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The Act Of Life

»Die letzten Männer von Aleppo«

Bomben fallen auf Aleppo und sie sind trotzdem noch da und helfen, wo sie können: Die Weißhelme. Feras Fayyad stellt sie in seiner bewegenden Dokumentation »Die letzten Männer von Aleppo« vor. Simone Schlosser hat den Film gesehen und traf den Regisseur zum Gespräch.
Geschrieben am
»Ich wollte keinen Film über den Krieg machen«, erklärt der syrische Filmemacher Feras Fayyad. »Sondern einen Film über das Leben: The Act of Life« ergänzt er in Anlehnung an den Dokumentarfilm »The Act of Killing«. Tatsächlich besitzt »Die letzten Männer von Aleppo« eine ähnliche Intensität wie Joshua Oppenheimers Film über die indonesischen Massenmorde während des Militärputsches vor 50 Jahren. Hauptfiguren sind der Familienvater Khaled und der Student Mahmoud, beide Mitglieder der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme, die nach Bombenangriffen erste Hilfe vor Ort leisten. Sie sind diejenigen, die mit als Erste vor Ort sind und unter Einsatz ihres Lebens die Opfer zu bergen. »Helden wider Willen«, sagt Feras Fayyad, deren Geschichten er erzählen wollte. 

In seinem Film überlässt er das den Menschen selber. Er verzichtet auf die typischen Interviewszenen und lässt Khaled und Mahmoud lieber miteinander sprechen als mit der Kamera. Das Ergebnis ist ein derart intensiver und persönlicher Film, der das Grauen des Krieges genauso zeigt, wie die (Un-)Möglichkeit eines Alltags in Trümmern, dass es beim Zuschauen oft weh tut. In Sundance gab es dafür Anfang des Jahres den Preis als besten Dokumentarfilm.
Bild: Rise And Shine Cinema
Regisseur Feras Fayyad möchte sein Publikum aber weniger schockieren, als es sensibilisieren für die Menschen hinter den Fernsehbildern. »Ich finde die Berichterstattung unerträglich. Ich möchte die Geschichten erzählen, die darin verschwiegen werden«, sagt er. Die Rettungseinsätze sind für die Männer so etwas wie ein Teil ihrer täglichen Routine. Ähnlich wie die Versuche für sich und ihre Familien einen Alltag aufrecht zu erhalten. Mahmoud, der nach Feierabend zu der Hochzeitsfeier eines Freundes geht. »Wie viel Uhr ist es?«, fragt er einmal den Kameramann während eines Einsatzes. »Warum?« »Ich muss um sechs Uhr gehen.« Khaled, der versucht eine Art Goldfischbecken in einem Hinterhof anzulegen. Es sind kleine fast absurd anmutende Oasen, die der Film zusammen mit seinen Protagonisten versucht zu finden, doch ihre ausgezehrten Gesichter mit den müden Augen sprechen für sich. Deshalb wäre auch die teilweise aufdringliche Musik nicht notwendig gewesen.

Die berührendsten Momente sind diejenigen, in denen kaum oder gar nicht gesprochen wird: Ein Blick den Khaled seiner kleinen Tochter zuwirft, nachdem er gerade die Leiche eines Kindes geborgen hat. Mahmouds zusammengesunkener Körper nach dem Besuch bei einer geretteten Familie, deren Sohn ihn wie einen Helden verehrt, was ihm sichtlich unangenehm ist. »Unglücklich das Land, das Helden nötig hat«, heißt es in Bertolt Brechts »Das Leben des Galilei«. Syrien ist derzeit ein solches Land. Aber Feras Fayyad zeigt in seinem Film, wie die Menschen dort versuchen, sich und ihr Land am Leben zu halten. Wobei immer wieder im Raum steht, das Land zu verlassen. Doch was ist die Alternative? »Du weißt wie sie uns in der Türkei behandeln«, heißt es an einer Stelle. Und: »Das ist meine Stadt. Ich kann hier nicht weg.«
Wenn ihr die Weißhelme in Aleppo unterstützen wollt, findet ihr hier weitere Informationen. Der Film startet am 16. März in den deutschen Kinos.

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