Hanin Elias
Leben nach dem Hass
16.06.2011, 15:55, Text:
Martin Riemann
Sie gehörte 1992 zur Gründungsformation von Atari Teenage Riot. Bei der aktuellen Reunion ist sie aber nicht dabei, stattdessen legt Hanin Elias mit »Get It Back« ein neues Soloalbum vor, das sich Grime, Dubstep und HipHop widmet.
»Mit Atari Teenage Riot haben wir den Hass echt gefühlt«, erinnert sich Hanin Elias an die Jahre zurück, als sie noch Mitglied der Band war. »Wir waren damals aber auch sehr jung – von 18 bis Ende 20 hat man noch diesen extremen Hass auf anderes, weil man sich selber durchsetzen muss. Der ist mir inzwischen vergangen. Ich kann nicht alle anderen bekehren, ich glaube auch nicht, dass man die Leute mit Hass bekehren kann, man kann nur die Leute, die auch hassen, auf seine Seite ziehen. Und dann hasst man gemeinsam irgendwas, und letztendlich tut man sich damit keinen Gefallen.«
Hanin Elias' hasserfüllter, energetischer Gesang war immer so etwas wie das Markenzeichen von ATR. Bei der aktuellen Tour ist sie nicht im Line-up, obwohl sie nach eigenen Angaben gerne dabei gewesen wäre. Vielleicht ist es aber auch besser so, denn schon seit einiger Zeit fällt es ihr immer schwerer, sich mit Digital Hardcore, dem von der Band geprägten Sound, der auch Namensgeber für das bandeigene Label wurde, und ihrer Rolle als Riot Grrrl zu identifizieren: »Ich hatte das einfach nicht mehr nötig, diese Selbsttherapie, die man da betreibt, indem man Autoritäten auf der Bühne bekämpft. Die eigentliche Ursache dafür liegt ja in der Familie – bei mir an meinem arabischen Vater, der mich immer unterdrücken wollte. Dagegen habe ich damals auf der Bühne angekämpft – das hat auch Spaß gemacht, wurde zu einer Sucht. Wenn man das allerdings verstanden und dem Vater vergeben hat, dann lässt es nach.« Dass ihre Fans das vielleicht nicht gut finden, dass sie ihren Frieden gefunden hat, bedauert sie, dagegen tun könne sie aber nichts, »schließlich kann man diesen Hass nicht faken«.
Auf ihrem aktuellen Album »Get It Back«, ihrem ersten nach einer fünfjährigen Pause, die sie in Französisch-Polynesien verbracht hat, erinnern nur noch zwei Stücke an Digital Hardcore und damit an ATR. Der Rest ist beeinflusst von aktuellen Produktionen in den Genres Grime, Dubstep und HipHop. Die totale Aggressivität ist einer euphorischen Skepsis mit selbstironischen Untertönen gewichen.
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