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Der Tod und das Mädchen

Im Glaskäfig

Das kleine, feine Label Bildstörung veröffentlicht die nächste Perle aus dem Schattenreich des Arthouse: "Im Glaskäfig" erzählt von den bizarren Folgen unbeschreiblicher Gewalt.
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Das kleine, feine Label Bildstörung veröffentlicht die nächste Perle aus dem Schattenreich des Arthouse: "Im Glaskäfig" erzählt von den bizarren Folgen unbeschreiblicher Gewalt - stilisiert die Grausamkeit aber nicht zum Selbstzweck.

Der Film des spanischen Regisseurs Agustí Villaronga ist ein wahrhaft gruseliges Werk, das in die Untiefen menschlicher Korruption und Grausamkeit blickt. 1987 wurde während der Berlinale gar eine Kopie beschlagnahmt. Allerdings sorgte "Im Glaskäfig" für wahre Jubelarien bei der Presse und kam ein Jahr später in die Kinos. Dass der Film jedoch wenig bis kaum beachtet wurde, tut seiner Klasse nicht nur unrecht, sondern zeigt vor allem, dass die Beschäftigung mit heiklen Themen auch im Arthouse-Bereich nicht an der Tagesordnung ist. Die späte Veröffentlichung auf DVD durch das schöne neue Label Bildstörung zeigt, wie die Industrie manche Perlen in den dunklen Archiven schlummern lässt.

Es geht um einen ehemaligen Nazi-Arzt, der sterbenskrank an eine Lungenmaschine gefesselt in einem abgelegenen Landhaus vor sich hin vegetiert. Eines Tages bekommt er Besuch von einem seltsamen jungen Mann, der über die Machenschaften des Doktors während des Zweiten Weltkriegs Bescheid weiß: In diversen Konzentrationslagern hat dieser sadistische sexuelle Experimente an Jugendlichen durchgeführt. Der Besucher beginnt nun, den Arzt und dessen Familie mit den Taten zu konfrontieren, doch sein Auftritt als Racheengel nimmt bizarre Formen an. Er beginnt, die Taten des Nazi-Arztes nachzuahmen. Ein wenig erinnert das Kammerspiel an Arien Dorfmanns Theaterstück "Der Tod und das Mädchen", in dem ein Opfer der - auch sexuellen - Folter durch ein südamerikanisches Militärregime Rache an seinem Peiniger nimmt. Jedoch geht der Film Villarongas viel weiter, auch wenn er auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet. Der Zuschauer tappt lange im Dunkeln, während der Regisseur in subtilen Bildern die Untiefen der menschlichen Psyche durchsucht. Er inszeniert ein Vergeltungsdrama, das über die meisten Filme hinausgeht, die man bislang aus diesem Genre gesehen hat. Doch allein durch die Konstellation der Charaktere und die enge Verbindung zu historischen Gräueltaten und körperlichem Leid gerät die Gewalt, ob nun sichtbar oder nur angedeutet, niemals zum Selbstzweck, sondern steht immer im Zeichen der psychologischen Charakterzeichnung. Ein übersehenes Meisterwerk.


Im Glaskäfig (E 1986; R: Agustí Villaronga; D: Günter Meisner, David Sust, Marisa Paredes; Bildstörung)

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