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Sufjan Stevens

Das komplette Interview: Gefangen im Superlativ

27.10.2010, 11:57, Text: Felix Scharlau, Foto: Felix Scharlau

Ende 2009: Sufjan Stevens, der vielleicht wichtigste Songwriter des neuen Jahrtausends, denkt darüber nach, keine Platten mehr zu machen. Ende 2010: Sufjan Stevens veröffentlicht neue Songs mit einer Gesamtlänge von über zwei Stunden. Nur die Spitze des Eisbergs, wie er im Intro-Interview erstmals einräumt. Felix Scharlau traf das getriebene Genie in New York. Hier findet ihr das komplette Gesprächprotokoll zum Artikel im Heft.

Du hast einige Aufnahmen zu "Age Of Adz“ im Studio von The National hier in New York gemacht. Hast du generell einen guten Draht zu New Yorker Musikern?

Sie sind gute Freunde von mir und wohnen in der gleichen Gegend wie ich. Aaron, der Gitarrist von The National, hat letztes Jahr ein Studio in einem Haus eingerichtet. Jetzt waren sie viel unterwegs, sodass ich das nutzen durfte.

Hast du denn wie früher auch für das neue Album sehr viel zu Hause vorproduziert?

Ich bleibe eigentlich nie lange an einem Ort, um dort zu arbeiten. Ich bin viel hier, viel da. Mein Schlagzeuger lebt in Seattle, deshalb habe ich da relativ viel aufgenommen. Ich bin recht mobil mit meinem Equipment und benutze Pro Tools, damit geht das natürlich gut. Insofern ist das neue Album wieder ein ziemliches Produktions-Patchwork.


Hast du denn seit deinem Umzug nach New York vor zehn Jahren das Gefühl bekommen, dass die Stadt deine Musik beeinflusst?

Ja, ich denke schon, dass sie das tut. Aber es gibt auch eine Art innere Umgebung – die Vorstellungskraft, die sicher sehr viel stärker wirkt als äußere Einflüsse. Diese Vorstellungskraft ist viel weniger statisch als die äußere Umgebung. Insofern gibt es natürlich äußere Einflüsse, aber deren Weiterverarbeitung erfolgt in mir.

Und die Vorstellungskraft beschäftigt sich nicht immer unmittelbar mit dieser Weiterverarbeitung, sodass es in uns ein viel breiteres Zeitspektrum gibt. Meine Musik verarbeitet so ein ganzes Leben unterschiedlicher Umgebungen. Deshalb kann ich selbst gar nicht sicher sagen, ob meine Musik seit New York etwa urbaner oder so geworden ist. Meine Musik und die von The National koexistieren zwar, aber sie sind völlig unterschiedlich.

Lass uns doch mal über das Auffälligste an deinem Songwriting sprechen – den Hang zu konzeptionellen Ideen. Du schreibst etwa eine Platte, die du bewusst an einem Staat wie Illinois ausrichtest, machst aber letzten Endes eben kein klassisches Konzeptalbum, sondern nutzt häufig eine thematische Grundidee als eine Art Vehikel. Ist es für dich schlicht leichter, so Songs zu schreiben, oder woher kommt dieser Ansatz?

Ich habe sehr viele Ideen für Songs, und ich glaube, ich brauche so einen konzeptionellen Ansatz, um diesem Fluss eine festere Struktur geben zu können, ihn zu formen. Das Prinzip war für mich immer vor allem eine Zweckmäßigkeit. Über was ich konkret geschrieben habe, war in der Hinsicht dann oft fast etwas beliebig. Ich habe mir oft einfach nur ein Thema gesucht, um eine Art Abgrenzung zu haben. Zuletzt stand eben "The BQE“ – eine Schnellstraße – im Vordergrund. Und bei den Staaten-Alben waren es eben Staaten, die meinen Texten eine Grenze vorgaben. Eine Hilfe, das Material zu organisieren.

Fortsetzung auf der nächsten Seite.


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aus Intro #187 (November 2010)
 
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