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Dum Dum Girls / Jolly Goods

Die Rückkehr des Do-It-Yourself-Ethos

29.08.2011, 13:08, Text: Hanno Stecher, Foto: Kim Keibel

Wurde die Rockmusikszene in den letzten Jahren von sauber produzierten Sounds und dem Hang zu Perfektionismus beherrscht, konkretisiert sich derzeit das Revival der schrammeligen Gitarrenmusik. Hanno Stecher hat sich mit den Dum Dum Girls und Jolly Goods getroffen, die kantigem Indie wieder neuen Auftrieb geben.

Manchmal kommt man allein nicht weiter. Das musste auch Kristin Gundred a.k.a. Dee Dee Penny, Sängerin der Dum Dum Girls, erfahren, als sie im Sommer 2009 in ihrer Heimatstadt Los Angeles erste Gigs spielte. Zu diesem Zeitpunkt machte sie solo Musik und hatte bereits einige 7-Inches mit schrammeligen, noisigen Lo-Fi-Gitarren-Songs auf kleinen Labels wie Zoo Music oder Captured Tracks veröffentlicht. Für die Begleitung ihrer ersten Live-Auftritte engagierte sie ihren Mann Brandon Welchez von der Band Crocodiles und seinen Bandkollegen Charles Rowell, doch die Shows entpuppten sich als ziemliches Desaster: »Ich hatte so viel Angst vor dem Auftritt, dass ich eine Maske trug und letztlich einfach nur sturzbetrunken auf der Bühne herumtanzte. Das war ziemlich peinlich, und ich merkte schnell, dass das so nicht funktioniert und dass man das noch ausbauen muss«, erzählt sie rückblickend.


Ein halbes Jahr später stand Dee Dee wieder auf der Bühne, diesmal beim Newcomer-Festival South By Southwest in Austin, Texas und unter dem Bandnamen Dum Dum Girls. Anstelle der Maske hatte sich die Sängerin drei Bandkolleginnen organisiert, darunter ihre Freundin Frankie Rose, zuvor schon aktiv bei Crystal Stilts und Vivian Girls. Dee Dee beschreibt diesen Schritt als persönlichen Befreiungsschlag: »Als ich alleine anfing, hatte ich überhaupt kein wirkliches Ziel vor Augen, daher fiel es mir auch schwer, für die Musik einzustehen. Durch die anderen hat es Klick gemacht, ich hatte verstanden, wie ich das Projekt aufbauen musste.«

Der Auftritt war eine Art Feuerprobe: Die vier Frauen spielten nach einigen kleineren Shows ihren ersten großen Gig – und es lief ziemlich gut: Das Publikum zeigte sich beeindruckt von der Bühnenpräsenz der Dum Dum Girls, die mit ihrem rotzigen Sound zwischen Garage Rock, Indie und Noise so gar nicht dem Zeitgeist der glatt produzierten Poprockbands wie Foster The People oder Vampire Weekend entsprechen. Ihr unpolierter und trotzdem poppiger Sound steht symbolisch für die Rückkehr eines neuen DIY-Ethos. Entsprechend groß war auch die Resonanz auf das erste Dum-Dum-Girls-Album »I Will Be«, das kurz nach dem SXSW-Gig auf Sub Pop erschien. Allerdings war der Erstling keineswegs das Werk der frisch gegründeten Gruppe, sondern noch vor der Bandgründung von Dee Dee in ihrem Schlafzimmer aufgenommen und von Produzenten-Legende Richard Gottehrer abgemischt worden. Obwohl dieser nur kleine Veränderungen vorgenommen hatte, klang »I Will Be« bereits wie von einer Band eingespielt.

Heute, gut eineinhalb Jahre später, steht Dee Dee, noch immer scheu, mehr im Rampenlicht denn je: Sie hat es mit ihrem Look aus dicker Sonnenbrille und schwarzem Lederoutfit zur Indie-Stilikone geschafft. Abgesehen von solchen modischen Aspekten steht sie mit ihren Dum Dum Girls vor allem für die Wiederentdeckung eines ungeschliffenen Gitarren- und Bandsounds, der erfrischend und wild klingt. Denn nicht nur im Mainstream findet derzeit glatt gebügelter Indiesound Marke Jupiter Jones statt, wie Kollege Linus Volkmann in Intro #195 konstatierte, auch jenseits der Charts wird er von Perfektionismus und glatten Sounds beherrscht. Man denke nur an Bands wie Two Door Cinema Club, Delphic oder Klaxons. Hier brechen neue US-Bands wie Dum Dum Girls, die ebenfalls aus Los Angeles stammenden Best Coast, Vivian Girls aus New York, Hunx And His Punx und Younger Lovers aus Oakland mit schrammeligen Lo-Fi-Sounds eine Lanze für eine neue Rohheit in der Gitarrenmusik.


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aus Intro #196 (Oktober 2011)
 
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