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Ryan Shultz

So drauf: "Ich kann als Maler nur das malen, was ich auch verstehe"

10.03.2011, 17:10, Text: Felix Scharlau, Foto: Ryan Shultz

Ryan Shultz, Jahrgang 1983, porträtiert in seinen realistischen Ölgemälden eine Welt abseits der großen Motivbühne

Ryan Shultz malt Drogenkonsumenten, die zum Techno-Rave gehen, verkaterte Frühstücksrunden in Diners oder Freunde, die sich einen Schuss setzen. Intro hat er exklusiv einige seiner Werke für einen Abdruck zur Verfügung gestellt. Im Anschluss folgt ein Gespräch, das Felix Scharlau mit Ryan Shultz über seine Bilder geführt hat.


Ryan, als die Intro-Fotoredakteurin dich das erste Mal wegen deiner Bilder kontaktiert hat, warst du gerade ganz aufgeregt. Du befändest dich nämlich bei Clint Eastwood. Was um Himmels willen war da los?
Also, ich komme eben von einem Urlaub in San Francisco zurück. In Carmel in der Nähe habe ich mich auch mit Clint Eastwood und seiner Familie getroffen. Die haben Interesse, dass ich ein Porträt von ihnen anlege. Wenn das klappt, ist das eine Riesensache für mich.

Woher kam denn die Inspiration zu der Idee, Ölbilder von Drogenkonsumenten anzufertigen?
Ich kann als Maler nur das malen, was ich auch verstehe. Und die Welt der Drogen und die Clubszene kenne ich sehr gut. Schon in der Highschool habe ich oft Raves besucht, bin zu Richie Hawtin und so weiter. Ich habe diese Welt eigentlich schon mein ganzes Leben lang kontinuierlich miterlebt, von außen und von innen. Davon abgesehen gefällt mir der Kunstgriff, Motive zu malen, die eher als schäbig angesehen werden könnten. Und das in einem Stil, der in der Kunstgeschichte klassischerweise eher religiösen Motiven oder Königs-Porträts vorbehalten blieb.

Unterm Strich ist dir damit ein realistisches Porträt der heutigen Jugendkultur gelungen. Wenn auch ein eher tristes - bildest du ja eher den tristen, depressiven Teil der Party ab.
Ja, das ist das zentrale Motiv, das am Ende stehen bleibt: die Jugend von heute, die Generation Y, oder wie man sie nun nennen mag. Die Partygeneration. Aber die Bilder beinhalten kein Moralisieren, falls du das vermutest. Ich prangere hier keinen Lifestyle an, überhaupt nicht.

Deine Bilder wirken beinahe fotorealistisch. Wie ist deine Technik?
Meine Gemälde beginnen immer mit Fotografien. Ich schieße eine Reihe von Fotos, bearbeite sie und wähle aus, welches Motiv ich nehme. Die porträtierte Person kommt aber immer auch noch zu mir ins Atelier und steht Modell - die beiden Quellen wechseln sich mehrfach ab.

Wer sind die Modelle?
Alles ausschließlich Freunde, denen ich sehr, sehr nahe stehe.

Sind die manchmal auch schockiert, wie realistisch du ihr Draufsein dokumentierst? Nein, die wissen ja, was auf sie zukommt. Die freuen sich in der Regel sehr, wenn ich sie malen will, und haben kein Problem mit dem Ergebnis, auch wenn es vielleicht schlecht für sie ausfällt.

Und die Kunstwelt? Wie wurden deine Bilder dort aufgenommen?
Ich bin in einer seltsamen Zwischenwelt gefangen: Ich bin kein Konzeptkünstler, ich male realistisch - aber unkonventionelle Motive. Dadurch erlebe ich die ganze Bandbreite der Reaktion: Viele Galerien wollen meine Bilder nicht zeigen, weil sie das Thema schrecklich finden. Anderen ist das Ganze wiederum nicht konzeptionell genug.

Verkaufst du deine Bilder?
Mir fällt das schwer, weil ich wahnsinnig an ihnen hänge. Einige sind daher absolut unverkäuflich. Aber grundsätzlich tue ich das schon - muss ich auch, davon lebe ich. Vom Bildverkauf und vom Kunstunterricht, den ich gebe. Und ich bin ein sehr langsamer Maler, ich mal nur sieben bis zehn Bilder pro Jahr - ich brauche für ein Bild zwischen 500 und 1500 Stunden. Aber solange ich drei oder vier im Jahr verkaufe, kann ich gut davon leben.

Ich habe gelesen, dass du an der amerikanischen Künstler-Reality-Show »The Next Great Artist« im Fernsehen teilgenommen hast. Wie war das?
Bizarr. Man hatte dort acht Stunden, um ein Kunstwerk aus bestimmten bereitgestellten Materialien zu erschaffen. Jetzt, wo du weißt, wie lange ich sonst an einem Bild sitze, kannst du dir ja vorstellen, wie das dann ungefähr aussah.

http://ryanshultz.com

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aus Intro #190 (März 2011)
 
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