The Shins
Die Band, die dein Leben verändern kann
03.02.2012, 10:10, Text:
Robert Stadlober, Foto: Mustafah Abdulaziz
Nicht wenige sahen das Ende seiner Hauptband The Shins gekommen, als James Mercer gemeinsam mit Danger Mouse die Band Broken Bells ins Leben rief. Robert Stadlober freut sich, dass es anders kam. Für Intro interviewte der Schauspieler und Musiker, der diesen Monat mit seiner Band Gary ebenfalls ein Album veröffentlicht, James Mercer und sprach mit ihm über die Rückkehr der Shins und das neue Album »Port Of Morrow«.
Es gibt Bands, die bringen einen dazu, von Kneipe zu Kneipe und Küche zu Küche zu ziehen und zu fortgeschrittener Stunde zu verkünden, dass ihr gerade erschienenes Album das Beste sei, was je auf einem Tonträger veröffentlicht worden ist. In einer nur halbwegs gerechten Welt müsste diese Band mindestens ein Nummer-eins-Album haben oder, noch besser: U2 für immer hinter sich lassen. Natürlich geschieht dann nichts dergleichen, die Band veröffentlicht nach dem besten Album aller Zeiten in beruhigender Regelmäßigkeit weitere beste Alben aller Zeiten, fährt mit halb auseinanderfallenden Mercedes-Sprintern absurd geroutete Touren durch die halbe Welt, um jeden Abend vor circa 40 Zuhörern zu spielen und sich dann irgendwann, mit Mitte 30, ins echte Leben zu verabschieden.
Eigentlich war genau das auch die Karriere, die man sich bei The Shins, damals im Jahre 2001, ausgemalt hatte. Diese Melodien, diese seltsam hintersinnigen Texte, die trotzdem hängen blieben! Diese im besten Sinne altbackene Instrumentierung und Produktion auf ihrem Debüt »Oh Inverted World«, das war vom ersten Moment an genau so ein Lieblingsalbum! Und es verkaufte sich dann auch nur überschaubar. Die Band ging mit Modest Mouse auf Tour, aber nach Europa schaffte sie es nicht richtig, nur mal für ein Festival. Also alles wie erwartet. Dann allerdings kam ihr zweites bestes Album der Welt, »Chutes To Narrow«. Noch differenzierter, noch melodienseliger, noch besser. Aber unglaublich Indie, vom pinken Vinyl bis in die letzte Ecke des Covers. Ungefähr zur selben Zeit dann wurde ein Film namens »Garden State« gedreht. In diesem sagt Natalie Portman zu einem jungen Mann: »Dieser Song wird dein Leben verändern, im Ernst.« Der Song hieß »New Slang« und war vom ersten The-Shins-Album. Und mit einem Mal war diese kleine Band, mittlerweile von Albuquerque, New Mexico nach Portland, Oregon, also mitten in dieses Slacker-Mekka von Stadt (in der jeder in einer Band zu sein scheint oder zumindest ein Label oder einen Plattenladen betreibt), umgezogen, genau das: eine Band, die das Leben von Leuten wie Natalie Portman und denen, die in sie verliebt sind, verändern könnte. Von da ab veränderte sich auch das Leben von James Mercer, Mastermind und einzig konstantes Bandmitglied von The Shins. Seine Songs liefen bei »Scrubs« oder den »Sopranos«, die Tourneen waren ausverkauft, und »Wincing The Night Away«, das dritte Album der Band, belegte Platz 2 der amerikanischen Charts. Schließlich lernte er auf einem skandinavischen Festival auch noch Danger Mouse kennen, einen der angesagtesten Produzenten der Welt. Da sie angeblich die beiden einzigen Amerikaner auf dem Festival waren, freundeten sie sich an und gründeten kurz darauf die Band Broken Bells. Darauf legt Herr Mercer wert: Broken Bells sind eine echte Band, kein Projekt. Auch dieses Album chartete in Amerika, diesmal auf Platz 7. Und was kommt für jemanden wie James Mercer dann? Kanye West, Jay-Z oder Santigold? Nein. Ein neues Album mit The Shins.
Und so habe ich an einem frühen Freitagmorgen Ende Januar die Ehre, ihn, den Sänger der größten kleinen Band der Welt, in einem Berliner Grand Hotel zu treffen, um ihn ein paar Dinge zu fragen.
James, was ist deine erste musikbezogene Erinnerung?
Ich war fasziniert von meiner Cousine, vielleicht sogar ein bisschen in sie verliebt. Ich muss so ungefähr sieben Jahre alt gewesen sein. Auf jeden Fall schrieb ich diesen Song über sie. Meinen ersten überhaupt. Ich weiß nicht mehr genau, wie er ging, aber er war sehr nachdenklich, sehr melancholisch. Und sehr bescheuert. Er hieß natürlich wie sie: »Carrie«.
Wirklich?
Nein, den Song gab es eigentlich nur in meinem Kopf. Dann, ein paar Monate später, saß ich immer mit einem Schulfreund bei ihm zu Hause rum, mit einem Fisher-Price-Kinderplattenspieler. Wir hörten uns Singles an und dachten uns neue Texte zu den Liedern aus, die wir dann darübersangen. Meistens über Kenny-Rogers-Songs.
Und wann hast du dein erstes Instrument gelernt?
Erst einige Zeit später. Mein Vater war in der US-Army, darum lebten wir erst in Deutschland und dann in England. Mit 15, in England, begann ich mit Klavierunterricht. Meine Lehrerin war eine kleine vietnamesische Lady, mit einem riesigen US-Marine als Mann. Ihr Sohn war der coolste Typ auf meiner Schule. Er verpasste es nie, mir klarzumachen, wie uncool Klavierunterricht ist. Vor allem bei seiner Mutter.
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