Maxïmo Park
Von der Unfähigkeit, Nein zu sagen
31.01.2012, 17:35, Text:
Peter Flore, Foto: Jonnie Craig
Vor knapp acht Jahren besuchte uns eine junge Gruppe von gut aussehenden Herren mit einem fulminanten Debüt in der Tasche in unserer Kölner Redaktion. Am Ende des Besuchs wollten Maxïmo Park kurz noch E-Mails checken – und blieben die ganze Nacht. Seitdem ist viel passiert. Peter Flore reiste nach England für ein Status-Update.
Der südenglische Kurort Bath hat mit Rock’n’Roll auf den ersten Blick so viel gemein wie »Wetten, dass ...!?« mit Hochkultur. Die von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestufte, knapp 90.000 Einwohner zählende Stadt ist für ihre römischen Bäder und bestenfalls noch für ihre Universität bekannt, gilt als Shoppingparadies und beeindruckt den Besucher vor allem mit ihrer georgianischen Architektur. Ein Ort, an dem alles etwas langsamer vonstattengeht als im knapp anderthalb Zugstunden entfernten London. Und wo wohlhabende Menschen sich zur Ruhe setzen und auf ihr Leben zurückblicken. File under: schön und herrlich spießig. »Das ist genau der Ort, wo ich meine Rente verprassen möchte«, sagt Paul Smith mit einem verschmitzen Lächeln auf den Lippen. Er schlendert mit dem Rest seiner Band Maxïmo Park an einem vergleichsweise milden Donnerstagabend Mitte Januar durch die engen Gassen der Stadt. Der Spaziergang gilt der Suche nach einem nicht hoffnungslos überfüllten Pub, in dem man den Abend ausklingen lassen will. »Am liebsten würde ich mich genau jetzt zur Ruhe setzen«, fügt er hinzu. Ob er das ernst meint?
Paul Smith trägt neuerdings einen formschönen Vollbart und nicht mehr so gern Melone. Das ist vielleicht die wichtigste Neuerung, die einem sofort auffällt. Man hatte zwischenzeitlich ja schon fast vergessen, wie Maxïmo Park eigentlich aussehen. Im Pop sind drei Jahre eine halbe Ewigkeit – so lange ist es her, dass die Band aus dem nordenglischen Newcastle ihr bis dato letztes Studioalbum »Quicken The Heart« veröffentlicht hat. Drei Jahre freilich, in denen zumindest das Gesicht der Band künstlerisch nicht untätig war: Sänger Paul brachte zwischenzeitlich sein erstes Soloalbum »Margins« (2010) raus, neben Gitarrist Duncan Lloyd (mit »Seeing Double« von 2008) das bisher einzige Mitglied mit Soloambitionen. Vom Rest der Band – Schlagzeuger Tom English, Keyboarder Lucas Wooller und Bassist Archis Tiku – sind derlei kreative Nebenschauplätze nicht überliefert. Ein bisschen was hier, ein paar Fingerübungen dort. Ansonsten aber: Privatleben, Familie, Entschleunigung. Jetzt aber, in den ersten Januarwochen 2012, ist man wieder ganz Maxïmo Park, ganz jene Band, die die Öffentlichkeit für Alben wie das furiose Debüt »A Certain Trigger« und Songs wie »Books From Boxes« schätzt. Dass das so ist und man nun am noch unbetitelten vierten Album arbeitet, ist allerdings alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
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