×
×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Die Erfindung der Schuld

Ingmar Bergman

Ungeduldige Filmfans haben sich bereits die teure britische Bergman-Edition auf DVD zugelegt und sich durch das schwedische Original mit englischen Untertiteln gekämpft. Doch Warten lohnt sich manchmal. Durch den DVD-Boom werden wohl bald auch hierzulande nahezu alle Filmklassiker wieder erhältlich
Geschrieben am

Ungeduldige Filmfans haben sich bereits die teure britische Bergman-Edition auf DVD zugelegt und sich durch das schwedische Original mit englischen Untertiteln gekämpft. Doch Warten lohnt sich manchmal. Durch den DVD-Boom werden wohl bald auch hierzulande nahezu alle Filmklassiker wieder erhältlich sein - eine umfangreiche Edition wie im Fall von Ingmar Bergman braucht allerdings auch Zeit. Schon im Herbst vergangenen Jahres startete Kinowelt die Bergman-Reihe mit ›Das Lächeln Einer Sommernacht‹ (1955), einem für Bergman-Verhältnisse geradezu heiteren Intrigenspiel, das dem schwedischen Regisseur seinen internationalen Durchbruch verschaffte. Alleine in diesem Jahr sollen noch elf weitere Filme folgen, darunter ›Persona‹, ›Szenen Einer Ehe‹, ›Wilde Erdbeeren‹ und - gerade auf den Markt gekommen - ›Das Schweigen‹.

Das Schweigen‹ von 1963 war einer der zehn erfolgreichsten Filme der 1960er-Jahre, obwohl es sich bereits um das für Bergman typische langsam gedrehte psychologische Erzählkino handelte. Eine angedeutete Selbstbefriedigung und eine kurze Sexszene machten den Film um zwei Schwestern und einen Jungen, die auf der Rückreise nach Schweden in einem alten Hotel unterkommen, zum heute nicht mehr nachvollziehbaren Skandal. Der Katholische Filmdienst sprach von einer "Beleidigung der Menschenwürde" und forderte die Indizierung. Davon unbeeindruckt, hat sich Bergman stets an Autoritäten abgearbeitet, allen voran an den bigotten, lustfeindlichen Kirchenvertretern. Ihre schmerzhafte Intensität verdanken seine an Strindberg geschulten Stoffe hochkarätigen SchauspielerInnen wie Liv Ullman, aber auch der Besessenheit, mit der Bergman sich gegen die eigene Erziehung und den protestantischen Vater filmisch abarbeitet. Noch in ›Fanny Und Alexander‹ von 1982 müssen zwei Kinder am eigenen Leib erfahren, dass die Zeit der Unschuld mit dem Moment ein Ende hat, als die Mutter erneut heiratet - einen strengen Bischof, der Liebe mit Verzicht gleichsetzt. In Bergmans Kampf mit der christlichen Moral wird immer wieder deutlich, dass Schuld alleine durch die Kirche und deren Definition von Schuld in die Welt gekommen ist. Dem hält Bergman immer wieder die Fantasie der Kinder entgegen, denen Schuldempfinden erst eingetrieben werden muss. Lange bevor Hollywood mit Filmen wie ›American Beauty‹ die gar nicht mehr intakte Familie thematisierte, hat Bergman bereits wie kein anderer das häusliche Idyll erbarmungslos als Lebenslüge seziert. Das tut manchmal weh und ist in jedem Fall sehenswert.

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr