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Washed Out

Popstar auf Abruf

09.08.2011, 13:35, Text: Felix Scharlau, Foto: Kat Green

Ernest Greene alias Washed Out erfuhr durch seinen bezaubernden Techno-Pop in den letzten zwei Jahren einen Bekanntheitsschub, wie ihn nur die moderne Sagenwelt des Web 2.0 kennt. Als Preis fürchtet Greene schon jetzt ein mögliches Ende der Publikumsgunst, wie er Felix Scharlau erzählte.

Eine Sache will zunächst nicht ins Bild passen, unterhält man sich mit dem 27-jährigen Ernest Greene: der breite, latent vulgär klingende Südstaaten-Slangt des verwuschelten Kopfes von Washed Out. Erst im Verlauf des Gesprächs wird klar, dass die hörbare Treue zu seiner Heimat Georgia sinnstiftend ist für Greenes bedächtige Synthie-Pop-Miniaturen. Die Musik wird, je länger das Interview dauert, mehr und mehr zum Abziehbild seines scheuen Erzeugers. Sie wandelt sich zu entschleunigter Programmmusik über die Würde des Privaten.

Juni 2009. Ernest Greene erlebt den schlimmsten anzunehmenden Unfall im Leben eines Heranwachsenden: Er muss wieder bei seinen Eltern einziehen. Eine Jobsuche im Anschluss an das College-Studium war zuvor erfolglos verlaufen. Im ehemaligen Kinderzimmer nahe eines Pfirsichhains in der Ortschaft Perry, Georgia beginnt er mit der Musiksoftware Reason und einer veralteten Cubase-Version seinen Frust digital zu verarbeiten. »Die Stücke entstanden mit dem Ziel, dass es mir durch den kreativen Prozess besser gehe«, erinnert sich Greene. Dass sich das bescheidene Ziel bald schon übererfüllen würde, wäre Ernest Greene nie in den Sinn gekommen. Im Angesicht der auf MySpace gestellten Songs – etwa »Belong« von der EP »High Times«, »New Theory« und »Feel It All Around« von der EP »Life Of Leisure« – fielen Musikfans, Blogger und größere Plattenfirmen noch im gleichen Jahr vor Greene auf die Knie. Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie schlecht viele der Songs produziert waren und wie viele noch schlechter klingende Versionen der in nur geringer Auflage gepressten Stücke online kursierten.

»Wenn es darum geht, meine Songs dynamisch zu gestalten, fehlt mir völlig das Know-how«, gesteht Greene heute. Da redet er allerdings über die Produktion seines ersten Albums »Within And Without«, das dieser Tage erschien und Platz 26 der US-Billboard-Charts erreicht hat. »Ich kann im Studio nicht mal sagen, was genau ich meine, weil ich die entsprechenden Wörter nicht kenne.« Ein Wort, das dazugehören dürfte, obwohl es seine flächigen Computer-Synthesizer-Arrangements seit jeher entrückt klingen lässt, heißt Side Chain. Ein anderes, weitaus bekannteres: Hall – dem sich auch Greenes kaum zu verstehende Singstimme unterordnet. Kurz: Die romantische Ravemusik von Washed Out besitzt alle Stigmata von Chillwave. Greene stört das Label. Nicht nur wegen der verhängten Sippenhaft, die Journalisten mit solchen Subsumierungen über Bands verhängen. Auch, weil er versucht hat, auf »Within And Without« genau so nicht mehr zu klingen. »Ich hatte für die Platte eine Ausschlussliste von Dingen im Kopf. Darunter auch prototypische Eigenarten dessen, was man Chillwave nennt. Insofern ist das ein bisschen ärgerlich, doch damit verbunden zu werden. Es ist etwas verrückt, wie Kritiker, indem sie bestimmte Bands rund um den Begriff Chillwave gruppierten, die Evolution des Sounds, um den es eigentlich gehen soll, mitbestimmt haben.«


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aus Intro #195 (September 2011)
 
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