Lana Del Rey
These Lips Are Made For Singing
03.01.2012, 12:01, Text:
Verena Reygers, Foto: Nicole Nordland
Mit nur zwei Songs und den zugehörigen Videoclip-Verführungen in Technicolor hat Lana Del Rey es geschafft, die Welt in einen erhitzten Herbstzustand zu versetzen. Ebenjene Welt wehrt sich allerdings mit Lästereien über Optik und Zweifeln an der Ernsthaftigkeit hinter der Kunst der schmollmündigen Amerikanerin. Zu Unrecht, erwidert Verena Reygers und bekennt, pro-Lana-Del-Rey zu sein.
Lana Del Rey macht es wie James Blake. So wie der Schmuse-Dubstepler, der mit »Limit To Your Love« im Herbst 2010 mit nur einem Stück binnen kürzester Zeit weltweit bekannt wurde, köchelt auch die Amerikanerin den Hype um sich schon vor dem eigentlichen Album erfolgreich hoch. Fünf Monate, bevor die Sektkorken zur Albumveröffentlichung knallen, haute sie »Video Games« raus (passenderweise in der Woche, in der in Köln die Gamescom-Messe stattfand), das Internetforen und Feuilletons in Atem hielt. Gefolgt vom nicht minder betörenden »Blue Jeans« – und schon sprangen auch Frauenzeitschriften und Klatschblätter auf den Zug auf. Begeistert von dem Retropop, der zwischen Torch-Song-Tradition (sentimentale Liebeslieder) und HipHop-Faust pendelt. Erhitzt von einer Sängerin, deren Kunst so offensichtlich auf Verführung angelegt ist, dass neben Kritik und Spott auch die berechtigte Überlegung aufkam, wie ernst man die Frau überhaupt nehmen könne: aufgespritzte Lippen, falsche Wimpern, Rehäuglein und weichgezeichneter Glamour-Look. Elizabeth »Lizzy« Grant, so der bürgerliche Name hinter dem königlichen Pseudonym, als Songschreiberin ernst zu nehmen, das kam in den vergangenen Wochen und Monaten kaum jemandem in den Sinn.
Talk To Me
Jetzt steht die Veröffentlichung ihres Albums »Born To Die« endlich bevor. Da ist es höchste Zeit, sich von Lana Del Rey ein paar Antworten auf den Hype geben zu lassen. Denn der ist groß und anstrengend. So anstrengend, dass die Künstlerin ihre deutschen Interviewtermine im Dezember wegen Krankheit größtenteils absagen musste. Anderthalb Wochen später ruft sie aus einem Hotelzimmer in Kalifornien an. Der erste Eindruck: Sie ist wahnsinnig nett. Am Abend spiele sie im Troubadour in Los Angeles, erzählt sie, und dass sie sich nicht gestresst fühle. Die vielen Termine seien nicht schuld gewesen an den abgesagten Interviews, für die sie sich noch mal ausdrücklich entschuldigt. Ein Virus, den sie sich schon Wochen zuvor in Paris eingefangen hätte, habe sie endgültig flachgelegt. Also ein ganz gewöhnlicher Fall für Doc Intro und nichts, was dem schnellen Berühmtwerden geschuldet ist. Aber ein Star zu sein, das passt ihr schon ganz gut ins Konzept, oder?
Deine Plattenfirma zitiert dich mit den Worten: »Alle wollen sie berühmt sein.«
Das ist ein Satz, der in einem ganz anderen Kontext steht. Es geht darum, dass jeder Mensch das Bedürfnis hat, wahrgenommen zu werden, weil niemand allein sein möchte. Und dass es mir da genauso geht.
Dann machst du deine Musik der Kunst wegen und nicht, um ein Star zu werden?
Genau, meine Ambition war es immer, Songs zu schreiben, und das mache ich auch schon seit Jahren. Auf der Bühne zu stehen und mich zu präsentieren ist dagegen überhaupt nicht mein Ding. Ich bin nicht sonderlich beeindruckend auf der Bühne.
Und warum trittst du dann trotzdem auf und schreibst nicht nur im Kämmerlein Songs? Oder glaubst du, dass dir nur die Erfahrung auf der Bühne fehlt?
Keine Ahnung, ob sich meine Bühnenpräsenz mit der Zeit verbessern wird. Ich mache das jetzt erst mal, und es macht Spaß, weil es den Fans gefällt, und ich merke, dass sie die Musik mögen. Aber für mich ist der wichtigste Teil meiner Musik nach wie vor das Songschreiben.
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