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Mein Song und seine Geschichte

Johnny Cash: »Ring Of Fire«

03.01.2012, 12:43, Text: Jens Rübsamen

»Ring Of Fire«, einer der berühmtesten Songs der Country-Geschichte, ist unverrückbar mit dem 2003 verstorbenen Johnny Cash verbunden. In Wahrheit stammte das Lied aber von Cashs späterer Frau June Carter und floppte 1962, ein Jahr vor Cashs Aufnahme, bereits als »Love’s Ring Of Fire« auf einer Platte von Carters Schwester Anita.

»Die 1960er-Jahre bedeuteten kreativ gesehen meine produktivste Zeit. Es entstanden eine Menge guter Songs. Ich war damals aber oft stimmlich nicht der Beste, weil die Amphetamine, die ich so häufig nahm, meinen Hals austrockneten und die Stimme nicht selten auf ein Krächzen oder Flüstern reduzierten. ›Ring Of Fire‹ war 1963 ein großer Hit für mich. Zu dieser Zeit hatte ich gerade meine erste Familie zerstört und arbeitete hart daran, dasselbe mit meinem Körper zu tun. Aber ich überlebte. Ich zog nach Nashville, überwand im Laufe der Jahre meine Drogensucht und heiratete 1968 June Carter. Ich war mit der Musik der Carter Family aufgewachsen. Und obwohl ihre Musik eine der Hauptinspirationsquellen des Folk-Revivals darstellte, das Ende der 1950er, Anfang der 1960er die USA heimsuchte, blieb June eine der unbeachtetsten Künstlerinnen der Country-Musik. Dabei war sie neben einer tollen Sängerin und Songwriterin – nicht nur von ›Ring Of Fire‹ – auch schon immer eine wundervolle Komödiantin und sehr talentierte Prosa-Autorin. Es ist traurig, das Gefühl haben zu müssen, dass sie wahrscheinlich nur deshalb nie mehr Beachtung fand, weil sie meine Frau ist. Sehr bedauerlich – das einzige Bedauern, das ich in Bezug auf unsere Ehe verspüre.


Ring Of Fire‹, das June zusammen mit Merle Kilgore schrieb, hob in Nashville zunächst viele Augenbrauen. Der Grund: Wir benutzten Trompeten. Trompeten waren keine Country-Instrumente, oder konkreter: Niemand hatte vorher daran gedacht, sie so kühn auf einer Country-Platte zu verwenden. Ich selbst hatte eigentlich auch nicht wirklich die Idee dazu. Stattdessen hörte ich eines Tages Anita Carter, Junes Schwester, den Song – im Refrain von Trompeten begleitet – in einem meiner Träume singen. Es klang immer noch gut in meinem Kopf, als ich aufwachte, also rief ich meinen langjährigen musikalischen Wegbegleiter Jack Clement an und fragte ihn, ob er nach Nashville hochkommen könne, um mit mir den Song aufzunehmen. Ich wusste, er war der Einzige, der in der Lage war, zu begreifen, wie das gehen könnte. Also fand Jack Trompetenspieler, kam mit ihnen angefahren, arrangierte das Stück und produzierte die Session. Er hat dafür nie öffentliche Anerkennung erhalten – ebenso wenig wie für viele andere Projekte, die er danach mit mir zusammen anging. Aber er war immer für mich da, wenn ich ihn gebraucht habe.«

Zitate montiert aus: »Johnny Cash with Allen Carr: The Autobiography« (Harper Verlag, 1997, 431 S.)



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aus Intro #199 (Februar 2012)
 
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