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Der Geek in der Galerie

Cory Arcangel

"This is, kind of like, cool stuff. And this is cool stuff that I just finished. And these are all my videos, right here!" Cory Arcangel nestelt an seinem Powerbook herum, dessen Screen auf eine weiße Leinwand projiziert wird. Sein Desktop ist bunt und chaotisch - Textfiles, MP3s und Videos liege
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"This is, kind of like, cool stuff. And this is cool stuff that I just finished. And these are all my videos, right here!"

Cory Arcangel nestelt an seinem Powerbook herum, dessen Screen auf eine weiße Leinwand projiziert wird. Sein Desktop ist bunt und chaotisch - Textfiles, MP3s und Videos liegen kreuz und quer. Der 26-jährige New Yorker zeigt eine aktuelle Werkschau: Amüsant, gewitzt und aktionistisch sind seine Mini-Projekte, die er live performt oder auf seinem Computer zeigt. Etwa ein Video mit einer Katze, die unter leichtem Einfluss von Katzenminze in einer Kartonbox sitzt und Techno hört. Oder die etwas andere Kompressions-Software ›Total Asshole Compression‹, die Daten vergrößert statt verkleinert.

Begonnen hat Cory Arcangel vor sechs Jahren mit Videospiel-Hacks. Er hat alte Nintendo-Spielmodule aufgeschraubt und so umprogrammiert, dass Super Mario beispielsweise nicht mehr durch die acht Welten des ›Mushroom Kingdom‹ laufen kann, sondern bloß noch auf einem Block steht, sich abwechselnd nach links und rechts dreht und sonst nichts mehr tut. "He stands there for eternity, it goes on forever", wie es der Künstler selbst beschreibt. Durch diesen Minimalismus, der sich durch fast all seine Arbeiten zieht, will Cory das Gefühl vermitteln, dass die Werke zwischendurch und spontan entstehen. Wenn man dem quirligen blonden Mittzwanziger mit seinem bunten T-Shirt zusieht, wie er dem Publikum charmant, enthusiastisch und spielerisch sein Schaffen so zeigt, als würde er es zum ersten Mal seinen engsten Freunden präsentieren, wirkt das glaubwürdig und sympathisch. Ob es aber wirklich immer der Fall oder jene Wirkung nicht vielmehr kalkuliert ist, bleibt fraglich - viele von Cory Arcangels Werken unterliegen einer nicht zu unterschätzenden Programmierarbeit und können somit kaum an einem Abend entstanden sein. Im Interview verrät der Künstler einige Details seiner Arbeit und wie er in die Mitte zweier unterschiedlicher Welten - Geektum und Kunstszene - gekommen ist.

Cory, wann hast du begonnen, diese Game-Hacks zu machen? Und stimmt es, dass deine Spieleprojekte mittlerweile gar nicht mehr so wichtig sind wie früher?
Ich habe in den späten 90er-Jahren begonnen und war damals in einer Band namens The 8-Bit Construction Set. Wir haben eine gleichnamige Platte veröffentlicht, die eine Seite war mit einem C-64 produziert, die andere mit einem Atari VCS. Zu dieser Zeit hab ich auch begonnen, Game-Hacks zu machen, und bin bis vor zwei Jahren exklusiv dabei geblieben. Seitdem mache ich zusätzlich dazu normale Camcorder-Videos. Aber die Game-Hacks sind schon noch wichtig, auch weil es mir geholfen hat, Minimalismus zu verstehen.

Und du bist ja offenbar auch ein guter Programmierer - Nintendo-Hacks kann schließlich nicht jeder machen. Wie lang hast du gebraucht, bis du so etwas machen konntest?
Ein paar Jahre. Ich kann es mittlerweile ganz gut, aber Meister bin ich darin nicht. Aber ehrlich gesagt mag ich Programmieren nicht besonders. Ich mach es einfach, weil ich glaube, dass es wichtig ist.

Wo fühlst du dich wohler, in der Gaming/Nerd/Geek-Szene oder in der Kunstwelt?
Ha, das ist eine wirklich gute Frage! Ich glaube, ich fühle mich in beiden Szenen eher unwohl. In der Gaming/Nerd-Szene ist es ja dein Programmierkönnen, das dir Anerkennung bringt, aber im Programmieren bin ich wie gesagt nicht ganz so toll. Und in der Kunstszene bringt dir Pop-Appeal Anerkennung. Allerdings kann ich in der Kunstszene viele der eigentlich wichtigen Programmiersachen überspringen, ohne dass es jemand merkt. Ich bewege mich also ein bisschen zwischen diesen beiden Welten. Wenn ich etwas mache, versuche ich, meine Nerdkollegen zu beeindrucken, aber es muss immer so zugänglich bleiben, dass es auch Leute verstehen und mögen, die nichts mit Computern und Programmieren am Hut haben.

Wo kommst du ursprünglich her, bist oder warst du ein Gamer?
Nein, eigentlich spiele ich Computerspiele nicht gerne [lacht]. Ich war, wie gesagt, stark in der 8-Bit-Musikszene involviert, vor vier, fünf Jahren, als das alles begonnen hat: micromusic und ähnliche Netzcommunitys. Mittlerweile bin ich da aber nicht mehr so stark beteiligt wie früher, nicht mehr so, wie ich es vielleicht noch sein sollte.

Das heißt, es geht dir auch nicht darum, in Bezug auf Games ein Statement zu formulieren, etwa, dass ein Spiel mehr sein kann als nur ein kurzlebiges Konsumgut, das halt ein bisschen Spaß macht?
Nein, die meisten meiner Spiele-Mods laufen darauf hinaus, dass das Spiel nachher entweder völlig unspielbar oder zumindest um einiges schlechter ist als vorher [lacht].

Dass es dir fast immer um Reduktion geht, ist mir schon aufgefallen. Du nimmst die meisten Elemente von etwa einem Videospiel weg und reduzierst es auf ganz wenige Dinge. Ist das so was wie deine Trademark?
Ja, weil ich denke: je simpler etwas ist - vor allem bei Computer- und Videospielen und dazugehörigen Dingen wie meinen Mod- und Hackprojekten -, desto besser. Je simpler man ein Kunstwerk schlussendlich gestaltet, desto kraftvoller wird es.

Arcangels Artshow
Cory Arcangels nächste Ausstellung im deutschsprachigen Raum findet vom 2. April bis 22. Mai 2005 im Züricher Migros Museum (www.migrosmuseum.ch/) statt. Seine eigene Homepage (www.beigerecords.com/cory/) verrät in Bezug auf Corys Werke und Projekte möglicherweise nicht so viel wie eine gezielte Suche in der Internet-Suchmaschine eurer Wahl.

Charmante Chipmusik
micromusic (www.micromusic.net) ist eine der bekanntesten 8-Bit-Musikcommunitys im Netz. Chipmusiker - also Menschen, die mit Sounds alter Computer und Spielkonsolen Songs basteln - können hier gegenseitig neue Tracks uploaden und sich austauschen. Außerdem gibt's von Zeit zu Zeit eigene micromusic-Veranstaltungen, meistens in New York und in europäischen Großstädten wie London oder Amsterdam.

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