Andrea Mohr
Legal – illegal – scheißegal
14.06.2011, 17:31, Text:
Wolfgang Frömberg, Foto: Tobias Vollmer
[1 Kommentar]
Wolfgang Frömberg und Tobias Vollmer haben Andrea Mohr in ihrem derzeitigen Wohnort Neustadt an der Weinstraße besucht und über ihre jüngst erschienene Autobiografie gesprochen
Ein Roman kommt dem wirklichen Leben mitunter sehr nahe. Biografische Texte können andererseits mehr erfundene Szenen und Dialoge enthalten als jeder »Harry Potter«-Band. Das Verhältnis der Autoren zum Geschriebenen ist insofern eine Orientierungshilfe, mit welcher Art von Literatur man es zu tun hat. Für Andrea Mohr ist klar, dass der Erfolg ihrer Autobiografie darauf basiert, dass sie in »Pixie« die ungeschminkte Wahrheit erzählt. Es sei auch nicht so, dass sie durch eine Abrechnung etwas hinter sich lassen wolle. In Australien, wo das Buch 2009 veröffentlicht wurde, rechnete man ihr diese Haltung hoch an, was sich in vielen lobenden E-Mails und hohen Verkaufszahlen niederschlug. Der Untertitel der deutschen Ausgabe, »Vom Drogen-Jetset in den Frauenknast«, dürfte Leute neugierig machen, die Howard Marks' autobiografischen Bestseller »Mr. Nice« kennen.
Andrea Mohrs »Pixie« sollte jedoch nicht nur diese Klientel interessieren. Ihr Buch ist kein offenes Manifest für die Legalisierung von Drogen – und auch kein Abenteuerroman. Mohr konzentriert sich auf die Gefängnisrealität, die sie im australischen Hochsicherheitsknast Deer Park erlebt hat. Das High-Society-Leben der Tochter aus gutem Hause scheint während des grauen Knastalltags ihrer fünf Jahre währenden Haftzeit nur in Flashbacks auf. Aber »Pixie« wäre nicht auch ein Plädoyer für gelebte Freigeistigkeit, würde der Hinweis darauf fehlen, dass ein Mensch geläutert aus einer Gefängnisstrafe hervorgehen kann, ohne als Besiegter in die Geschichte einzugehen. Andrea Mohr ist der wandelnde Beweis, dass eine Art trauriger Triumph denkbar ist.
Kookaburra aus der Pfalz
Es ist heiß in Neustadt an der Weinstraße, einem 53.000-Seelen-Kaff in der gepflegten Langeweile des Riesendorfs Rheinland-Pfalz. Der Weg zu der Frau, die ehemals kiloweise Kokain aus Kolumbien exportierte und mit ihrem Ehemann Werner Roberts eine Villa in Melbourne besaß, führt im Mai 2011 über die Autobahn – vorbei an Feldern, auf denen Arbeiter aus Osteuropa mit Erntearbeiten beschäftigt sind. Im verschlafenen Nest zwischen Karlsruhe und Kaiserslautern ist Andrea Mohr eine echte Erscheinung. Den Leuten hier ist sie ein Begriff. »Ist ja auch kein Wunder. Wie viele Schriftsteller aus Neustadt kennst du?« fragt sie augenzwinkernd. In »Pixie« illustriert sie ihren Werdegang vom sorglosen (Adrenalin-)Junkie aus der Südpfalz zur Autorin anhand sämtlicher Spitznamen, die sie jemals verliehen bekam. Ihr Gatte nannte sie nach einem für sein hervorstechendes Lachen bekannten Eisvogel »Kookaburra«. Im Gefängnis taufte Insassin Caroline sie »Pixie« (Deutsch: Fee oder Elfe). Die Kreuzung aus beiden wäre ein fabelhaft schräger Vogel.
Tatsächlich wirkt Andrea Mohr am Treffpunkt auf dem Bahnhofsvorplatz so, als könne sie ohne mit der Wimper zu zucken auf High Heels und im ärmellosen Shirt direkt aufs nächste Motorrad springen und dem Idyll die Rücklichter zeigen, wenn es einen guten Grund dafür gäbe. Der rote Lippenstift, nach der Maxime »Wenn ihr für euren Artikel Fotos machen wollt, brauche ich morgens etwas länger im Bad« aufgetragen, unterstreicht außerdem ihre extrovertierte Ader, von der man sich in diesem Jahr schon bei Markus Lanz überzeugen konnte. Dort hockte sie zwischen reumütigen B-Promis, unter anderem Ingrid van Bergen, die heute vor allem dafür bekannt ist, dass sie ihren Mann umgebracht hat. Auf die Frage von ZDF-Saubermann Lanz, wie denn ein kolumbianischer Drogendealer aussehe, gab ihm Andrea Mohr zu verstehen: »Eigentlich genau wie Sie, Herr Lanz!«
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borderlines 28.06.2011 | 22:17:29
Werbung, die erwünscht sein könnte: Andrea Mohr liest am Mittwoch, den 29. Juni im Salon zur wilden Renate in Berlin aus ihrem Buch vor: http://www.facebook.com/event.php?eid=139799422762117
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