Wolves In The Throne Room
Unhappy Hour
02.11.2011, 15:54, Text:
Felix Scharlau
Die US-Amerikaner Wolves In The Throne Room etwa veröffentlichen transzendente Gitarren-Programmmusik über Naturgewalten und vertreten privat radikal-ökologische Positionen.
Intro verschickte den Fotografen Peter Beste für ein Wochenende auf die Band-Farm Calliope im US-Bundesstaat Washington. Felix Scharlau sprach mit Aaron Weaver von WITTR über den Zauber, die Abgründe und die Ausnahmestellung von Black Metal. Ein Besuch in einem der letzten Zufluchtsorte vor der Kulturindustrie.
Aaron, du und dein Bruder Nathan lebt seit 2004 naturverbunden auf einer Farm nahe Olympia. Der Umzug bedeutete auch den eigentlichen Beginn eurer Band Wolves In The Throne Room. Was war der Grund für eure Flucht vor der Gesellschaft?
Sie ist Mist. Völlig im Arsch. Die moderne westliche Gesellschaft ist dem Untergang geweiht – alle Zivilisationen sind es. Es ist doch sehr offensichtlich, dass sich innerhalb der nächsten 50 Jahre die moderne materialistische westliche Kultur grundlegend verändern wird. Entweder aus sich selbst heraus, indem sich ihr Bewusstsein wandelt, oder weil die Ressourcen ausgehen. Das war aber nicht mal die eigentliche Motivation für unseren Ausstieg. Wir waren einfach nicht zufrieden als Teil eines westlichen Mainstream-Daseins. Wir mögen es harmonischer, ruhiger und traditioneller. Da sind wir natürlich automatisch ganz nahe am Wesen von Black Metal. Die Musik beschwört etwas Altertümliches, fühlt sich so an, als sei sie Teil eines riesigen Flusses aus Zeit und menschlicher Erfahrung. Sie macht deutlich, dass der Welt in den letzten ein-, zweihundert Jahren etwas entrissen wurde.
Fotostrecke:Zu Besuch bei Wolves In The Throne Room
Tourneen bedeuten für euch nicht nur einen harten Wiedereintritt in die zurückgelassene Gesellschaft. Sie kollidieren auch auf andere Weise mit euren Lebenswelten. Euch beschäftigen die ökologischen Folgen des Live-Spielens.
Das Thema Ökobilanz stellt ein Riesenproblem für uns dar, steht in enormem Widerspruch zu unseren Vorstellungen. Auf Tour zu gehen ist scheinheilig von uns, nichts anderes. Aber diese Kompromisse haben wir zu leben beschlossen, wenn es nicht anders geht. Bei uns findet sich das immer wiederkehrende Problem, unseren besonderen Platz zwischen den eigenen Idealen und der kaltherzigen, realen Welt zu finden. Aber ich kann auch nicht verhehlen, dass es uns bei allen Bedenken viel bedeutet, unsere Musik zu spielen und Leute kennenzulernen. Musik hat mein Bewusstsein mehr geprägt und erweitert als alles andere in meinem Leben. Ich spüre deshalb eine gewisse Verpflichtung zu mir selbst, für eine Weile Musik zu machen. Wobei wir als Band aktuell an einem Punkt angekommen sind, an dem wir uns verändern werden. Viele Bands würden jetzt vielleicht versuchen, den nächsten Schritt zu gehen, die großen Festivals zu spielen und so weiter. Aber das ist das Letzte, was ich tun will. Unsere Band muss noch obskurer werden, muss sich wieder weiter vom großen Musikbusiness entfernen.
Ihr seid mit der großen Independent-Tradition Olympias groß geworden und habt früher in Punk-Bands gespielt. Wie kommt man da überhaupt zum Black Metal?
Wolves In The Throne Room sind in gewisser Hinsicht ja immer noch eine Punkband. Wir haben eine starke Do-It-Yourself-Haltung und sind eng mit einer lokalen Szene verknüpft. Die Band ist ein Kind der Olympia-Szene, was vielen Leuten seltsam erscheinen mag, weil die Musik von Sleater-Kinney oder denen, die auf K Records oder Kill Rock Stars erscheinen, völlig anders klingt. Aber das sind alles immer noch meine Freunde und Bekannte. Olympia ist eine sehr kleine Stadt – jeder, der hier Musik macht, kennt fast jeden anderen. Mittlerweile haben übrigens auch die meisten dieser 90er- und 2000er-Indie-Rocker einen ganz ähnlichen Weg eingeschlagen wie mein Bruder und ich: Sie stehen auf Magie und Spiritualität. Auf ganzheitliches Dasein, Mineralien und Waldwanderungen. Das ist grundsätzlich ein wichtiger Teil der Gegenkultur im Nordwesten der USA.
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