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Revolutionen und andere Mordgeschichten

Bücher gegen die Frühjahrsmüdigkeit

Wenn die Gefühligkeit des aufkeimenden Frühlings in Schlaffheit umschlägt, helfen nur noch Amphetamine und Bücher. Wolfgang Frömberg hat den Winterschlaf ausnahmsweise mal ausgelassen, um ein paar Seiten vorzublättern. Hier sind seine Vorschläge für einige durchgelesene Tage und Nächte bis zum Sommer.
Geschrieben am
01 Marlon James »Eine kurze Geschichte von sieben Morden«
Zu Recht mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet. James schafft es, einen Wimpernschlag der Geschichte, und sei er noch so drastisch, in eine mit unfassbarem Tempo erzählte voluminöse Story aufzufächern, in der Details Raum finden, die sonst unterm Teppich bleiben: Zahlreiche Perspektiven auf den Alltag Jamaikas sowie die politischen Hintergründe der Seventies fügt der Autor brillant zu seinem an James Ellroys Kriminalromane erinnernden Thriller zusammen. Fixpunkt: das Attentat auf Bob Marley 1976. Keine Atempausen, keine Klischees.

Marlon James

Eine kurze Geschichte von sieben Morden: Roman

Release: 13.03.2017

02 Chris Kraus »I Love Dick«
Die Filmemacherin und Autorin hat den autobiografischen Essay schreibend zur Waffe geschärft. Zwar federleicht, doch scharfsinnig und -kantig ist ihr Text, der aus unzähligen Briefen an einen Typen namens Dick besteht, in den sie sich spontan verliebt. Und den sie gerne ficken möchte. Während die Ich-Erzählerin ihre obsessive Briefeschreiberei zunächst als Kunstprojekt mit dem Gatten entwickelt, führt die »Affäre« allmählich ihren andauernden Akt des Widerstands vor Augen – gegen eine Welt, deren sämtliche Milieus in Männerhand sind.

Chris Kraus

I Love Dick

Release: 30.01.2017

03 Anselm Neft »Vom Licht«
Dieser Roman lässt einen mitunter frösteln, aber kalt sollte er niemanden lassen. Der 21-jährige Adam erzählt in der Rückschau vom Leben seiner Familie, die er als Einziger überlebte. Nahe einem österreichischen Dorf wuchsen seine »Schwester« und er bei ihren deutschen Adoptiveltern auf. Die Aussteiger unterrichten die Kinder selbst. Vor dem Hintergrund ihrer Licht-Religion, die sich von den »falschen Christen« absetzt, entfaltet sich ein auf Adams Perspektive gebauter Denkroman. Sein Ringen um Erkenntnis und Selbstkontrolle imponiert und wühlt auf. Ein Meisterstück zwischen Horror und Satire.

Anselm Neft

Vom Licht

Release: 22.08.2016

04 Wolfgang Seidel »Wir müssen hier raus!«
Krautrock ist eine oft genannte Referenz, wenn es darum geht, zeitgenössische Musik zu beschreiben. Aber was macht den Sound zwischen elektronischer Avantgarde, endlosen Gitarrensoli und Trommelworkshop-Ästhetik tatsächlich aus? Ton-Steine-Scherben-Gründungsmitglied Seidel entmystifiziert den Kräutergarten und setzt die Musik in den politischen Kontext, in dem sie entstand. Ein sehr erhellendes Buch. Und die, mit Verlaub, Berliner Schnauze des Autors trägt auch noch zur Unterhaltung bei. Danach hört man Kraftwerk mit anderen Ohren.

Wolfgang Seidel

Wir müssen hier raus!: Krautrock, Free Beat, ­Reeducation (testcard zwergobst)

Release: 29.04.2016

05 Rachel Kushner »Telex aus Kuba«
Kushners Debütroman spielt während der Revolution auf Kuba. In Deutschland erschien zunächst ihr zweites Buch »Flammenwerfer«, das zwischen New Yorker Kunstszene und Arbeitskämpfen in Italien pendelt. Als Freiraum, in denen Kushners Figuren denken und fühlen, dienen die mit Watte gefütterten Bunker der bürgerlichen Welt. So gedämpft, wie man manchmal die Wahrheit in der eigenen Brust schlagen hört, kommt in diesen wattierten Schlössern der Sound der Wirklichkeit an. Kushner führt den Herzschlag ihrer Hauptfiguren und den Puls der Verhältnisse zueinander, bis es auch mal knallt.

Rachel Kushner

Telex aus Kuba

Release: 22.04.2017

06 Jacob Wren »Rich and Poor«
Wren beschreibt die Planung und Durchführung eines politisch motivierten Attentats – und erzählt damit auch von den Umständen, die ein solches erst möglich machen. Der eine Ich-Erzähler ist ein Pianist aus behüteten Verhältnissen, der zum Tellerwäscher wird. Sein Plan ist, einen Milliardär zu ermorden, dessen Stimme den anderen Teil des Romans ausmacht. Sein Verständnis der kapitalistischen Verhältnisse scheint in den Abschnitten auf, die der Attentäter in spe aus dessen Autobiografie zitiert. Das Ende hat etwas Revolutionäres.

Book Thug

Rich and Poor

07 China Mieville »Dieser Volkszähler«
Der Brite ist ein arschcooler sozialistischer Science-Fiction- und Fantasy-Autor, am 9. Mai erscheint außerdem sein Abriss der Oktoberrevolution. Die vorliegende Novelle beginnt mit einem wundervollen Zitat der Fantasy-Autorin Jane Gaskell und scheint sich als eigener Text zwischen dessen Zeilen abzuspielen. In einer Welt, in der Häuser aus Grimm und gegen die Umstände gebaut werden, die Wirklichkeit aber durch jede Ritze eindringt. Eine rätselhafte Geschichte – wie das eigene Leben.

China Miéville

Dieser Volkszähler

Release: 23.01.2017

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