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Ist die Lage noch gut oder schon ernst?

»Die Stadt als Beute«

Andreas Wilckes Dokumentarfilm zieht den Zuschauer in den Sog des Berliner Wohn- und Immobilienmarktes hinein. Weder die Betroffenen noch die Profiteure der so genannten Gentrifizierung nehmen vor der Kamera ein Blatt vor den Mund.
Geschrieben am
Der Filmemacher Andreas Wilcke zog Anfang der 1990er-Jahre nach Berlin, als die Stadt viele offene Räume zu bieten hatte. Unsanierte Altbauten, in denen man günstig wohnen konnte und charmante Brachen, wo sich vorübergehend aufregende Clubs und Galerien entfalten sollten. Natürlich ist Berlin nicht die einzige Großstadt, in der die so genannte Gentrifizierung nach und nach solche Oasen zerstört – worüber man jetzt viel erzählen könnte, da Gentrifizierung als Phänomen längst von vielen Seiten analysiert wurde – dennoch eignet sich Berlin als eine »Stadt im Kommen« und als momentaner »place to be« eben besonders gut für eine Auseinandersetzung mit dem Thema. Es gibt gerade eine Menge Leute, die »Die Stadt als Beute« begreifen.  

In Wilckes gleichnamigen Dokumentarfilm hört man einige Aussagen, die schrecklich abgelutscht klingen und unbestreitbar wahr sind.  Da geht es um die Beschreibung der Attraktivität Berlins für Investoren, um die Eigenheiten der Stadt oder um die Rezepte der Politik. Es mag faszinierend erscheinen, wie unverblümt die Immobilienmakler vor Wilckes Kamera über Profitsteigerung und den Umgang mit lästigen Mietern sprechen. Huch, die sagen ja tatsächlich genau, was sie denken und geben sich überhaupt nicht diplomatisch! Das Spektrum der Gefühlsregungen beim Zuschauer angesichts dieser teils entwaffnenden Aussagen  reicht von ungemütlichen Bauch- bis zu heftigen Lachkrämpfen. Aber die eigentliche Klammer des Films sind die Aussagen des ehemaligen und des jetzigen Regierenden Bürgermeisters von Berlin zu Beginn und am Ende des Films. Die Genossen Wowereit und Müller verkörpern eindrucksvoll den fehlenden Willen der Politik, den Wohnungsmarkt so zu regulieren, dass eine Stadtentwicklung möglich wird, die nicht nur Mietern mit viel Kohle lebenswerte Perspektiven bietet. Liberalisierung bedeutet denen halt nur noch das Achselzucken der stummen Zeugen der Entfesselung des Marktes.



Dazwischen folgen wir Maklern bei Ortsterminen, Mietern im Kampf gegen Schikanen der Vermieter, Schnäppchenjägern auf der Suche nach lohnenden Investments, potenten Wohnungskäufern beim Besichtigen von reizvollen Lagen, in denen die Alteingesessenen hilflos abwarten, was mit ihnen geschieht. Wilcke verzichtet auf Off-Kommentare, beobachtet und hört zu.  Mittendrin erinnert uns eine Frau mit ihrer zwar laut aber doch sehr vernünftig vorgetragenen eigenen – weil am eigenen Leib erfahrenen – Version der Gentrifizierung, dass echte Menschen im neoliberalen Drecksloch Berlin leben.  Und kaum eine Chance haben, wahrgenommen zu werden. Ein wichtiger Film über ein großes Problem mit hoher Wachstumsrate.
»Die Stadt als Beute« D 2016 R: Andreas Wilcke; Kinostart: 08.09. 
Aktuelle Termine und weiter Info unter www.diestadtalsbeute.com

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