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D 2007

Hölle Hamburg

Vorm Hamburger Hafen liegt ein von den Reedern aufgegebenes Schiff, auf dem sich eine Crew von Flüchtlingen eingenistet hat.
Geschrieben am

Vorm Hamburger Hafen liegt ein von den Reedern aufgegebenes Schiff, auf dem sich eine Crew von Flüchtlingen eingenistet hat. Sie sind das Überbleibsel des Interklubs, einer kommunistischen Seegewerkschaft der 1930er-Jahre. Per Flaschenpost versuchen sie mit weiteren revolutionären Zellen Kontakt aufzunehmen.

Ihre Sprache ist ein Gemisch aus Englisch, Plattdeutsch und Französisch, das dem Zuschauer sehr viel Konzentration abverlangt. Eine Journalistin, die gerade einen Dokumentarfilm über den Hamburger Hafen dreht, stößt zufällig auf die Crew und wird dort in die Agitprop-Abteilung eingewiesen, was ihren sowieso schon chaotisch verlaufenden Drehplan völlig über den Haufen wirft.

"Hölle Hamburg" ist eine Groteske vor ernstem Hintergrund. Der Hamburger Hafen erfährt derzeit einen gigantischen Umbau: Die Hafencity mit Erlebnispark, Museen, teuren Wohnflächen und Glasfassaden soll den Hafen zum neuen Prestigeobjekt der Stadt werden lassen. Genau in diesem Terrain spielt "Hölle Hamburg" und spült Verdrängtes nach oben. Inmitten der künftigen Touristenattraktion und Yuppie-Meile wird vorgeführt, wozu der Hafen in erster Linie dient: Er ist Umschlagplatz des neuen, globalisierten Kapitalmarktes und Bollwerk der Festung Europa. In eloquenten Worten schildert ein Hafenmanager im Film, wie die Infrastruktur vor unerwünschten Eingriffen und Terroranschlägen geschützt wird.

Solche O-Töne von Managern und Maklern stehen im Kontrast zu der chaotischen, wie ein Anachronismus wirkenden Interklub-Crew mit ihrem bastardisierten Voodoo-Internationalismus. "Sie denkt nicht im Format", wird die Journalistin immer wieder von ihrem Fernsehsender zurechtgewiesen. Weil auch Peter Ott und Ted Gaier nicht im üblichen Kino-Format denken, ist ihnen ein außergewöhnlicher, eindringlicher Film gelungen. Eine politische Farce in der Tradition von Lars von Triers "Europa".

Kinotermine im März: 06.-12.03. Hamburg, 3001 Kino 12.03. Weimar, Lichthaus 13.03. Karlsruhe, Pop! Goes The Weasel Badischer Kunstverein 19.03. Berlin, Arsenal 20.03. Berlin, Babylon 25.03. Berlin, Arsenal 21.03. Rostock, MS Stubnitz

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