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The Black Keys

Arbeitstiere

14.11.2011, 14:36, Text: Martin Riemann

Seit über zehn Jahren touren die Black Keys sich den Arsch ab, liefern mit schöner Regelmäßigkeit Alben und abenteuerliche Kollaborationen an und kommen so mittlerweile auf einen Jahresumsatz von zwei Millionen Dollar. Außerdem fanden sie bisher immer ein Ohr für den richtigen Sound. Über den gaben sie Martin Riemann allerdings nur ungern Auskunft.

Die Black Keys sind frech wie die Spatzen. Nicht nur, dass Pat Carney die ganze Zeit auf sein verdammtes iPad schielt und Dan Auerbach in zweiminütiger Frequenz herzhaft gähnt, man bekommt auch noch patzige Antworten auf Fragen, die man gar nicht gestellt hat. Gut, die beiden stehen seit zwei Tagen Rede und Antwort zu ihrem kommenden Album, und in dieser Zeit wollten wohl sonst tatsächlich alle von ihnen wissen, wie »El Camino« klinge! Also liefert Pat Carney eben pro forma ab: »Das ist gleichzeitig die schwerste und häufigste Frage, die man uns stellt. Wir haben ein Album aufgenommen – wir sollten es nicht auch noch beschreiben müssen. Wenn wir Filmregisseure wären und ›Terminator 2‹ gemacht hätten, würdest du uns dann nach dem Genre fragen? Wenn wir komplette Schwätzer wären, würden wir dann über den Film sagen, dass er ein gesellschaftskritischer Kommentar über den nuklearen Holocaust und künstliche Intelligenz ist.« Als ich ihm entgegne, dass James Cameron das bestimmt sagen würden, kontert Carney pointiert: »Ja, stimmt, das würde er, aber der hat ja auch nur Scheiße im Kopf. Wenn wir Scheiße im Kopf hätten, dann hätten wir keine Freunde. Aber wir haben sehr viele.«

Das ist schön zu hören. Die trotzige Art, wie Pat Carney auf seine vielen Freunde verweist, ist fast rührend, selbst Auerbach hört kurz auf zu gähnen und bricht in überraschtes Gelächter aus. Carney ist groß, hager, hat ein windschiefes Gesicht mit fliehendem Kinn und trägt die klassische schwarze Nerdbrille. Dahinter stecken zwei Augen, die mich mit milde überheblichem Interesse anblicken. Ob er schon immer so viele Freunde hatte? Sein bester sitzt jedenfalls neben ihm und hat gerade in Berlin laut eigener Aussage das schlechteste vietnamesische Essen seines Lebens gegessen. Trotzdem macht auch er sich die Mühe, den Titel des neuen Albums ganz gelassen zu erläutern: »Der Plattentitel lautet ›El Camino‹, und das bedeutet ›Die Straße‹ oder ›Der Pfad‹, und der Van auf dem Cover, ein 94 Plymouth Grand Voyager, ist dasselbe Modell, mit dem wir zu Beginn unserer Laufbahn getourt sind. Ohne weitere Hilfe sind wir damit rumgereist und haben über 300 Shows gespielt. Du siehst, wohin uns das geführt hat.«


Folgerichtig fand die Vorankündigung des erneut von Bandkumpel Danger Mouse produzierten Albums durch eine banale Internetkampagne (in dem Werbefilm spielt »How I Met Your Mother«/»Breaking Bad«-Star Bob Odenkirk die Hauptrolle) statt, die ebendiesen Van zum Verkauf anbot. Anrufen sollte man bei Pat und Dan direkt. Wie immer bei den Black Keys sorgte der geringste Aufwand für den größten Effekt: Zigtausende wollten das legendäre Auto erwerben, die Info vom neuen Album verbreitete sich lauffeuerartig gleich mit.

Passend zum rustikalen Look des Covers ist »El Camino« erheblich rauer und lauter als »Brothers«. Die einzige selbst gegebene Vorgabe bei den Aufnahmen war, ein Album mit schnelleren Drumbeats als sonst einzuspielen. Das führte zu einer Spannbreite zwischen gitarrenlastigem Rock’n’Roll, der mal – wie in der Singleauskopplung »Lonely Boy« – Richtung Rockabilly in der Tradition eines Johnny Burnette tendiert oder – wie in dem unglaublich groovenden »Gold On The Ceiling« – Richtung Bubblegum-Pop geht. Auch Punk, Reggae, Boogie und Glam Rock finden sich auf dem temporeichen Album. Eine krassere Abwechslung zum souligen Vorgänger scheint kaum vorstellbar, und genau darin sieht Carney die eigentliche Qualität der Black Keys: »Ich will, dass man uns als eine Band sieht, die immer etwas anderes bringt, sodass für jeden etwas dabei ist. Wir sind in der Lage, alle möglichen Arten von Alben zu machen. Das ist unser Markenzeichen. So, wie wir Musik hören, können wir mühelos von Johnny Burnette zu Ghostface Killah, zu Devo, zu den Cramps und zu T.Rex switchen und dabei immer noch eine Linearität erkennen. Alles hängt miteinander zusammen.«

Das erklärt ziemlich gut den fast bizarren Erfolg, den die beiden unzugänglichen Typen aus Akron, Ohio mit ihrem stets so direkt wie möglich produzierten Sound haben. Ein weiterer Grund dafür liegt in ihrem Fleiß, den beide nicht zu betonen müde werden: Die Black Keys leben die Band seit einer Dekade als Fulltime-Job, und Carneys Stimme schwillt vor Stolz, wenn er sich mit der vor Faulheit nur so strotzenden Konkurrenz vergleicht: »In der Zeit, in der wir sieben Alben, eine EP, ein Soloalbum, ein HipHop-Projekt und noch eines mit einer anderen Gruppe gemacht haben, in der Zeit also, in der wir elf Alben aufgenommen haben, legten die Strokes vier Alben plus ein Soloalbum vor, obwohl sie noch zwei Jahre mehr Zeit hatten als wir. Außerdem sind die zu fünft und wir nur zwei Leute, was theoretisch bedeutet, dass wir 3000 % härter arbeiten als The Strokes. Wir machen eben nichts anderes. Wenn wir jetzt nicht hier säßen und Interviews gäben, würden wir mindestens zwei Stunden pro Tag der Band widmen, auch an freien Tagen. Und wir arbeiten ziemlich schnell. Für ›El Camino‹ haben wir in den ersten drei Tagen drei Songs fertig gehabt.«

Carney übersieht damit zwar geflissentlich die tatsächlichen Zahlen der Strokes-Diskografie, aber wen kümmert das schon bei solch ohnehin vollkommen absurden Vergleichen. Hauptsache, die Botschaft kommt hübsch ruppig rüber: Rock ist keine Spaßveranstaltung und schon gar kein Hobby für Millionärssöhnchen. Auf »dem Pfad« zum Erfolg liegt, wenn man Auerbach und Carney glauben kann, vor allem jede Menge harte Arbeit vor einem. Es lohnt sich zu prüfen, ob die sich auch beim elften Produkt der fleißigen »Brüder« tatsächlich gelohnt hat.

Termine The Black Keys
27.01.2012 Hamburg, Alsterdorfer Sporthalle » Details | Merken | Anreise
28.01.2012 Berlin, Arena Berlin (ausverkauft) » Details | Merken | Anreise

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