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»Die andere Seite der Hoffnung«

Aki Kaurismäki gelingt nach »Le Havre« ein weiterer starker Film über Migration. Der syrische Refugee Khaled Ali wehrt sich gegen seine Abschiebung aus Finnland.
Geschrieben am
Von Aki Kaurismäki ist der Spruch überliefert, es gebe in Helsinki keinen Ort mehr, an dem er seine Kamera noch nicht aufgestellt habe. Deshalb verlagerte der Filmemacher (»Leningrad Cowboys Go America«) seinen Lebensmittelpunkt nach Portugal. Für »Die andere Seite der Hoffnung« kehrt er jedoch an den gewohnten Schauplatz zurück. Noch 2011 hatte er einen beeindruckenden Ausflug nach Frankreich gemacht. In der Hafenstadt Le Havre inszenierte er den gleichnamigen Spielfilm, in dem sich ein Schuhputzer eines Refugees annahm. Kaurismäki bleibt beim Thema Migration – und wählte seine Heimat Finnland wohl nicht von ungefähr als Drehort. Der recht junge Staat ist landschaftlich ein Paradies, wirtschaftlich gesehen erinnert er allerdings eher an Neoliberalismus, sieht man mal von den weniger liberalen Alkoholpreisen ab. Außerdem gehören in Suomi Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bei gewissen Leuten zum Alltag wie der Gang in die Sauna. Auch in dieser Beziehung gelingt den Finnen die Annäherung an das westliche Europa. 

Im Film bekommt es der syrische Flüchtling Khaled Ali (Sherwan Haji) mit bösen und guten Finnen zu tun. Allerdings vergisst Kaurismäki neben den Einzelnen nicht das System, das dahinter – und vor allem auch hinter menschenverachtenden Abschiebungen – steht. Auch Khaleds Geschichte beginnt im Hafen. Später erfahren wir, dass er bloß zufällig in Finnland gestrandet ist. Ein anderer Vagabund inmitten dieses Randgebiets der Festung Europa ist der einheimische Handelsvertreter Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen). Der lässt sein altes Leben hinter sich und wird Gastronom. Die kleine Crew des Restaurants, das er kauft, besteht aus einer Gang Abgehalfterter, wie sie für Kaurismäkis Geschichten typisch sind. Hier findet Khaled vorübergehend ein neues Zuhause, illegal, da er sich der Ausweisung nach Ablehnung seines Antrags auf Asyl entzogen hat. Kaurismäki verknüpft die Lebenslinien der beiden Männer an diesem Knotenpunkt. Dabei geht er einerseits sehr humorvoll, andererseits aber auch sehr drastisch vor, etwa, wenn finnische Faschos Khaled angreifen. Immer wieder treten (Rock-)Bands auf, um Themen wie Heimat und Tradition zu besingen. So spöttisch wie liebevoll gerät die Episode, als Waldemar Wikström und seine Angestellten versuchen, ihrer Gaststätte einen exotischen Touch zu verleihen. Man kommt auf die Idee, japanische Spezialitäten anzubieten. Prompt erscheint eine große Zahl asiatischer Gäste. Das Experiment geht daneben, weil der Koch zu wenig Fisch für die benötigten Mengen Sushi bestellt hat. Also serviert man eine Art finnisches Sushi: eingelegte Salzheringe auf Reis mit einer Extraportion Wasabi. Kaurismäki hat echt ein Auge für die Absurdität des modernen Lebens. 
»Die andere Seite der Hoffnung« (FIN/D 2017; R: Aki Kaurismäki; D: Sakari Kuosmanen, Kati Outinen, Sherwan Haji; Kinostart: 30.03.17; Pandora)

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