Digitalism
Weltmännischer Rock
03.06.2011, 10:01, Text:
Michael Weiland, Foto: Kim Keibel
Hamburger nennen ihre Stadt gerne »das Tor zur Welt«. Was eigentlich bloß heißt, dass man immer kurz vorm Abhauen ist, wie Michael Weiland erfahren durfte.
Digitalism erinnern an den Riesen Herr Tur Tur aus »Jim Knopf«, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Aus der Ferne betrachtet wirken sie und ihre Erfolgsgeschichte einschüchternd groß: Ihren Karrierestart feierten sie beim angesagten französischen Label Kitsuné (siehe auch die Modestrecke in dieser Ausgabe), für ihre Auftritte jetten sie permanent um die Welt, und der bandeigene Twitter-Feed erscheint aufgrund der Nachfrage aus dem Ausland mittlerweile auf Englisch. Kurzum: Alles wirkt sehr weltmännisch bei Jens »Jence« Moelle und İsmail »Isi« Tüfekçi. Wenn man sie trifft, wirken die beiden jedoch völlig unspektakulär: Moelle hat vor dem Treffen becherweise Kaffee gekauft und bietet ihn zuvorkommend an, İsmail erkennt den Autoren aus dem Linienbus wieder – und zum Interview laden sie in ihr fensterloses, mäßig aufgeräumtes Studio in einem Hochbunker in Hamburg.
Diese Unaufgeregtheit, die den Alltag der beiden prägt, zeigt sich auch an der Zeitspanne, die zwischen dem Debüt »Idealism« und dem Nachfolger »I Love You Dude« vergangen ist: satte vier Jahre. In klassischen Veröffentlichungszyklen gedacht, hätte da auch gut und gerne ein weiteres Album reingepasst. Zumal ein großer stilistischer Sprung zwischen den beiden Werken gar nicht auszumachen ist. »I Love You Dude« fällt zwar etwas songlastiger aus, das aber ist keine Entwicklung, die man nicht hätte erahnen können. »Bereits auf ›Idealism‹ waren ja zwei richtige Songs drauf: ›Pogo‹ und ›I Want I Want‹«, erzählt Moelle. Und ergänzt, dass diese einst als letzte aufs Album gekommen seien und so den Weg in die Zukunft definiert hätten. Wie sicher sich Digitalism mittlerweile auf dem Songterrain bewegen, zeigt vor allem das neue Stück »2 Hearts«, das all die Attribute zu bieten hat, die einen Sommerhit ausmachen: eine Melodie, der man sich schwer entziehen kann, eine detailverliebte Produktion und eine einfache, universelle Botschaft – »these two hearts will make it last«.
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