Wer zum Teufel ist eigentlich
Zola Jesus
29.08.2011, 12:45, Text:
Verena Reygers, Foto: Kim Keibel
Ihr Souterrain-Transmissions-Debüt »Stridulum II« brachte Nika Roza Danilova den Ruf einer depressiven Künstlerin ein. Gar von lebensmüde war die Rede. Mit »Conatus« setzt sie nun zum Befreiungsschlag an. Die Amerikanerin, die sich ganz und gar der Musik verschrieben hat und sehr zurückgezogen produziert, atmet hierauf hörbar durch.
Zola Jesus hat sich in ihrem Hotelzimmer in Lissabon verschanzt und drückt sich vor der Sonne. Nicht, weil sie kategorisch etwas gegen sie hätte, im Gegenteil, später wolle sie auf jeden Fall noch rausgehen, gibt sie zu verstehen. Aber dem Stress der letzen Zeit geschuldet, genießt sie die Freiheit des ersten Tags Tourpause seit Langem. Beklagen will sich Nika Roza Danilova – ihr bürgerlicher Name ist nicht minder beeindruckend als der Künstlername – aber nicht, ist sie sich doch jetzt bewusst, die Anerkennung für ihre jahrelang im Alleingang trainierte opernhafte Stimme zu bekommen.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte die 22-Jährige als Zola Jesus mit »Stridulum II« ein düsteres, elektronisch verspieltes Meisterwerk, das Schatten wirft, die so schwarz sind wie die russische Seele, die in Danilova schlägt. Ihre Großeltern emigrierten nämlich aus Russland nach Wisconsin, Amerika. Nika ist nicht die Einzige in der Familie, die sich der Musik verschrieben hat. Auch ihr Bruder ist Musiker. Allerdings komponiert er Folkmusik. »Wir haben uns in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt«, beschreibt sie die Familienstruktur.
»Während ich am Computer sitze und Sounds kreiere, spielt er Mandoline und Banjo.« Eine interessante Vorstellung, wie im Hause Danilova die Kinder am Tisch sitzen: der Sohn mit Karohemd und Vollbart, die Tochter mit schwarz umrandeten Augen und im Gothschick – Nika lacht über das Bild, völlig offen und ohne einen Hauch von Depression, der ihr nur zu gerne in den Besprechungen zu »Stridulum II« an den blassen Körper geheftet wurde. Diese Zuschreibung war dem verschlossenen Gesamtcharakter des Werks geschuldet, das klang wie das Erzeugnis einer in sich gekehrten Künstlerin.
Genau dem widerspricht »Conatus« (Lateinisch für »Bestreben«). Nika, die sich selbst als ziemlich schüchtern und stur beschreibt, spricht vom Ergebnis ihres Wunsches zu wachsen: »Wenn du deine Persönlichkeit entwickeln willst, musst du dich mit deinen Schwächen konfrontieren«, ist sie überzeugt. »Ich wollte die Mauern um mich niederreißen, dabei roher klingen, ehrlicher sein«, sagt sie und ergänzt, dass die neuen Songs stark emotionalisiert sind: »Es ist sehr viel drin, sowohl Schmerz als auch Leidenschaft.« Also doch ein bisschen Leiden. Ganz ohne geht es eben nicht, schließlich kostet der kreative Prozess Kraft: »Es ist immer nervenaufreibend, eine Idee umzusetzen. Aber wenn der Song schließlich fertig ist, ist das enorm befreiend.« Spricht es und atmet befreit auf.
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