Ja, Panik
Dies- und Jenseits von Afrika
20.04.2011, 17:09, Text:
Carsten Schumacher, Foto: Kim Keibel
An einem Frühlingstag im April sitzt Andreas Spechtl, der Kopf der mittlerweile in Berlin lebenden Wiener Indie-Band Ja, Panik, in einem Kölner Café. Eigentlich möchte er über ihr viertes Album »DMD KIU LIDT« reden, aber da der immer offen systemkritische Musiker gerade erst aus Ägypten zurückgekommen ist, schwirren andere Gedanken durch seinen Kopf. Dort herrschen aktuell bekanntlich revolutionäre Zustände. Und so grübelt Spechtl. Und denkt, während er redet. Carsten Schumacher hörte zu.
Alles begann mit einer Einladung vom Goethe-Institut: Andreas Spechtl sollte für die deutsche Kulturexport-Einrichtung durch Ägypten und den Sudan reisen, in Kairo, Alexandria und Khartum Konzerte und Workshops geben, den Austausch mit Jugendlichen suchen. Das war im Oktober 2010. Er sei, so sagt der fahle, über seine Kaffeetasse hockende Schlaks selbst, vorher eher der Typ Städtereisender gewesen, er liebe das sichere Terrain. Doch die Tour verrückte dahingehend seine Erdachse. Ein »Brett vor dem Kopf« habe er gehabt, sei fast ausschließlich beeinflusst von »so großstädtischem Zeug wie Musik und Literatur« gewesen. Die Erkenntnis, dass er damit den größten Teil der Welt ignoriere, die sei ihm tatsächlich erst in Afrika gekommen.
Das Album, kryptisch »DMD KIU LIDT« betitelt,war da allerdings praktisch schon fertig. Afrika konnte darin keine große Rolle mehr spielen. Kairo schrumpfte auf das bloße Wort im letzten Song. Was nicht heißt, dass die Reise durch Afrika spurenlos geblieben wäre, das Gegenteil ist der Fall: Es zeigen sich Irritationen im System Ja, Panik. Zumal es mit der einen Reise nicht getan war. Am Tag vor unserem Gespräch ist Spechtl gerade erst erneut aus Ägypten heimgekommen. Diesmal von einer Tour als Klavierbegleiter von Christiane Rösinger. Er erzählt, dass selbst die Leute vor Ort von der Revolution überrascht gewesen seien. Man hätte sie nicht unbedingt riechen können. Aber die gesellschaftlichen Widersprüche, die seien schon stark und auffällig gewesen. Vor allem der Kontrast zwischen dem »Außenbild« und dem »viralen zweiten Leben hinter den Kulissen« der Leute. Soll heißen: Überall gibt es scharf formulierte Regeln, die hinter geschlossenen Türen allerdings wie selbstverständlich gebrochen werden. Subversion im Privaten.
1 | 2 | 3 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...





