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Mein Song und seine Geschichte

Adam Green erinnert sich an "Jessica"

24.02.2011, 17:27, Text: Adam Green

Für uns schrieb Green die Geschichte hinter seinem Song auf.

Antifolk-Songwriter Adam Green war zu Beginn des Jahrtausends dank seiner Band The Moldy Peaches kein Unbekannter mehr. Doch erst ein seltsamer Song über die US-Musikerin und -Schauspielerin Jessica Simpson brachte dem New Yorker Wunderkind den internationalen Durchbruch...

»Als Jugendlicher träumte ich davon, mal einen Teeny-Popstar zu daten, aber nie ging es in meinen Vorstellungen dabei um Jessica Simpson. Dann aber sah ich ein Bild von ihr in einer Zeitschrift, auf der sie eine seltsame Fratze schnitt. Sie sah schrecklich aus auf dem Foto, und das blieb haften. Die Grundstruktur des Songs ›Jessica‹ fiel mir kurz danach nachts ein, als ich nicht schlafen konnte.


Ich hatte eine Idee für die Gesangsmelodie, und ihr Name passte perfekt zu den Noten. Mir war das sofort peinlich, weil ich überhaupt keinen Song über Jessica Simpson schreiben wollte, aber da war es schon zu spät - ich hatte es bereits getan.

Im Nachhinein glaube ich, dass ich ›Jessica‹ vor allem geschrieben habe, weil ich verstört war und überhaupt nicht verstehen konnte, warum die Leute Jessica Simpson mochten. Ich malte mir beim Schreiben ihre Zukunft deshalb absichtlich tragisch aus. Bald handelte der Song aber schon gar nicht mehr wirklich von ihr. Eher von jemandem, der bloß den gleichen Namen wie die richtige Jessica Simpson trägt.

Der Songtext handelt davon, unecht zu sein. Davon, passé zu sein, mit einem Schlag kulturell unbedeutend und unerwünscht. Davon, alles tun zu wollen, um gesellschaftlich wieder am Leben zu sein. Doch im Song hat sich Jessica verirrt und kann ihren Weg nicht finden.

Dass ›Jessica‹ so ein Hit werden könnte - mein vielleicht bekanntester Song -, hätte ich nie gedacht, ehrlich. Ich habe ihn sogar sehr lange überhaupt niemandem vorgespielt, weil ich fand, er sei lächerlich. Mein Freund Turner Cody hörte dann ein Demotape mit dem Stück, das ich aufgenommen hatte, und meinte, dass ich es live spielen solle.

Als ich das tat, wurde mir klar, dass der Song Potenzial hatte, bekannt zu werden. Heute spiele ich ›Jessica‹ immer noch bei den meisten Konzerten und bin oft überrascht, wie viele Leute den Text kennen. In letzter Zeit macht es mir Spaß, das Ende auszureizen, lange zu improvisieren.

Es ist wunderbar, einen Song wie ›Jessica‹ zu haben. Ein Song, den viele Menschen kennen - auch wenn es witzig ist, dass ich selbst bis heute nicht genau weiß, wovon er eigentlich handelt.«




Jessica Simpson, where has your love gone, it's not in your music, no.
You need a vacation, to wake up the cavemen and take them to Mexico.

[Refrain]
Jessica, Jessica Simpson, you've got it all wrong.
Your fraudulent smile, the way that you faked it the day that you died.

My body's in shambles encrusted with brambles that sharpen the air I breathe.
What's on the menu, Jessica can you, take down my order please.

[Refrain]

Tomorrow gets closer, a purple bulldozer is calling you on the phone.
Your love life precedes you, your son-in-law feeds you, injections of cortisone.



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aus Intro #190 (März 2011)
 
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