The Hives
Größenwahn als Inszenierung
02.05.2012, 17:04, Text:
Maja Schäfer, Foto: Mustafah Abdulaziz
Kurz vorm zwanzigjährigen Bandjubiläum veröffentlichen die Hives ihr fünftes Album »Lex Hives«. Zum Warmwerden spielen sie ein Konzert in einem nur 75 Personen fassenden Café in Stockholm. Dort sprach Maja Schäfer mit den Helden ihrer Jugend über Bühnenunfälle, Styling und Finanzen. Und klärte bei der Gelegenheit auch gleich, wie die Band an ihre auffälligen Bühnenoutfits herangeht.
Ein verschneiter Donnerstag Ende März vor dem Stockholmer Antifa-Punk-Laden Kafé 44. Eines fällt bei den Wartenden sofort auf: die ungewöhnlich hohe Zahnspangendichte. Jugendliche unter 20 Jahren, aufgrund der harten Alkoholreglementierungen in Schweden ansonsten beinahe chancenlos, einen Konzertsaal von innen zu sehen, bekamen beim Ticketverkauf am Vortag ausdrücklich den Vorzug. Dementsprechend hat es kein einziger Twenty-Something ins Kafé 44 geschafft, wo die Band am heutigen Abend anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums »Lex Hives« gleich zwei Sets hintereinander spielen wird. Aus der Clubanlage schallt Alphavilles Hymne »Forever Young«, ich hingegen fühle mich so alt wie der von den Hives einst besungene Tyrannosaurus. Dafür gehöre ich immerhin zu den fünf Personen im Raum, die dank Vorlage eines Personalausweises ein 2,2-Prozent-Bier kaufen dürfen und nicht mit Softdrinks vorliebnehmen müssen.
Dynamisch trotz Frack
1997 sind die Hives schon mal im Kafé 44 aufgetreten. 15 Jahre und unzählige Gigs später betreten Sänger Pelle Almqvist und der Rest der Band die Bühne in selbst designten Outfits. Laut eigener Aussage haben sie sich diesmal von den schwarz-weißen Ganzkörper-Kunststoff-Rüstungen der »Star Wars«-Stormtroopers inspirieren lassen. Allerdings sind Ähnlichkeiten zu George Lucas’ Weltraumsoldaten auf den ersten Blick nur schwerlich auszumachen: Markantestes Merkmal des neuen Looks sind Zylinder und maßgeschneiderte Fracks. Besonders bewegungsfreundlich und bequem sieht der Aufzug jedoch nicht aus. Aber das war auch schon zu Zeiten von »The Black And White Album« so, als die Band einen figurbetonten Schuluniform-trifft-auf-Pfadfinder-Look pflegte. Damals wie heute war der Tragekomfort eher nebensächlich, denn laut Pelle Almqvist lautet die oberste Regel perfekten Stylings: »Wenn du dich in deinem Outfit zu wohl fühlst, siehst du vermutlich alles andere als gut aus.« Und gut sehen sie aus, die fünf Typen auf der Bühne, die trotz Bundfaltenhosen immer noch so energiegeladen agieren, dass die meisten jüngeren Bands dagegen nahezu apathisch wirken.
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