Brandt Brauer Frick
Emotional Body Music
10.10.2011, 12:54, Text:
Martin Riemann, Foto: Stefan Knittel
Techno mit Tuba und Harfe? Jetzt wirklich? Und das als Trio? Ja, bis vor Kurzem mussten die drei Typen mit den sexy-teutonischen Namen Brandt, Brauer und Frick ihre Vermählung von Techno und klassischer Komposition tatsächlich noch zu dritt mit Maschinen hinkriegen. Nun verfügen sie über ein 10-köpfiges Ensemble und ziehen damit bemerkenswert stur ihre Vision von handgemachter Clubmusik durch. Martin Riemann erzählten sie, wie sehr Orchestermusik den Adrenalinpegel pusht.
Im Foyer der Berliner Philharmonie herrscht absolute Ruhe. Es läuft zwar gerade ein Konzert, aber die Schalldämmung ist so perfekt, dass nichts aus dem Saal nach außen dringt. Kein Vergleich zum gemeinen Club, der schon von Weitem mit verheißungsvollem Bassgedröhne zum Tanz lädt. Diesen Abend kommt der Club allerdings ins Konzerthaus: Brandt Brauer Frick werden hier nach der noch laufenden Hauptveranstaltung eines ihrer Sets zwischen Minimal Music und Techno spielen. Mit betont seriösem Auftreten und einem noch seriöser klingenden Namen gelang es den dreien zuletzt so gut, ihr »klassisch geschulte Musiker veredeln Techno«-Image an den Mann zu bringen, dass sie mittlerweile überall auf der Welt auftreten können. Und zwar sowohl im Dance-Club als auch im Klassik- oder Jazzumfeld.
Gerade als Ensemble, wo Instrumente wie Tuba, Harfe, Posaune, Geige und Cello das machen, was sonst Sequenzer, Synthie und Mischpult liefern, gewinnt ihre Mischung aus kompositorischer Raffinesse und rhythmischer Zugänglichkeit eine Dimension, die laut Frick viele schon als einen willkommenen Ausweg aus der Klassik betrachten. Aber ist der Aufwand wirklich nötig? Reicht nicht doch ein Laptop? Am Ende wollen wir alle doch einfach nur Tanzen.
Fotostrecke:The Brandt Brauer Frick Ensemble, Wien 2011
Brandt Brauer Frick sind jedoch kein cleverer Marketing-Gag, sondern Enthusiasten auf der Suche nach dem nächsten Kick - oder manchmal einfach auch nur einer Möglichkeit, total stoned Musik zu machen. Zum Interview erscheinen sie Letzterem entsprechend locker gekleidet, aufgeräumt heiter und mit Grasbeutel. Dann kann's ja entspannt losgehen.
Zum Rhythmus der Harfe
Als Trio bedient ihr ja noch durchaus die gängigen Instrumente wie Synthesizer, Laptop et cetera. Wann dachtet ihr: Das reicht uns nicht mehr?
Brandt: Wir haben von vornherein gedacht, dass wir das mal mit mehreren Leuten machen wollen.
Frick: Unsere Musik besteht einfach aus zu vielen Elementen, als dass wir das alles zu dritt spielen können. Mir geht es da auch um das Emotionale. Es ist ein soziales Erlebnis, wenn wir mit so vielen Leuten unterwegs sind. Das Ensemble setzt Adrenalin frei.
Wenn jemand wie Paul Kalkbrenner irgendwo auf der Welt auftritt, erscheint er mit seinem Laptop, schließt diesen an einen bestimmten Mischer an, und binnen Kürze hat er im Saal genau den Sound, den er möchte. Techno kann so einfach sein. Das dürfte bei euch anders aussehen, wenn ihr mit eurem 10-köpfigen Ensemble anrückt.
Frick: Es gibt so Momente, wo alles unwahrscheinlich kompliziert ist und man die ganze Zeit Instrumente trägt und zu sechzehnt im Tourbus sitzt. Da denke ich dann auch, dass es vielleicht so scheint, als hätten wir uns das ausgedacht, um es so kompliziert wie möglich zu machen. Dann wünsche ich mir auch für eine Minute, dass ich wie so ein DJ unterwegs bin, aber dann kommen solche Adrenalinmomente, wenn zu zehnt alles klappt, wodurch alles immer so aufregend bleibt.
Brandt: Bei uns klingt es auf jeden Fall nicht wie bei Paul Kalkbrenner immer gleich, sondern immer anders. In Köln haben wir im WDR-Funksaal gespielt, und da war der Sound im Prinzip genau, wie wir ihn haben wollten, aber wenn wir ein Open Air spielen, kann es natürlich auch sein, dass ganz leise Stellen überhaupt nicht gehört werden, weil Leute sich unterhalten oder rumschreien.
Ihr überlasst aber bestimmt nicht viel dem Zufall.
Brandt: Klar, das ist natürlich alles soundtechnisch ganz genau geprobt, sodass die einzelnen Instrumente genau so klingen, wie wir das haben möchten.
Frick: Wir spielen diesen klassischen Musikern, mit denen wir da zusammen spielen, auch die ganze Zeit Techno, Dubstep, Post-Dubstep, UK Funky und so weiter vor. Wir nehmen sie auch auf Partys mit - wenn du diese Sounds nicht mal eine Nacht richtig genossen hast, dann weißt du nicht, wie du das spielen solltest.
Was halten eure Musiker denn von Dubstep-Partys?
Brauer: Die meisten finden es ziemlich geil.
Frick: Während der Tourneen gibt es krasse Partys - vor allem bei den englischen Festivals. Unsere Musiker sind total froh, dass sie so was mal miterleben dürfen. Die sind schon aufgeregt, wenn sie ein Wristband kriegen.
Sagt mal was zu der Charakteristik der einzelnen Instrumente. Warum habt ihr gerade dieses oder jenes Instrument in das Ensemble aufgenommen?
Frick: Bei der Harfe wusste ich von vornherein: die muss dabei sein, weil die hat einen kurzen Attack, wodurch man sie sehr gut rhythmisch einsetzen kann.
Brandt: Die Tuba ist einfach ideal für Bassline. Knarzt, hat Verzerrungen drin und einfach einen tiefen Bass.
Brauer: Streicher und Klavier sind bei Dancemusik ja so gut wie immer dabei.
Frick: Aber die setzen wir anders ein. Wir wollen gerade nicht diesen Schritt gehen, dass wir so eine Techno-Coverband sind. Eigentlich machen wir immer noch Umwege, wenn es darum geht ...
Brandt: ... irgendwelche Standards zu erfüllen. Was wir nicht wollen, ist Musik, die einfach nur klingt wie House oder Techno.
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