×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Hanging out with the cool guys

Alpha Dog

Der neue Film des John-Cassavetes-Sohns Nick, “Alpha Dog”, beeindruckt vor allem wegen der Präzision, mit der die dargestellten Milieus – obere Mittelschicht und White-Trash-Aufsteiger – auseinandergenommen werden. Die Sprache, die Posen, die Musik, das Gehabe, der ganze Style von der Wohnungseinric
Geschrieben am

Der neue Film des John-Cassavetes-Sohns Nick, “Alpha Dog”, beeindruckt vor allem wegen der Präzision, mit der die dargestellten Milieus – obere Mittelschicht und White-Trash-Aufsteiger – auseinandergenommen werden. Die Sprache, die Posen, die Musik, das Gehabe, der ganze Style von der Wohnungseinrichtung bis zu den Klamotten: Der Film trifft nicht zuletzt deshalb mit nachhaltiger Wucht ins Schwarze, weil sich ein fast unheimlich authentisch wirkender Blick darauf auftut, was ein bestimmter Teil der US-amerikanischen Jugend heutzutage eigentlich in seiner Freizeit so treibt. Aufgewachsen bei materiell fürsorglichen Eltern, kommt ihre Sozialisation doch eher einer Verwahrlosung auf hohem Niveau gleich.
Johnny Truelove dealt unter den Fittichen seines Vaters (Bruce Willis in einer großartigen Nebenrolle) im mittelgroßen Stil mit Drogen. Er hat die gefährlich charismatische Ausstrahlung eines Angeberanführers und hängt die meiste Zeit mit einer ansehnlichen Anzahl von mehr oder weniger engen Freunden in seinem schicken Bungalow ab. Das Leben ist eine einzige Party: Kiffen, Saufen, Sex. Besser als jedes HipHop-Video. Gestört wird die Idylle nur durch Streitigkeiten zwischen Johnny und einem seiner Handlanger. Denn Jake schuldet ihm nach einem verpatzten Deal zwar nicht die Welt, aber doch genug, dass Johnny böse wird und ihn unter Druck setzt. Jake rastet daraufhin so richtig aus, und aus einem blöden Gerangel zwischen zwei Egomanen wird Ernst, als Johnny und seine Kumpels im Vorbeifahren Zack, Jakes Halbbruder, kidnappen. Was bis dahin immer noch wie eine rückgängig zu machende Jungsdummheit aussieht, entwickelt sich im weiteren Verlauf unausweichlich zu einer Katastrophe.


Cassavetes erzählt dabei, basierend auf wahren Begebenheiten und anhand von zwei parallel verlaufenden Handlungssträngen, eigentlich von Zacks tragischem Coming of Age. Detailgenau, chronologisch und dabei recht nüchtern sammelt er die Einzelteile der Ereignisse zusammen, die sich im Sommer 2000 im schmucken San Fernando Valley, nordwestlich von Los Angeles, so oder so ähnlich tatsächlich abgespielt haben. Jesse James Hollywood heißt der Alpha Dog im wahren Leben und wartet derzeit in einem kalifornischen Gefängnis auf seinen Prozess.
Im Vorfeld hat Cassavetes mit Dutzenden von Zeugen gesprochen und versucht, sich der Antwort auf die Frage zu nähern, wie aus einer Handvoll unreifer Halbstarker unberechenbare Kriminelle werden konnten und wie direkt vor den Augen von derart vielen Menschen dieses Verbrechen ungehindert seinen Lauf nahm. Offenbar paarte sich die berühmte Verkettung unglücklicher Umstände mit der fatalen Mischung aus jugendlicher Selbstüberschätzung und der Unfähigkeit, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Zack sah sich zu seinem eigenen Pech zudem keinerlei Gefahr ausgesetzt. Ganz im Gegenteil, ihm wird das Ganze wohl eher wie ein paar unerwartete Tage im Paradies vorgekommen sein. Hanging out with the cool Guys eben. Und so wartete er entspannt zwischen Videospielen, jeder Menge Alkohol, dem stets frisch gedrehten Joint und all den hübschen Mädchen, die vom “stolen Boy” fasziniert waren. Bis zum allerletzten Moment schien er fest davon überzeugt, dass er tatsächlich nur das Pfand ist in der harmlosen Auseinandersetzung zwischen seinem Bruder und dessen Kumpel.
Als Identifikationsanker funktioniert dabei die Figur des Frankie Ballenbacher, gespielt von Justin Timberlake, der sich, man mag es ihm fast nicht gönnen, überraschend gut macht als ernst zu nehmender Darsteller. Frankie wird zu Zacks Aufpasser bestimmt, verbringt die meiste Zeit mit dem Kleinen und schließt ihn allmählich ins Herz. Den Mord wird aber auch er nicht aufhalten können, ein Alpha Dog lässt sich nur sehr ungern widersprechen.
Dann wartet man auf den Abspann. Und es beschleicht einen das ungute Gefühl, dass Cassavetes seinen Film einfach nicht enden lassen konnte. Völlig deplatziert wird am Ende eine Fake-Doku-Szene an die nächste gereiht; den unfreiwillig komischen Höhepunkt stellt dabei Sharon Stone im Fatsuit dar, die als ein vom Leid aufgequollenes Muttertier wohl die Glaubwürdigkeit der Tragödie untermauern soll. Das geht leider ziemlich nach hinten los.

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr