eure amerikanischen Kollegen schwärmen schon seit Jahren von den Freiheiten, die man als Künstler bei Netflix hat. Wie habt ihr die Arbeit erlebt – im Vergleich zu deutschen Redakteuren und Förderanstalten?
Jantje: Es war ein vollkommen anderes Arbeiten. Sehr befreiend. Bei Netflix ist man wahnsinnig Kreativen-freundlich. Die entscheiden sich für ein Team und eine Idee und tun dann alles dafür, dass das Team diese Idee umsetzen kann. Es herrscht richtig viel Vertrauen.
Baran: Natürlich gibt es Kommentare und Anmerkungen. Aber das Schöne war, dass sie immer gesagt haben: »At the end, it’s your show.« Es wurde zwar diskutiert, auch mal heftig. Aber wir mussten nie irgendetwas machen, was wir auf keinen Fall wollten. Das ist schon ein großer Unterschied zur bisweilen etwas festgefahrenen deutschen Fernsehlandschaft.

Merkt man als Schauspieler auch, dass die Arbeitsbedingungen anders sind?
Louis: Für mich war nicht unbedingt ein Unterschied spürbar. Aber natürlich habe ich mitgekriegt, dass Jantje ausgesprochen frei schreiben konnte. Und dass Baran so gut wie gar nicht eingeschränkt wurde darin, wie er die Geschichte erzählen und das Projekt leiten wollte. Mit Netflix selbst hatte ich während des Drehs eigentlich gar nichts zu tun.

Gab es im Vorfeld Ansagen von Netflix, was es unbedingt zu beachten galt?
Baran: Eine gute Serie wollten sie haben, und gerne auch eine, die gar nicht komplett Mainstream, sondern ein bisschen nischig ist. Denn die erfolgreichen Serien bedienen alle eine gewisse Nische. Siehe »Stranger Things« mit der 1980er-Jahre-Nostalgie oder »Mad Men« mit einer Geschichte über die Werbebranche der Sechziger.  

Auch keine Vorgaben, um die Serie international kompatibel zu machen?

Jantje: Nein. Weder formale Dinge wie »in Minute zwölf muss dieses oder jenes passieren« noch Inhaltliches nach dem Motto »das sind die Vorlieben koreanischer Zuschauer, das die der Amerikaner«. 

Habt ihr beim Schreiben und Drehen immer im Hinterkopf gehabt, dass »Dark« über den deutschen Tellerrand hinausreichen muss?

Jantje: Die Frage kommt öfter, und irgendwie ist sie für uns ein bisschen absurd. Wir erzählen nie nur für Deutschland, sondern immer eine Geschichte, von der wir das Gefühl haben, dass sie etwas Universelles hat. Und tatsächlich hat man ja nicht zuletzt bei »Who Am I« gesehen, dass der Film auch in anderen Ländern auf Interesse stieß.

Welche Schwierigkeiten gab es während der Produktion?
Louis: Wir haben ständig draußen gedreht, und es war immerzu kalt und nass. Ich war sehr froh, dass Baran seine Drohung nicht wahr gemacht hat, die komplette Serie im Regen spielen zu lassen.
Baran: Für mich war das Casting fast das Schwierigste. Erstens mussten wir unglaublich viele Rollen besetzen, zweitens war es mir wichtig, nicht nur auf die üblichen Gesichter zu setzen, sondern wirklich die passendsten Schauspieler für jede einzelne Figur zu finden. Die zusätzliche Herausforderung war, dass »Dark« ja auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Also mussten wir für manche Rollen mehrere Darsteller finden, die sich ähnlich sehen. Das war nicht einfach, denn der deutsche Markt ist ja gar nicht so groß. Durch das Archiv unserer Casterin Simone Bär hat man sich zum Beispiel in der Kategorie »Schauspielerinnen zwischen 40 und 48 Jahren« in zwei Stunden durchgeklickt.

Und wie war es, erstmals in einem »Writers’ Room« zu arbeiten, wie er bei amerikanischen 
 üblich ist?

Jantje: Das war mein Wunsch. Ich hatte vor Jahren mal ein Interview gelesen mit den Machern der Serie »The Killing«, die beschrieben, wie sie ihren Writers’ Room aufgebaut haben. Ich habe es einfach genauso gemacht und mir die Mitarbeiter quasi entsprechend der Zutaten zusammengestellt, die ich für die Geschichte brauchte. Einen mit einem eher lustigen Zugang. Einen, der eher skeptischer an die Sachen herangeht. Und einen Romantiker hatte ich auch. Das hat sich am Ende ganz schön miteinander verbunden. Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, diese Art des Arbeitens für Serien auch in Zukunft einzusetzen.

— »Dark« ist ab dem 01.12.17 auf Netflix zu sehen.


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