Wolfgang Voigt
Damals: My Definition Of Techno
24.03.2011, 15:04, Text:
Intro
Techno ist eine universelle Musik - sagt Robert Hood, der Mann, der 1994 die »Minimal Nation« ausgerufen hat. Wir haben mit dem Kölner Kompakt-Mitbetreiber Wolfgang Voigt zu seiner Definition des Genres befragt.
Wolfgang, was bedeutet Technokultur für dich? Wie hat das Ganze für dich persönlich angefangen?
Im Sinne der Geschichte der geraden Bassdrum beginnt Techno für mich 1987/88 mit Acid House, was als ein Vorläufer gesehen werden muss. Das war für mich ein musikkulturelles Erdbeben, wie es das seit Punk nicht mehr gegeben hatte. Da Acid House aus meiner Sicht der letzte große »Hype« im Sinne einer England-geprägten Musikgeschichtsschreibung (Smiley-T-Shirts, Smash-Hits-Coverstorys und so weiter) war, musste er auch nach kurzem, intensivem Rausch entsprechend schnell wieder untergehen. Dann kam so circa ein Jahr Katerphase (Hiphouse, Deephouse usw.), bevor es dann so 1989/90 mit Techno im eigentlichen Sinne richtig losging. (Rise from your grave.)
Was waren für dich wichtige Momente in der Technogeschichte?
Der größte Teil der 1990er war eigentlich ein fortwährendes Feuerwerk »wichtiger Momente«. Die völlige Befreiung von allen Konventionen des Musikgeschäftes, immer neue Höchstleistungen in Sachen Soundinnovation/abstraktion, anarchisch-kreativer Musikgerätemissbrauch, exzessive Partykultur, Trends und Mikrotrends, Sex and Drugs and Akzeleration.
Wie hat sich Techno und deine Sicht darauf in den letzten 20 Jahren verändert? Was ist übrig geblieben von der Idee von Techno als »universeller Musik«, wie Robert Hood es mal formuliert hat?
Verändert hat sich, dass sich der heutige »Minimal-Techno« zu einem weltumspannenden Endlos-Soundtrack aus funktionalisierter Bausteinmusik beliebiger Herkunft entwickelt hat. Der endlos pluckernde Flow wird praktisch nicht mehr durch wiedererkennbare Signale oder Wagnissampling aufgeschreckt oder gestört. Übrig geblieben ist, dass Techno eben genau diese »universelle Musik« geworden ist.
Wie siehst du die Entwicklungen heute?
Ich denke, es gibt so grob drei Lager mit fließenden Grenzen: Die Ersten, und das sind wohl die meisten, haben sich im oben genannten globalen Nummer-sicher-Minimal-Techno mehr oder weniger zufrieden eingerichtet. Dann gibt es die »Aufmischer«, die - mit erster Perspektive unzufrieden - versuchen, ihr Verständnis von Techno im Sinne individueller Sinn/Klangforschung um bisher noch nicht gedachte idiosynkratische Ecken weiterzudenken. Und drittens die, die glauben, es gäbe eine Alternative zu Techno ... Gibt es aber nicht.
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