1000 Robota / MIT
Jugend von heute: Die derzeit besten Bands des Landes
16.08.2010, 14:36, Text:
Wolfgang Frömberg, Foto: Katharina Poblotzki
Die Entwicklungsromane werden fortgeschrieben. Zwei der besten jungen Bands des Landes hauen neue Alben raus, bei denen auch bekannte alte Hasen ihre Finger mit im Spiel hatten. "Ufo" und "Nanonotes" sind die Platten des Monats! Findet jedenfalls Wolfgang Frömberg, der 1000 Robota in Hamburg und MIT in Köln traf.
"Seid ihr tot?" Der Straßenkünstler, der im Schatten des Kölner Doms eine träge Masse zu unterhalten sucht, versteht die Welt nicht mehr. "Habt ihr kein Herz?" fragt er noch mal in die Runde, als auch der nächste Trick nicht die leiseste Regung des Publikums provoziert.
Seufzend holt er einen Pappteller aus dem Requisitenkoffer und besprüht ihn mit Rasierschaum. "Eine Torte!" ruft er. "Freiwillige vor!" Ein Zuschauer lässt sich zum Mitmachen motivieren. "Ich werde bis drei zählen, bevor ich meinem Assistenten die Torte ins Gesicht werfe!" Kein Mucks. "You are supposed to laugh at this point", mault er in seiner Muttersprache. "You are dead people!" Schließlich haut er entnervt ab, um sein Glück woanders zu suchen.
Die härteste Mauer, an der man sich die Hörner in der Manege der Unterhaltungsindustrie abstoßen kann, ist Gleichgültigkeit. 1000 Robota und MIT haben sich das Glück verdient, dass ihre Debütalben – "Du nicht er nicht sie nicht" und "Coda" – nicht auf taube Ohren stießen. Die Bands gehören seither zu den aufregendsten des Landes. Parallelen zwischen den Ensembles, die je aus drei Jungs bestehen und den dahinterstehenden Lebensentwürfen, gibt es ebenso viele wie Trennlinien. Kurz: Beide Formationen schauen beim Spielen nicht auf die Schuhspitzen, tragen ihre Nasen aber auf je eigene Weise hoch in der Luft. Persönlich gibt es lose Berührungspunkte, aber keine innigen Beziehungen. Eigentlich gute Voraussetzungen für eine offene Auseinandersetzung, findet Anton Spielmann, Sänger und Sprachrohr der 1000 Robota.
Die Nase im Wind hatten sie von Anfang an. Ihre Geschichten beginnen als Märchen, die gar keine sind. Wenn Casting-Show-Models in Paris über den Laufsteg stolpern können, scheint es auch banal, dass ein Trio von Pennälern aus Köln-Buchforst nachts in Londoner Clubs spielt, um am nächsten Morgen schon wieder im Klassenraum zu sitzen. Oder dass drei junge Wilde aus der Provinz um Hamburg herum eine England-Tour mal eben eigenhändig abbrechen. Ist natürlich trotzdem aufregend. Und so war es kaum verwunderlich, dass MIT und 1000 Robota Aufmerksamkeit allein dadurch erregten, dass sie durch die angesagten Läden der britischen Popmetropole tingelten, noch bevor sie national weiter als einen Katzensprung über die Grenzen ihrer Homebases hinaus bekannt waren.
Ein gewaltiger Unterschied war jenseits der gemeinsamen Punk-Referenzen der beiden Gruppen sofort auszumachen: Während MIT dem inspirierten Lärm, den sie auf der Bühne veranstalteten, ein öffentliches Bild der Gelassenheit zur Seite stellten, gaben 1000 Robota auch außerhalb der Konzertstätten die Großmäuler, stets bereit, jedem einen dummen Spruch vor den Latz zu knallen, der nicht vor dem dritten Bier auf den Bäumen war. Siehe auch die letzte Story über 1000 Robota.
Im Spätsommer 2010 zaubern nun die Niedlichen und die Störenfriede beinahe zeitgleich neue Stücke aus dem Hut. Ob sich die Prognosen nach ihren spannenden Debüts, dass Großes zu erwarten sei – ob nun großer Ärger, großer Erfolg oder großer Mist –, letztlich bewahrheiten werden? Man kann die Tatsachen erst mal für sich sprechen lassen: 1000 Robota sind nicht mehr bei Tapete Records, sondern mit "Ufo" bei Buback Tonträger gelandet. MIT sind für "Nanonotes" von Haute Areal in die Liga der Major-Sublabels gewechselt.
Die einen betonen, es würde ihnen außer Buback halt kaum ein anderes Indie-Label einfallen, zu dem sie als Band hätten wechseln wollen. Und MIT möchten auch ihr neues Zuhause lieber noch als Indie bezeichnen, so viel augenzwinkernde Bescheidenheit darf sein. Der nächste große Schritt zu einem Major stünde so gesehen beiden noch bevor. Ob es dort allerdings eine so tolle Ansage gäbe, wie es sie bei Buback für 1000 Robota gab, ist fraglich. Anton Spielmann erzählt, als Prämisse habe man nur mit auf den Weg bekommen, keinen Nazi-Scheiß und nichts mit Kinderpornografie zu machen.
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