Skrillex / Nero
One Dubstep Forward
15.11.2011, 16:18, Text:
Martin Riemann, Foto: Mike Belleme
[4 Kommentare]
Was haben Korn und die Doors gemeinsam? Beide gibt es jetzt in Dubstep, dem Genre, dessen Alles-geht-Mentalität sich derzeit wie ein Atompilz über den ganzen Globus ausbreitet. Mit Künstlern wie dem Amerikaner Skrillex und dem britischen Duo Nero erobern nun extrem modulierte Bassspuren endgültig auch den Mainstream.
Ganz ehrlich? Das Wort nervt. Der Begriff Dubstep nimmt mittlerweile so monströse Ausmaße an, dass man befürchten muss, er könnte in einer Art Eroberungskrieg jedes andere Genre schlucken, modifizieren und, mit seinen unverkennbaren Charakteristika versehen, wieder ausspucken. Doch die Menschen sind wild auf dieses Bass-Virus, längst ist es den Mauern des Undergrounds entkommen, hat Zigtausende infiziert und macht seitdem, was es will. Der Sound ist eben wirklich »wicked«, wie die Engländer sagen. Und zwar so geil, dass mit Nero ein pompös überzuckerter Dubstep-Klon das Publikum auf der Insel bereits im Sturm erobert hat. Das Produzentenduo machte sowohl mit seinem Album »Welcome To Reality« als auch mit der Singleauskopplung »Promises« bereits die Spitze der UK-Charts für sich klar.
Jetzt sitzen sie mir in einem schäbigen, engen Raum in einem dieser typischen schäbigen, engen Londoner Häuser auf einem Sofa gegenüber und streiten darüber, seit wann sie Dubstep überhaupt kennen. War es schon 2004 oder doch erst 2007? Egal, fest steht, dass es einer dieser Fruity-Loops-basierten Tracks von Skream war, der Daniel Stephens und Joseph Ray von Drum’n’Bass-Produzenten zu Dubstep-Jüngern konvertierte. Glücklicherweise. Denn laut Stephens wurde es immer schwerer, dem leicht hysterisch veranlagten Drum’n’Bass-Genre noch irgendwelche neuen Akzente zu verleihen. Außerdem hielt er dessen hohes Tempo selbst im Kopf nicht mehr aus. Und im Übrigen lassen sich in den neuen Style eimerweise Erinnerungen reinkippen! Im Fall von Nero sind das Progrock, Trance, Wendy Carlos, Yes, Moroder, Vangelis, 80er-Jahre-Actionfilm-Soundtracks, John Adams’ »Harmonielehre«-Track und ein Roland Jupiter 8 Synthesizer. Das alles auf einem Album, das wohlgemerkt in Look und Dramaturgie wie der Soundtrack zu einem Sci-Fi-Blockbuster konzipiert wurde und schon zu Beginn mit einem Track namens »Doomsday« die kommende Apokalypse einläutet.
»Promises« – Daft Punk als B-Movie
Das Nero-Album »Welcome To Reality« könnte wie die wirren Fantasien spielender Kinder wirken, wäre da nicht das unleugbare Händchen der beiden für melodiösen, Pathos-geladenen Pop. Den verkörpert Stephens’ Freundin Alana Watson, deren eingängig gesungene Refrains die meisten Songs auf dem Album prägen, ehe sie mit schöner Regelmäßigkeit durch den Filter-Reißwolf gekurbelt werden. Später in der Nacht wird sie sich zu einigen ihrer Hits auf der Bühne zeigen. Ihr blond gefärbtes Haar wird dabei stets effektvoll von irgendwelchen Ventilatoren hochgepustet. Auch das Liveset von Nero entspringt einem eher kindischen bis prolligen Traum – irgendwie sind sie auf die Idee gekommen, einen riesigen Turm aus Lautsprecherboxen hochzuziehen, der aussieht wie die Laborwand eines verrückten B-Movie-Wissenschaftlers. Obendrauf stehen im Halbdunkel Joe und Daniel und geben mit überdimensionierten Designerschutzbrillen eine leider etwas unbeholfene Kopie ihrer erklärten Vorbilder Daft Punk ab. Das Publikum im Londoner Electric Ballroom ist zahlreich und ausgelassen, man trägt wie in dieser Stadt üblich Bierdose. Jetzt sieht man auch, worauf sich so viele Hörer in puncto Dubstep mittlerweile einigen können – es ist neben den exaltierten Basskapriolen vor allem das gemäßigte Tempo, das gerade bei Nero eher an den Beat klassischer Rocksongs erinnert. Und dazu kann sich wirklich jeder bewegen, egal, wie viel er schon getankt hat.
Der Prinz ist tot, es lebe der Prinz: Skrillex
Diesen glücklichen Umstand haben in den Staaten auch schon Abertausende partyversessener Collegestudenten erkannt. Ihr neuer Held: Skrillex, ein schmaler 24-Jähriger, der mit seinen schwarz gefärbten Haaren, der dicken schwarzen Brille, schwarzer Kleidung und kalkweißer ungesunder Haut eher einem Emo-Kid als einem Electro-DJ ähnelt. Aber nicht nur mit seinem Aussehen lässt er jeden Hüter geschmackvoller Clubmusik auflaufen. So sieht man ihn und seine hyperaktiven Bassmodulationen, die meist klingen wie Todesstrahlen aus dem Weltall, wahlweise als den Prince of Dubstep oder als meistgehasste Fresse des Genres. James Blake zum Beispiel, der andere Prince of Dubstep, der vor Kurzem noch mit introvertierten Kuschel-Subbässen Trends setzen konnte, verachtet seine amerikanischen Kollegen allesamt zutiefst, da er in deren Musik jegliche Subtilität vermisst. In einem Interview mit der Tageszeitung The Phoenix warf er ihnen jüngst vor, sich mit ihrem Sound »dem Fratboy-Markt zuzuwenden und dabei emotional und klanglich eine reine Macho-Attitüde zu bedienen«, was seiner meiner Meinung nach mit dem echten Dubstep nichts mehr zu tun habe und vor allem dem weiblichen Publikum nicht gefalle.
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carl hinds 29.11.2011 | 23:36:07
Selten so einen peinlichen Quatsch gelesen. Hätte sich vielleicht gelohnt vor 5-6 Jahren über dieses Genre zu schreiben. Und Skrillex hat ja mal mit Dubstep soviel zu tun wie Donald Duck mit einer Stockente.
reinz 30.11.2011 | 09:28:37
heute so morgen so
was ich bisher von skrillex gehört habe, würde ich auch eher mit einem prolligen aphex twin oder the prodigy assoziieren als mit dubstep.
carl hinds 11.01.2012 | 02:03:19
den Namen Aphex Twin würde ich nicht annähernd mit diesem Käse in Verbindung bringen wollen, naja...das Problem ist auch nicht dieser Skrillex-Affe, sondern dass irgendwelche Schwachköpfe darüber schreiben müssen.
Editiert von
carl hinds am 11.01.2012 02:05:02
Sven82 12.01.2012 | 15:23:44
also als Dubstep neuling sind mit die namen bekannt, würd mich aber freuen, wenn mir hier gute artists genannt werden könnten. würd mich echt freuen!
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