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Liebeserklärung an eine Heldin

20. Geburtstag von »Buffy The Vampire Slayer«

Vor 20 Jahren begann Buffy Summers’ Kampf gegen echte Monster, korrupte Institutionen, gefährliche Nerd-Jungs und auch gegen die eigenen Dämonen, kurz: gegen die Verhältnisse. Die persönliche Würdigung eines Fans zum Jubiläum.
Geschrieben am
Es gibt drei Fernsehserien, die weder mir die Zeit stahlen noch meine Tochter Lene langweilten, wenn wir sie zusammen guckten, als Lene ein Hardcore-Teenager war. »Veronica Mars«, »Roseanne« und »Buffy the Vampire Slayer«. Die Shows haben offensichtlich gemeinsam, dass weibliche Heldinnen im Mittelpunkt stehen. Das ist wichtig, allerdings steckt jeweils noch einiges mehr dahinter. Die »Roseanne«-Folgen, in denen Becky und Darlene heftig pubertieren, führten des Öfteren dazu, dass Vater und Tochter auf dem Sofa vielsagende Blicke tauschten – und auch der grobe Lifestyle der US-Arbeiterklasse kommt einem nicht ganz unbekannt vor, wenn man in Köln-Mülheim lebt. Lieblingsszene: Roseanne wird von der eifrigen Nachbarstochter gefragt, wo sie ihre Gewürze aufbewahre. Antwort der Hausfrau ohne falsche Ambitionen: »Im Salzstreuer«. Während »Veronica Mars« die soziale Frage ebenfalls nicht vernachlässigt, entfaltete »Buffy the Vampire Slayer« eine andere, sehr spezielle Magie, die uns zum Binge-Watching verleitete. Eine Magie, deren Zauberkraft Begriffe wie Freundschaft, Verzweiflung und Liebe in Geschichten lebendig werden ließ, die einem zunächst wie B-Movie-Horror-Storys erscheinen mögen. Aber Buffy, das wurde uns beim Zuschauen schnell klar, ist gerade deshalb eine besondere Heldin, weil sie unserem Alltag so nahe kommt. Neben dem Kampf gegen real existierende Dämonen, kämpft Miss Summers ebenso tapfer gegen real existierende weltliche Sorgen. Und wer wollte nun entscheiden, was von beidem eigentlich wichtiger wäre?
Schaut man sich bloß die frühen Folgen der von Joss Whedon konzipierten Show an – in deren Team einige Autorinnen schrieben, die wie er bei »Roseanne« gelernt hatten –, wird man vermutlich nicht glauben, welche Sogkraft die folgenden Staffeln entwickeln. So beginnt alles ziemlich harmlos im Städtchen Sunnydale, und die Verwicklungen der ersten zwölf Folgen haben doch recht  überschaubares High School-Serien-Niveau. Das Prinzip ist jedoch klar: Sunnydale liegt auf dem Schlund zur Hölle, und Buffy ist die Auserwählte, die jede Nacht durch das verschlafene Nest patrouillieren muss, um den Untoten den Garaus zu machen. Sie hat eine Art Vertrauensperson, den »Watcher« Giles, dazu kommen die besten Freunde Willow und Xander, später gesellen sich Dämonen wie Spike und Anya zu den Scoobies. Als wahrer Teenie hat Buffy Summers auch ein spezielles Verhältnis zu ihrer Mutter. Deren späterer Tod ist einer der schockierenden Einschnitte der Serie, die im Verlauf immer düsterer und deprimierender wird. Die mechanischen Reaktionen von Buffy und ihren Freunden sind sehr schmerzhaft und verdammt realistisch. Der Tod ist eben ein Monster, gegen das man nicht mehr kämpfen kann, sobald es das Haus betritt.
Bereits die erste Staffel läuft auf Buffys Duell mit einem Endgegner hinaus, und so bleibt es auch bis zum (okayen) Serien-Finale. Wobei sich die Geschehnisse in der sechsten und besten Staffel derart dramatisch entwickeln, dass man eigentlich nicht anders kann als Rotz und Wasser zu heulen. Und ich will an dieser Stelle gar nicht erzählen, wer mehr geflennt hat, als Buffys und Willows Freundschaft auf die härteste Probe gestellt wurde – meine Tochter oder ich. Dazwischen liegen eine Unmenge Liebes- und Cliquen-Trouble sowie unzählige »Buffy«-Folgen, die Fernsehgeschichte geschrieben haben. Ich würde »Buffy the Vampire Slayer« auch in hundert Jahren noch gegen Leute verteidigen, die meinen, »Qualitätsserien«-Mainstream wie »Fargo« käme nur annähernd an die Größe und Tiefe dieser Show heran. Als Fan bin ich nach mindestens dreimaligem Durchlauf aller sieben Staffeln weiterhin mit einem brennenden Sendungsbewusstsein ausgestattet – und neidisch auf alle, die unbefleckt an die Geschichte herangehen können. Deshalb will ich mich hier gar nicht zu viel über Einzelheiten auslassen. Aber zu einer echten Lieblingsfolge doch ein paar Worte mehr:

In »Hush« (S04E10) kommen die »Gentlemen« nach Sunnydale. Märchenwesen, die den Bewohnern ihre Stimmen nehmen, damit sie nicht schreien können, wenn sie ihnen ihre Herzen heraus reißen. Sieben Herzen brauchen diese gefährlichen Fabelwesen, und einen Großteil der Folge bleiben die Bewohner von Sunnydale tatsächlich stumm. Nicht nur das ist bemerkenswert, sondern auch dass Whedon und seine Autorinnen so viele irre Liebesszenen in »Hush« packen und damit verschiedene Formen der Verständigung und auch der Sprachlosigkeit zeigen. Der mit Abstand schönste und wahrhaftigste Moment ist allerdings ohne Zweifel der Augenblick, in dem Willow und ihre neue Freundin Tara sich bei den Händen fassen, um ihre Kräfte im Kampf gegen die »Gentlemen« zu bündeln.  Da haben sie einander sozusagen die Herzen gestohlen, nur auf andere Weise als die fiesen Herzrausreißer. Und meiner Tochter und mir gleich mit. 

»Buffy the Vampire Slayer« ging vor 20 Jahren auf Sendung. Die ersten, die in Deutschland darüber schrieben und mich auf die Serie aufmerksam machten, waren die Schriftstellerinnen/Publizistinnen/Journalistinnen Barbara Kirchner und Dietmar Dath. Inzwischen dürften meterweise Cultural Studies-Bände Bibliotheksregale füllen, wenn auch eher wenig deutschsprachige darunter. Aber »Buffy«-Gucken ist nicht nur ein Vergnügen für Akademiker, kann ich verraten, »Buffy«-Gucken ist ein intellektuelles und emotionales Abenteuer für alle. Ich habe die Show nicht nur mit meiner Tochter zusammen gesehen, sondern auch mit Freundinnen, Freunden und alleine. Am liebsten auf Englisch mit englischen Untertiteln –um die einsame Klasse der Dialoge bestmöglich genießen zu können. Trotzdem muss ich hier und da mal an den Rat denken, den eine gute Bekannte mir gab, als Lene noch klein war. Ein Vater müsse seiner Tochter auch mal einen Zopf flechten. Das sei gut für ein inniges Verhältnis. Ich würde sagen, die Zeit, die wir mit »Buffy« verbracht haben, ist wie ein Zopf, der für immer bleibt.
Seit dem Ende der Serie setzt Joss Whedon »Buffy The Vampire Slayer« als Comic fort. Zum Jubiläum verlosen wir an dieser Stelle fünf Exemplare des Finales (Band 6) der zehnten Staffel.

James A. Contner

Buffy - Im Bann der Dämonen: Season 1-7 [39 DVDs]

Release: 13.03.2017

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