Phoenix
Die Filmmusik zu "Somewhere"
02.11.2010, 13:58, Text:
Mario Lasar, Foto: Karina Eibatova
In Sofia Coppolas Filmen spielt Musik eine große Rolle. So eng wie im Fall "Somewhere" war die Beziehung zwischen Musik und Bild in einem Film von Sofia Coppola bisher noch nicht. Schließlich sind Coppola-Lover Thomas Mars und dessen Band Phoenix für die Untermalung verantwortlich. Mario Lasar fragte nach, wie sich Phoenix’ Score zum Film und zum restlichen Soundtrack verhält. Mario Lasar fragte nach, wie sich Phoenix' Score zum Film und zum restlichen Soundtrack verhält.
Die Filmmusik, die ihr für "Somewhere" komponiert habt, wirkt minimalistisch, beinahe wie Ambient-Musik. Würdet ihr sagen, dass der fließende, oft anonym wirkende Sound die Entfremdung der Hauptfigur Johnny Marco illustriert?
Dieser Eindruck resultiert vielleicht daraus, dass die Musik brüchig und verstimmt klingt. Dabei haben wir die Beziehung, die zwischen der Figur des Johnny Marco oder anderen Charakteren und der Filmmusik besteht, eher ausgeblendet. Die Film-Figuren interagieren vielmehr mit dem Soundtrack. Für uns sind es Elemente wie die Geräusche des Automotors oder die riesigen Reklametafeln in L.A., die in Relation zur Filmmusik stehen.
Die introvertierte Ausrichtung der Filmmusik scheint im Gegensatz zu der eher Party-orientierten Musik des Soundtracks zu stehen.
Es gibt nur sehr punktuell Filmmusik. Die Songs des Soundtracks existieren nur deshalb, weil Johnny Marcos Tochter zu ihrem Lieblingslied von Gwen Stefani Eiskunstlauf übt oder weil Sofia es mochte, sich vorzustellen, wie Stripperinnen zu den Foo Fighters tanzen.
Ich hatte den Eindruck, dass die Filmmusik Johnny Marcos Innenleben widerspiegelt, während der Soundtrack dazu tendiert, sein glamouröses Umfeld, dessen Teil er nicht sein will, zu repräsentieren.
Der Soundtrack ist die Realität, die Filmmusik ist eher träumerisch ...
Es gibt nur etwa fünf Szenen im Film, in denen ihr Filmmusik einsetzt. War das eine bewusste Entscheidung?
Ja. Wir haben versucht, mehr Szenen mit Musik zu untermalen, aber es war jedes Mal besser ohne Musik. Simpler und minimaler. Wir stellten nur sicher, dass das Element der Verstimmung nicht verloren geht.
Eure Filmmusik greift stark auf "Love Like A Sunset Parts I & II" von eurem Album "Wolfgang Amadeus Phoenix" zurück. War das schon lange geplant?
Bis wir Part I für die Opening Credits ausprobierten, dachten wir nicht daran. Dann fanden wir, es wäre konsequent, Part II für den Abspann zu verwenden. Und die Spannung, die sich aufbaut, wenn Johnny Marco L.A. verlässt, harmonierte gut mit der Musik. Als ich aufwuchs, besaß mein älterer Bruder David eine Platte mit Porsche-Motorengeräuschen. Während ich die erste Szene des Films sah, in der ein Auto eine leere Rennstrecke abfährt, erinnerte ich mich daran, wie musikalisch diese Motorengeräusche sein können. In der Band arbeiten wir mit Keyboards, die ein wenig verstimmt klingen - und wir lieben es! Ein Akkord, der langsam in einen Missklang übergeht, geht perfekt mit dem Motorengeräusch eines Ferrari oder eines Hubschraubers zusammen. Es sind beides sehr minimale Harmonien.
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