Retro lässt mich kalt
Retro-Spezial: Interview mit Daniel Miller (Mute Records)
09.08.2011, 13:55, Text:
arno raffeiner
Das diesmalige Intro Spezial ist den Retrotrends der Nullerjahre gewidmet. In diesem Rahmen sprachen wir mit dem Mute-Chef.
Daniel Miller, der seit mehr als dreißig Jahren Mute Records betreibt, hat in dieser Zeit Künstler wie DAF, Depeche Mode und Fad Gadget gesignt, deren Musik in der letzten Dekade oft zitiert wurde.
Daniel Miller, war und ist Innovation ein wichtiges Kriterium für Veröffentlichungen auf Mute?
Absolut. Meine Erwartung ist da an elektronische Musik höher, einfach, weil die Technologie jünger ist. Wenn es um einen Act wie Big Deal geht – nur zwei Gitarren und zwei Stimmen –, will ich, dass es originell ist. Es geht dann mehr um die Songs, um die Leute dahinter, um die Art, wie sie das präsentieren. Aber Innovation ist wichtig, Originalität ist wichtig, Songs sind wichtig – zumindest, wenn man Songs macht.
Was hältst du von Retrotrends?
Das interessiert mich nicht besonders, auf jeden Fall nicht für das Label. Vor einigen Jahren gab es viele Acts, die wie Bands von vor 30 Jahren klangen. Das lässt mich kalt. Ich habe mit einigen der besten Bands dieser Zeit gearbeitet, warum sollte ich mir jetzt etwas Ähnliches anhören, das nicht so gut ist? Das macht keinen Sinn.
Die Postpunk-Schwemme in den 00er-Jahren hat dich also genervt?
Was mich mehr als alles andere genervt hat, war Britpop. Weniger wegen der Musik – auch wenn mir die nicht besonders gefällt, es gab ein, zwei gute Bands, der Rest war Mist –, sondern wegen der Art und Weise, wie die Medien das verhandelten. Plötzlich war alles andere von der Landkarte verschwunden, wichtig war nur mehr Britpop. Das war problematisch.
Ist Nostalgie trotzdem etwas, das dich in Musik gefangen nimmt?
An Nostalgie ist nichts verkehrt, ich bin von Natur aus eine ziemlich nostalgische Person. Ich fand, dass die frühen Kraftwerk Nostalgie in ihrer Musik hatten, eine gewisse Sentimentalität, die für mich funktioniert hat. Wenn aber jemand etwas einfach wiederholt, etwa versucht, einen bestimmten Klang aus den 60ern hinzubekommen, spielt das für mich keine Rolle.
ReIssues sind für Mute allerdings ein wichtiges Thema.
Natürlich, damit habe ich kein Problem. Denn die alten Platten sind toll. Wenn sie ein neues Publikum erreichen können, ist das eine gute Sache. ReIssues, Compilations – ich will einfach, dass meine Künstler ein möglichst breites Publikum erreichen.
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