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Paul Smith

Pan Tau entspannt sich

22.09.2010, 12:42, Text: Lutz Happel, Foto: Claudia Rorarius

Was macht eigentlich Paul Smith, während sich seine Band Maximo Park in kreativem Nichtstun übt? Soloalbum, Kunst oder einfach nur Rumhängen? Lutz Happel hat den Sänger mit Charme und Melone getroffen.

Herr Smith betritt den Raum. In lässigen, gleichwohl nicht würdelosen Casual- Klamotten schlendert da einer mit seinen Stadt-Schlappen gut gelaunt offenherzig auf mich zu, den die Welt bisher als Schlips tragenden Sänger-Berserker von Maximo Park, als Verehrer extravaganter englischer Anzüge und Rampensau kannte und schätzte. Als Handlungsreisender seiner Band ist ihm die Melone, jene urenglische und stilistisch strengste aller möglichen Kopfbedeckungen, zum Markenzeichen geworden. Heute ziert sein lockiges Haupt ein ungewohnt firlefanzloser Strohhut. Kein Zweifel: Der Mann ist auf Urlaub.


Ein Urlaub, der wohlverdient ist: Seitdem Smith vor über fünf Jahren von der Freundin seines Schlagzeugers Tom English in einem Pub beim Covern von Stevie Wonders »Superstition« erwischt und ohne Umschweife als Sänger gecastet wurde, um gleich 2005 mit Maximo Park ein Debüt zusammenzuzimmern, das jäh krachend einschlug, sind er und seine Freunde aus dem zweijährlichen Veröffentlichungsturnus der Pop-Tretmühle mit ihrem Mantra Schreiben-Produzieren-Promoten-Touren nicht mehr herausgekommen.

Das Debüt "A Certain Trigger" wurde eine halbe Million Mal abgesetzt. Plötzlich waren die größten Hallen der Insel binnen Minuten ausverkauft, und bei "Top Of The Pops", diesem antiquierten Messgerät des Pop-Bekanntheitsgrades, sind sie natürlich auch gewesen. Es folgten Album zwei und drei, nicht minder johlend rezipiert, wenn auch nicht mehr mit dem Jive des Erstlings ausgestattet, und so stellte sich bei allen Beteiligten allmählich unterschwellig die Frage, wie es nun weitergehen könnte, vor allem eben künstlerisch, wo man doch immer betont hatte, sich mit jeder Platte völlig neu erfinden zu wollen.

Ein Break als Chance

Das hört sich also ein bisschen nach einer längst überfälligen Verschnaufpause an, und so ist es dann auch, wie Smith in seinem kantigen nordenglischen Geordie-Akzent erklärt: "Wir haben im November unsere Tour beendet und waren total fertig – und happy, zu Hause zu sein. Wir brauchten einfach mal ein bisschen Zeit zum Regenerieren und um Neues auszuprobieren. Wir haben uns dann irgendwann im Winter getroffen, um zu checken, wie lange wir pausieren wollen."

Der Mann aus Billingham – neben Jamie Bell (der kleine Junge aus dem Proletarier-Ballett-Film "Billy Elliot«) der wohl bekannteste Sohn seines Städtchens – hat die Zeit genutzt, um sich neu zu orientieren, Raum zu gewinnen. Mit einer Soloplatte. Nun ist er
zwei Wochen nach Berlin gekommen, um einfach ein bisschen auszuspannen (Promotermine wie dieser waren eigentlich nicht vorgesehen, ergaben sich eher so nebenher).

Aber was heißt das schon bei einem Workaholic mit einem aufgewühlten Habitus irgendwo zwischen John Cleese, Malcolm McDowell (der aus Kubricks »Clockwork Orange«) und Pan Tau? "Mit Maximo Park war ich vielleicht neun- oder zehnmal hier, aber erst jetzt hab ich ein bisschen Zeit für mich. Ich hänge mit Kumpels rum, in der Nähe meines Hotels ist eine Snooker-Halle. Dann hab ich mir eine Ausstellung von Marianne Breslauer angeschaut. Großartig, diese zeitlosen, androgynen Fotografien. Und war im Bang Bang Club bei Wild Nothing, die spielen so einen jingly-jangly Indiepop, sehr Smithsartig. Übrigens nehme ich gerade Deutschstunden, zwei pro Woche."

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aus Intro #186 (Oktober 2010)
 
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