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Nick Hornby vs. Ben Folds

Kein Rockabilly über Hungersnöte

18.08.2010, 17:02, Text: Martin Riemann, Foto: Mathias Seifarth

Nick Hornby und Ben Folds sind Fans. Und zwar jeder vom jeweils anderen. Klar, dass sie ihre Skills vereinen wollen. Genau das passiert auf Ben Folds’ kommendem Album „Lonely Avenue“ – Folds’ dramatischer Erwachsenenpop trifft in den Lyrics auf Hornbys pointierte Alltagsbeobachtungen. Martin Riemann fragte nach, wie es zu dem Dream-Team kam.



Wie habt ihr euch kennengelernt?
N: Es hat sich herausgestellt, dass wenn du wirklich nette Dinge über Musiker schreibst, sie Kontakt mir dir aufnehmen. Ben schrieb mir eine E-Mail, nachdem er das Buch gelesen hatte.
B: Ich musste etwas korrigieren.
N: Ja, eine Sache, über die ich in dem Buch schrieb, war das große Genie Bens bezüglich der Lyrics des Songs „Smoke“, darauf baute ich eine ganze Schlussfolgerung darüber auf, wie genial er sei. Es stellte sich aber heraus, dass er ausgerechnet diese Lyrics gar nicht geschrieben hatte.
B: Das waren die einzigen Lyrics auf dem Album, die nicht von mir waren.
Also bist du gar kein Genie!
B: Nein! Aber gerade bei diesem Song bekam die Musik eine bestimmte Qualität, weil ich eben diesmal nicht selbst für den Text verantwortlich war. Und das war eine ziemlich gute Entschuldigung für mich, Nick zu bitten, die Lyrics für mein nächstes Album zu schreiben. Ich war sowieso an einem Punkt in meiner Karriere, wo ich keine Lust hatte, mich selbst reden zu hören. Also bat ich Nick, es zu tun. Nach dem Motto: Wenn du willst, dass alle Songs so gut werden – schreib die Texte. Meiner Meinung nach ist „lyrics first“ eine großartige Arbeitsweise.
Wie funktioniert das? Man hat einen Text vorliegen, zu dem einem eine Melodie einfallen muss.
B: Jeder Musiker hat seine bestimmte „Superpower“. Meine ist die Melodie, das glaube ich wenigstens. Vielleicht schreibe ich nicht die besten Melodien der Welt, aber sie sind meine Verbindung zum Text. Ich kann auf das Textblatt schauen und dabei einen Song machen. Ich kenne eine Menge Songwriter, die das nicht könnten. Aber ich habe da ein Naturtalent.
N: Jetzt, wo Ben darüber redet – es gibt einen Wahrnehmungszustand namens Synästhesie, in dem man beispielsweise Farben „riechen“ kann. Wenn Ben Wörter mit einer Bedeutung liest, hört er dabei eine Melodie. Bestimmte Melodien haben also literarische Bedeutung für ihn, auch wenn es keinen Text dazu gibt. Er denkt also nicht über den Sinn der Wörter nach, sondern direkt darüber, wonach sie klingen.
Heißt das, dass du ihm keine Informationen über die gewünschte Stimmung in den Songs gegeben hast?
N: Ja, ich glaube, es hätte nicht funktioniert, wenn ich ihm solche Angaben gemacht hätte. Ich musste ihm völlige Freiheit lassen.
Aber du musst gewisse Erwartungen gehabt haben, welche Stimmung deine Texte hervorrufen.
N: Ja, aber es gibt ja schon gewisse Parameter. Vor allen Dingen ist Ben natürlich nicht blöd. Wenn ich einen Song über die Hungersnot in Afrika verfasst hätte, bezweifle ich, dass er daraus einen Rockabilly-Song gemacht hätte.

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aus Intro #185 (September 2010)
 
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