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Hans W. Geißendörfer über »Berberian Sound Studio«

»Ich liebe Horrorfilme«

Als Autor, Regisseur und Produzent verwirklicht Hans W. Geißendörfer seit mehr als vierzig Jahren hochseriöse Filme wie »Der Zauberberg« oder »In der Welt habt ihr Angst«. Die »Lindenstraße« hat er nebenbei auch noch erfunden. Mit »Berberian Sound Studio« steht jetzt wieder eine Liebesarbeit an.
Geschrieben am

Der atmosphärische Horrorfilm ist Genre-Hommage und Innovation in einem, denn der Schrecken kommt hier einmal nicht aus blutigen Eimern, sondern ganz klammheimlich über die Tonspur. Alexander Dahas sprach mit Hans W. Geißendörfer darüber, was echten Horror ausmacht.

 

Herr Geißendörfer, an welchem Punkt der Produktion sind Sie in »Berberian Sound System« eingestiegen?

Ganz am Anfang. Der ausführende Produzent Keith Griffiths ist ein Freund von mir, und wir haben schon einiges zusammen verbrochen. Der kam mit dem Buch und sagte: »Hans, es wäre super, wenn du Deutschland wieder mit reinziehen kannst, das Fernsehen vielleicht dazuholen. Wir brauchen unbedingt noch so und so viel Kohle! « Der Film hat nichts mit Deutschland zu tun, deswegen kann man nicht hingehen und sagen, ich hole jetzt die Förderung. Das ist dann reines Produzentendenken: »Habe ich eine Chance, mein Geld da zurückzuholen. Welche Anteile kriege ich? Ich habe also den deutschen Markt zu 100% inklusive Fernsehen und den Weltmarkt zum Anteil meiner Investition. Und wenn die Investition groß genug ist und Sie respektiert sind im Team, haben Sie selbstverständlich auch eine Menge Einfluss auf den Film. Und das beginnt schon mit dem Drehbuch.

Was am Drehbuch hat den Ausschlag für Ihre Beteiligung gegeben?

Ich liebe Horrorfilme. Ich würde auch selber gerne wieder einen machen, finde nur nicht den richtigen Stoff. Und dann kam da ein Horrorfilm von ungewöhnlicher Atmosphäre. In dem der Horror wenig über die Bilder oder über die Geschichte selber läuft, sondern über Ton. Der Ton ist so quälend für den Hauptdarsteller, und er wird langsam auch quälend für den Zuschauer, je länger Sie den Film sehen. Der Ton fängt an weh zu tun, und der Ton bekommt eine eigene Hauptrolle. Der Ton ist der Horror. Die Geräusche, die Schreie. Und das war für mich spannend – einen Horrorfilm zu machen, ohne dass grausige Menschen durch die Gegend fliegen.

 

Wie gut kennen Sie sich mit dem Giallo-Genre aus, das im Film dargestellt wird? Haben Sie sich intensiver mit der Art der stilvollen Gewaltdarstellung in Giallo-Filmen beschäftigt?

Ich habe mich da ein bisschen reinlesen müssen und habe mir einen Uralt-Film angeguckt, aus den Siebziger Jahren. Ich bin da also ziemlich unbeleckt gewesen. Ich bin ein ganz merkwürdiger Filmemacher und gehe sehr wenig ins Kino.

 

Warum?

Die Vorbilder werden mir zu belastend. Andere machen es genau umgekehrt und saugen alles in sich rein, was die Kollegen machen und wie das so läuft. Ich habe als ganz junger Regisseur da schon Bammel gehabt, meine Eigenständigkeit zu verlieren. Wenn man guckt, wie die anderen das machen, zitiert man das. Ich will das nicht wissen. Ich will das selber erfinden. Zu viel Wissen schadet.

 

Nach welchen Kriterien suchen Sie denn die Filme aus, die Sie dann doch schauen?

Das sind oft Kollegenfilme, also von Freunden oder von Leuten, die einen einfach wirklich interessieren. Manchmal sind es die Schauspieler, manchmal ist es auch die Einladung zu einer Premiere, und ich bin gerade gut gelaunt: »Ja, heute halte ich Menschen aus, ich geh dahin! « Aber ich sehe auch nicht fern, meine ganze Familie nicht. Nur Fußball.

 

Was macht für Sie die Faszination an Horrorfilmen aus?

Horror hat eine ganz große Kraft von Geheimnis. Im Horror müssen Sie auch nicht in der normalen Logik arbeiten, sondern Sie können fast wie beim Melodram alles von einer inneren Logik abhängig machen. Innerhalb der Fantasywelt muss die Logik schon stimmen, aber es ist nicht die Logik, mit der wir morgens unseren Kaffee kochen. Und dann die Düsternis... Ich habe mal versucht einen heiteren Horrorfilm zu machen. Roman Polanskis »Tanz der Vampire“ ist auch wirklich heiter, aber das ist nicht der Horror, der mich fasziniert. Das ist ja fast schon Karikatur oder Ironie, je nachdem wie man das auffassen will. Aber denken Sie an das Erschrecken von einem Kind, dem plötzlich ein großer Hund gegenübersteht oder irgendjemand Bedrohliches. Ich will damit sagen, dass man aus seinen Kindheitserinnerungen die Liebe zu, aber auch die Angst vor Horror definieren kann. Und dann ist es als Filmemacher eine ungeheuer schöne Aufgabe von Wirkung. Wenn Sie Regie machen, müssen Sie ja immer überlegen: »Wie baue ich die Szene auf? « Ein ganz simples Beispiel: Sie haben eine Szene, wo der Mörder mit dem Kind, das er ermorden will, zusammentrifft. Nehmen wir an, der Mörder steht hinter einem Vorhang, und das Kind kommt in den Salon. Zeigen Sie jetzt den versteckten Mörder oder lassen Sie das Kind völlig unschuldig in den Raum kommen? Wählen Sie also die Perspektive des Kindes oder zeigen Sie vorher den Mörder? Was ist spannender?

 

Diese Art von Horror scheint mit dem Thriller à la Hitchcock verwandt zu sein.

Genau. Mein Horror sind nicht die Monster, mein Horror ist das Geheimnis. Das kann auch nur ein Geräusch in einem Haus sein, aus dem ein paar Menschen aus irgendeinem Grund nicht rauskönnen. Das ist für mich ein Horrorfilm. Wenn da dann am Ende ein Monster steht, ist es auch okay. Aber besser, man lässt es weg.

 

Haben Sie einen Lieblingshorrorfilm?

Ja. »Jonathan«. Den habe ich nämlich selber gemacht.

 


 

 

 

R: Peter Strickland; D: Toby Jones, Susanna Cappellaro, Antonio Mancino

 

 

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