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Spitzenunterhaltung für Arme und Reiche

Der kleine Vampir

Kleiner Mann mit spitzen Zähnen: Neben Graf Alucard, der sich als Letzter seiner Zunft von Blutorangensaft ernährte, ist Rüdiger der sympathischste Vampir aller Zeiten.
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Kleiner Mann mit spitzen Zähnen: Neben Graf Alucard, der sich als Letzter seiner Zunft von Blutorangensaft ernährte, ist Rüdiger der sympathischste Vampir aller Zeiten. Und ein lohnendes Fossil nicht nur für Fans von Robert Smith und Drei-Wetter-Taft.

Zurück aus dem Memory Hole ist "Der kleine Vampir". Eine deutsch-kanadische Ko-Produktion aus dem Jahr 1985, für deren Genuss man keine Zauberwürfelnostalgie mitbringen muss - ein gutes Haarspray tut es auch. Die 13-teilige Serie, damals eins der kostspieligsten Kinderprogramme überhaupt, macht nämlich immer noch eine gute Figur. Die Story: Ein Nachwuchs-Vampir namens Rüdiger freundet sich mit Menschenkind Anton Bohnsack an und macht diesen mit der transsilvanischen Migrantenfamilie und deren Philosophie bekannt: "Vampire arbeiten nicht, und Unordnung lieben wir."

Solche warmen Worte bleiben natürlich nicht nur beim minderjährigen Publikum hängen, sondern machen auch auf ausgewachsene Undercover-Tagediebe nachhaltigen Eindruck. Das gilt sowieso für Evergreen-Themen wie Dunkelheit, Fliegen-Können und bleich geschminkte Rocksänger, die sich Lumpi nennen. Der zeitlose Appeal von "Der kleine Vampir" erstreckt sich allerdings im Rückblick auch auf ästhetische Gesichtspunkte: Das überlegene Styling von Rüdiger und der restlichen Blutsaugerbrut ist praktisch Postpunk in Reinkultur mit einem guten Schuss Batcave und der dazugehörigen leise anklingenden Misanthropie eines Elitemilieus, während der Originalsoundtrack überraschend unpeinlich und all-ages-kompatibel ausfällt. Beim erneuten Ansehen der Folgen macht sich außerdem bemerkbar, was sich seit damals im Nachmittagsprogramm so alles geändert hat: Den Kids wurde damals im Zweifel mehr zugetraut, was die intellektuelle Bewältigung gut getakteter Geschichten angeht. Die Serie profitiert durchweg von der sehr atmosphärischen Darstellung der Vorstadtprärien und dem sparsamen, aber effizienten Einsatz zweckdienlicher Effekte. Gleichzeitig ist die schauspielerische Leistung der jungen Darsteller so verblüffend vielseitig, dass man sich die Wirkung auf die Fantasie der Kleinen gut vorstellen kann, auch wenn man damals nicht dabei war und jetzt zu arm ist für eigene Kinder. So schafft es "Der kleine Vampir" tatsächlich, sinistre Gedanken mittelfristig mit etwas Warmherzigem und Witzigem zu kontern, eine Balance, die auch von Gert Fröbe gehalten wird, der hier als Vampirjäger Geiermeier für die letzte große Rolle seines Lebens eingeflogen wird.


INTRO EMPFIEHLT: Der kleine Vampir (CAN/D 1985; R: René Bonnière; D: Joel Dacks, Jim Gray, Gert Fröbe; Studio Hamburg)

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