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»Games haben einfach einen langen Weg hinter sich«

Daughter im Interview

Zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte haben Daughter einen Soundtrack produziert und für das Videospiel »Life Is Strange: Before The Storm« die Musik geschrieben. Julia Brummert hat mit Sängerin Elena Tondra und Gitarrist Igor Hafaeli über »Music Before The Storm«, Videospiele und die Unterschiede zur normalen Albumproduktion gesprochen.
Geschrieben am

Interview:
Julia Brummert

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Square Enix für das Prequel zu »Life Is Strange«?
Igor: Ende letzten Jahres hatten wir uns auf eine ruhige Zeit in London eingestellt. Hinter uns lag eine sehr, sehr lange Tour und dann kam das Angebot, den Soundtrack zu machen. Da wir »Life Is Strange« vorher gar nicht kannten, haben wir uns ein bisschen genauer mit dem Spiel befasst und es hat uns sehr gut gefallen. Erst recht, als wir erfahren haben, worum es im Prequel gehen wird – da haben wir uns wirklich ein wenig in das Projekt verliebt. Wir haben oft mit dem Gedanken gespielt, dass es schön wäre, Musik für einen Soundtrack zu schreiben. Dass es dann ein Videospiel wird, damit hatten wir nicht gerechnet.  

Gab es einen Aspekt, der euch besonders angesprochen hat?

Elena: Um ehrlich zu sein hatten wir vorher noch kein vergleichbares Spiel gesehen, das so nah an der Realität war. Die Tatsache, dass die Entscheidungen, die man im Spiel trifft, einen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte haben, ist sehr spannend. Das erste Spiel ging ja schon diese Richtung, es hatte aber mit der Zeitreisefähigkeit der Heldin Max auch noch diesen übernatürlichen Aspekt. Man konnte Entscheidungen rückgängig machen, das geht jetzt nicht mehr. Als wir das Skript zu »Before The Storm« gelesen haben, haben wir uns auch in die neue Heldin Chloe verliebt. Das alles war wirklich etwas, das uns beeindruckt hat. Wir als Band schreiben Songs über das wahre Leben, menschliche Beziehungen, über Dinge, die uns persönlich berühren. Die Geschichte von Chloe, die ihren Vater verliert und mit der Trauer umgehen muss, war etwas, in das wir uns hineinfühlen konnten.
Du hast schon angesprochen, dass ihr zwar das Drehbuch lesen, aber noch nichts spielen konntet. Habt ihr denn wenigstens einen kleinen Eindruck vom fertigen Spiel bekommen können, als ihr euch an die Arbeit gemacht habt?
Igor: Wir haben darum gebeten, dass sie uns alles zeigen, was sie können. Das war leider nicht sehr viel, weil das Spiel parallel zu unserer Arbeit am Soundtrack entwickelt wurde. Die Entwickler haben uns neben dem Skript aber Auszüge aus dem Artwork zur Verfügung gestellt und einige kurze Szenen gezeigt. So konnten wir uns ein Bild davon machen, wie das Spiel werden wird und welche Stimmung es bekommt. Außerdem gab es natürlich schon den ersten Teil von »Life Is Strange«, sodass wir uns auch daran orientieren konnten, weil die Entwickler darauf aufbauen wollten. Der große Unterschied liegt in den Hauptcharakteren. Chloe hat eine ganz andere Persönlichkeit als Max, die Heldin aus dem ersten Teil. Chloe ist viel lauter und direkter, sie hat eine große Klappe und ist rebellischer. Es ging also darum, das in Musik zu übersetzen.
Wie seid ihr das Schreiben angegangen?
Elena: Wir haben sehr, sehr viel Zeit im Studio verbracht und sind nicht wirklich nach draußen gegangen. Nein, im Ernst, wir haben es uns in einem Studio gemütlich gemacht, das gleich weit weg von Igors und meiner Wohnung war. Wir konnten dann einfach morgens hinlaufen und bis zum späten Abend oder manchmal auch die ganze Nacht durcharbeiten. Der Prozess war gar nicht so viel anders als wenn wir normalerweise an einem Album arbeiten. Natürlich hatten wir diesmal eine gewisse Vorgabe, der wir folgen mussten, Themen, die in Sound übersetzt werden mussten. Das war sicherlich ein wenig experimenteller als die Art, wie wir sonst arbeiten. Außerdem mussten wir offen gegenüber den Wünschen der Entwickler sein und uns darauf einlassen, Ideen noch einmal zu überarbeiten. Das war aber cool.

Was war denn mit eurem Schlagzeuger Remi Aguilella? Ihr seid doch eigentlich zu dritt.
Igor: Ja, Remi ist in die USA gezogen. Der Großteil der Musik ist in London entstanden, für die finalen Versionen der Songs hat er das Schlagzeug dann bei sich in den USA aufgenommen. Das war ein ziemliches Hin und Her, weil wir uns an strenge Deadlines halten mussten. Wir haben vorab ein paar Schlagzeug-Parts hier eingespielt, damit sich die Spielentwickler ein Bild machen konnten, dann hat er seinen Teil dazu beigetragen. 
Elena: Es gab eine Menge Filesharing zwischen Portland, Oregon und London. Aber es hat funktioniert, das Internet hat uns gerettet.

Wie seht ihr den klanglichen Unterschied zwischen »Before The Storm« und euren vorherigen Alben?
Igor: Als wir anfingen, am Soundtrack zu arbeiten, klangen die ersten Ideen noch recht weit weg von unserem eigentlichen Sound. Wir haben uns dann aber in eine rockigere Richtung treiben lassen, uns wurde klar, dass sie uns als Band vertrauten und unsere Musik im Soundtrack wiederfinden wollten. Das Album fügt sich gut in unsere musikalische Geschichte ein, vom Klang her merkt man wenig Unterschied, aber der Prozess war natürlich ein anderer. Normalerweise sind nicht so viele Menschen in die kreative Arbeit an unseren Alben involviert, wie in diesem Fall. Wir haben diesmal anderen Menschen geholfen, ihre Vision umzusetzen.
 
Das Spiel kommt Ende August raus, habt ihr die Ergebnisse schon begutachten können? Seid ihr zufrieden?
Elena: Ja, wir haben es schon gespielt! Ich liebe es, um ehrlich zu sein, und freue mich darauf, dass es bald endlich raus kommt. Es ist auch einfach aufregend zu sehen, wie unsere Musik Teil der Geschichte geworden ist.  

Spielt ihr sonst Videospiele?

Elena: Ich habe keine Konsole, aber ich habe einen Laptop und spiele gerne »Limbo«, auch weil es so stylish und hübsch ist. Igor spielt aktuell glaube ich mehr. Aber als ich ein Kind war, habe ich viel gespielt. Ich habe sehr viele Cousins und Cousinen und immer, wenn wir bei meinen Großeltern waren, haben wir um den Fernseher gesessen und gegeneinander »Street Fighter« oder »Zelda« gespielt. Aktuell schaue ich lieber Serien, als viel Zeit mit Spielen zu verbringen. Dass wir jetzt an einem Videospiel gearbeitet haben, hat mich aber wieder neugierig gemacht, auch die anderen, schönen Spiele da draußen anzuschauen.
Igor: Ich spiele zwar viele spiele an, aber mir fehlt meistens die Zeit, sie dann auch zu Ende zu bringen. Zuletzt war ich begeistert von »The Last Of Us«, das ist wirklich cool, sowohl vom Look als auch von der Story her. Games haben einfach einen langen Weg hinter sich. Sie sind zu einer Kunstform geworden und schaffen es, die Geschichten so zu erzählen, dass die Spielerinnen und Spieler richtig hineingezogen werden.  

»Before The Storm« ist ein Prequel zum ersten »Life Is Strange«-Spiel. Derzeit wird ja auch eine Fortsetzung entwickelt, seid ihr daran auch beteiligt?

Igor: Nein, ich glaube nicht. Wir haben bislang jedenfalls keine Anfrage bekommen und es wäre vielleicht auch schön, wenn jemand anderes die Chance bekäme, seinen Teil dazu zu tun.  

Spiel und Soundtrack werden bald veröffentlicht, was steht für euch als nächstes an? Arbeitet ihr an einem neuen Album?

Igor: Wir spielen einige Festivals in Europa und gehen im Herbst mit The National auf US-Tour, danach folgt unsere erste Tour in Südamerika. Ich glaube aber nicht, dass wir viele Songs des Soundtracks live spielen werden. Es war auch schön, einfach mal Songs zu schreiben, die frei sind von den Grenzen, die eine Live-Umsetzung stellen kann. Da gäbe es sicherlich ein paar Schwierigkeiten. Sag niemals nie, aber das war nicht die Intention.
Elena: Aber vielleicht irgendwann.  

Daughter

Music from Before the Storm

Release: 01.09.2017

℗ 2017 4AD

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