Jupiter Jones - Rock aus den Schulden: Von DIY zur GbR Artikelbild (groß)

Jupiter Jones

Rock aus den Schulden: Von DIY zur GbR

25.02.2011, 13:30, Text: linus volkmann, Foto: Katharina Poblotzki
[1 Kommentar]

Was im letzten Jahrtausend als Gegenkultur dem gesellschaftlichen Konsens den Arsch zeigen wollte, heißt heute längst GbR...

Förderanträge, Selbstausbeutung und das Finanzamt terrorisieren jegliche Form von Pop. Die vier Freunde aus der Eifel, Jupiter Jones, stecken knietief drin - und laufen Amok. Aber auf diese gute Art. Linus Volkmann suchte das Gespräch anlässlich ihres neuen Albums mit dem schlichten Titel »Jupiter Jones«.

Bevor's richtig zur Sache geht: Was hat es denn eigentlich auf sich mit diesem Jupiter-Jones-Saunafoto, das mir euer Promoter mehrmals unaufgefordert und trotz 20-MB-Größe gemailt hat?
Nicholas: Das stammt aus der mobilen Sauna im Garten unseres Ansprechpartners der Plattenfirma.

Vor Ort kam der schnell auf die Idee, wir müssten uns da reinsetzen für Fotos. Also, ihr seid aber nicht gezwungen, das zu verwenden!

Kann man es eigentlich verhindern, die anderen auf Tour immer wieder nackt zu sehen? Oder ist es eher das, weshalb man einst mit der Band angefangen hat?
Sascha: Man würde es gern verhindern, aber es geht ja nicht! Unser Schlagzeuger hat die Angewohnheit, sich nach einem Gig sofort auszuziehen. Man selbst kommt dann Backstage, um ein Bier zu holen, und das Erste, was man sieht, ist der tropfende Drummer in seinen verschwitzten Kinderunterhosen.
N: Er hat dabei aber so einen ganz alten Körper.

Gut zu wissen. Was Jupiter Jones zudem ja ausmacht, ist, dass ihr überhaupt keine Berührungsangst habt mit Wimpness. Also, dass ihr nicht Stärke repräsentieren wollt mit dem Prinzip Typen-Rockband, sondern gern die eigenen Schwächen ausstellt. Auch den sich daraus ableitenden Vorwurf, Emo zu sein, schreckt ihr offenbar nicht.
N: Wir sind sicher keine Emo-Band. Aber klar, dadurch, dass Jupiter Jones nicht explizit als politische Band auftreten, ist es für uns sehr wichtig, bei Themen wie dem Zwischenmenschlichen klar zu sagen, was Sache ist. Das sehe ich als einzige Möglichkeit, halbwegs authentisch zu sein.

Nicholas, bis dato sehr prägend bei Jupiter Jones war deine spezielle Stimme, die im Kontrast stand zu sehr harter, schneller Musik. Auf dem neuen Album geht's nun aber auch viel ins Midtempo, und ihr probiert im Songwriting einiges abseits von Druck aus - da streift dein Gesang plötzlich uneingeschränkt Deutschrock. Nicht mal so was wie Kettcar, sondern gleich Westernhagen oder Achim Reichel. Ist das Absicht oder ein Kollateralschaden?
N: Das frage ich mich manchmal selbst. Ich bemerke schon, dass meine Stimme im Studio mittlerweile ganz anders klingt. Live dagegen hört man, dass ich dieses Geknödel und Genöle aus den Anfangstagen immer noch verwende. Bloß bei den Aufnahmen passte die Art, wie ich jetzt singe, einfach besser zu den neuen Stücken.
S: Wobei ich allerdings finde, dass das neue Album wieder wesentlich rockiger ist. Klar, es ist auch fetter produziert und hat so was Poppiges wie »Still« oder die Songwritersachen wie »Berlin«. Aber sonst geht's ja wohl konstant zur Sache. Viel mehr noch als das Letzte!

Dadurch, dass man heute als Band mit Einsatz dem Prinzip Plattenfirma trotzen kann, ist eigentlich viel gewonnen für den Indie-Traum. Aber inwieweit kommt man vor lauter Einsatz denn überhaupt noch zum Eigentlichen, zum Kreativ-Sein?
S: Bei mir schlagen da zwei Herzen, einmal der Gitarrist und einmal der Business-Typ. Und in gewissen Phasen muss der eine natürlich vor dem anderen zurücktreten. Kriege ich mittlerweile aber ganz gut so hin. Anders geht es auch nicht, da ich derjenige bin, der sich um das ganze Wirtschaftliche der Band kümmert - macht mir auch Spaß. Aber eine Band ist, auch wenn's unromantisch klingt, ein ganz normales Unternehmen.
Von Buchhaltung bis zum Live-Konzert - und da gehört auch ein GbR-Vertrag dazu.

Bei Muff Potter schien die Entwicklung ähnlich, die hatten ebenfalls ihr eigenes Label, Huck's Plattenkiste, und sind dann auch zu einer großen Plattenfirma. Als es dort aus war, haben sie erneut selbst ein Album gestemmt, danach war es allerdings überraschend ganz vorbei. Auch, weil man wegen des Professionalitäts-Levels, das eine mittelgroße Band irgendwann erreicht, an die Grenzen des Machbaren stieß. Kann euch das jetzt auch passieren?
N: Wir haben das DIY-Ding gern durchgezogen, und vielleicht werden wir es auch irgendwann wieder machen. Bloß, wenn man alles selbst macht, fehlt einem wirklich irgendwann die Zeit, die für die Musik hätte da sein müssen - oder auch nur für bandinterne Seelenpflege. Wir sind jetzt durch den Deal mit Sony zumindest mit dieser Platte zum ersten Mal in der Lage gewesen, uns viel weniger von anderem Mist abhängig zu machen.

Wir konnten uns auf die Musik konzentrieren. Zudem war es früher von der psychischen Belastung her immer sauhart, weil wir alle Kohle leihen mussten, um die Platte zu finanzieren - und jeder danach mit Schulden dastand. Du hast ja kein Geschäft, das irgendwann insolvent geht, alles hält sich einzig an die eigene Kasse und die von Freunden und Familie. Und diesmal, als das nicht so im Vordergrund stand, konnten wir uns endlich mal auf die Musik konzentrieren. Und das hört man sofort.




Termine Jupiter Jones
01.03.2011 Münster, Green Hell » Details | Merken | Anreise
02.03.2011 Hamburg, Hanseplatte » Details | Merken | Anreise
03.03.2011 Berlin, Ramones-Museum » Details | Merken | Anreise
17.03.2011 Hamburg, Uebel & Gefährlich » Details | Merken | Anreise
18.03.2011 Hannover, Béi Chéz Heinz » Details | Merken | Anreise
20.03.2011 Berlin, Postbahnhof » Details | Merken | Anreise
24.03.2011 Osnabrück, Rosenhof » Details | Merken | Anreise
25.03.2011 Bochum, Riff » Details | Merken | Anreise
26.03.2011 Bremen, Tower » Details | Merken | Anreise
31.03.2011 Düsseldorf, Zakk » Details | Merken | Anreise
01.04.2011 Saarbrücken, Garage » Details | Merken | Anreise
02.04.2011 Koblenz, Café Hahn » Details | Merken | Anreise
07.04.2011 Frankfurt / Main, Batschkapp » Details | Merken | Anreise
08.04.2011 München, 59:1 » Details | Merken | Anreise
09.04.2011 Stuttgart, Universum » Details | Merken | Anreise
10.04.2011 Zürich, Exil » Details | Merken | Anreise
21.05.2011 Hoppstädten, » Details | Merken | Anreise
28.05.2011 Darmstadt, » Details | Merken | Anreise
17.06.2011 Scheeßel, » Details | Merken | Anreise
19.06.2011 Neuhausen ob Eck, » Details | Merken | Anreise
23.06.2011 Marburg, » Details | Merken | Anreise
02.07.2011 Bonn, » Details | Merken | Anreise
15.07.2011 Frankfurt / Main, » Details | Merken | Anreise
16.07.2011 Iserlohn, » Details | Merken | Anreise
22.07.2011 Bochum, » Details | Merken | Anreise
23.07.2011 Bad Doberan, » Details | Merken | Anreise
29.07.2011 Massing, » Details | Merken | Anreise
30.07.2011 Elend, » Details | Merken | Anreise
05.08.2011 Bad Oeynhausen, » Details | Merken | Anreise
06.08.2011 Anröchte, » Details | Merken | Anreise
12.08.2011 Oberhausen, » Details | Merken | Anreise
13.08.2011 Eschwege, » Details | Merken | Anreise
14.08.2011 Rothenburg ob der Tauber, » Details | Merken | Anreise
19.08.2011 Bad Nauheim, » Details | Merken | Anreise
20.08.2011 Köln, » Details | Merken | Anreise
21.08.2011 Lüdinghausen, » Details | Merken | Anreise
27.08.2011 Trier, » Details | Merken | Anreise
10.09.2011 Schmallenberg, » Details | Merken | Anreise

» Diese Intro-User gehen hin!

Fan werden? Anmelden oder einloggen!



Artikel kommentieren
aus Intro #190 (März 2011)
 
  • Mehr Infos

  •  
Jupiter Jones
Intro.de Künstlerseite von Jupiter Jones
Alle Artikel von Linus Volkmann
 
 
  • Shitzophonic 15.03.2011 | 23:19:50
    Dr. Oetker iss `n Arsch
    Miese Band, richtig mieses Album!

    Ich meine, der Originalname von Justus Jonas ist ja schon scheiße, aber diese Band ist die "Scheißigkeit" in Person. Scheiße, Scheiße Scheiße!

    Nee, mal im Ernst. Die Band ist echt KACKE!

    (Diese vollkommen durchdachte Kritik wurde mit einer 3/4-Flasche Weißwein im Kopp verfasst)

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]