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Kein Schaumschläger

Hendrik Otremba im Porträt

Hendrik Otremba ist Sänger der Band Messer, Maler und Schriftsteller. Sein Debütroman »Über uns der Schaum« beschreibt einen wilden Roadtrip in düsterer Zukunft. Lars Fleischmann über einen Dandy, der gern allein ist.
Geschrieben am
Als ich Hendrik Otremba das letzte Mal persönlich sprach, lud er mich in den Backstage-Bereich des Kölner Gebäude 9 ein. Eine Stunde später sollte er mit seiner Band Messer auftreten. Hendrik saß zwischen Bandkollegen und Bekannten und blubberte durch einen Schlauch Blasen in eine Wasserflasche. Auf die Frage, warum er das mache, antwortete er: »Ich habe gehört, das soll die Stimmbänder aufwärmen und schonen.« Sicher wird ihm klar gewesen sein, dass das auch humorig aussah, wie er so blubberte, während alle Bier tranken, aber die Sache war mehr professionell und weniger ein Gag. Dieses Bild passt zu Hendrik Otremba: mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht Sachen todernst anpacken. So geht er mit Philipp Wulf, Pogo McCartney, Milek und Manu Chirra die Postpunk-Band Messer an, so malt er seine Bilder, die schon mehrfach Plattencover zierten. Und so schrieb er auch seinen Debütroman »Über uns der Schaum«.

Die Hauptfigur, Joseph Weynberg, ist ein Detektiv mit gebrochenem Herzen. Er lebt in einer Zukunft, in der die Erde eine wüste Landschaft ist. Science-Fiction und 1950er-Jahre-Noir-Rausch tanzen in dem Roman hin und her. »Neo Noir« nennt der Verlag das. Klar, Otrembas Figuren atmen alten Rauch in neuer Luft, aber man kann deutlich Einflüsse jenseits des Noir-Genres herauslesen – wie Henry Miller zum Beispiel, oder Boris Vian, Autor der surrealistischen Liebesgeschichte »Der Schaum der Tage«. Vian hatte sich Otremba bereits mit den Messer-Kollegen auf der Theaterbühne gewidmet. Aber auch Cormac McCarthy oder den wegen seines Nationalismus mehr als streitbaren Mishima Yukio nennt er als Referenzen. Gemein sind diesen Autoren gebrochene Männlichkeit, falsche Rollenbilder und campe Queerness in ihren Werken. Jenen Spannungsfeldern widmet sich Otremba auf allen künstlerischen Ebenen – manchmal subtil, manchmal recht direkt. Auch mag er sich weder vom Dandy noch vom Flaneur abgrenzen. Stil und Lässigkeit bleiben immer wichtig. Dahinter steht die Suche nach Haltung. Die politische Praxis, die er sich in der Hardcore- und Punk-Szene des Ruhrgebiets, wo er 1984 geboren wurde, abgeholt hat, wirkt bis heute. Er ist ein guter Redner und wunderbarer Gesprächspartner. 

Daran erinnern mich selbst die E-Mails, dir wir aufgrund dieses Artikels schreiben. Bleibt die Frage, ob er beim Schreiben der kommunikative Band-Typ ist oder eher der einsame Detektiv. »Ich sehe nur Vorteile darin, allein zu arbeiten. Es sei denn, es geht um musikalische Schaffensprozesse – dort bedarf es aber auch der Einsamkeit. Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen als einen ›work space‹ mit anderen Leuten.« Bestimmt musste er verschmitzt grinsen, als er das schrieb.

Hendrik Otremba

Über uns der Schaum: Roman

Release: 13.03.2017

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