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Stella / Wir Sind Helden

Keine Illusionen, keine Limousinen

16.08.2010, 14:23, Text: Wolfgang Frömberg, Foto: Sibylle Fendt
[2 Kommentare]

Während Stella an einem bestimmten Ort angekommen sind – das neue Album ist nach der japanischen Stadt „Fukui“ benannt –, lautet die Bitte im Titel des jüngsten Wir-Sind-Helden-Albums: „Bring mich nach Hause.“



Der Fukui-Bezug Stellas hat einiges mit einem zweijährigen Japan-Aufenthalt von Sängerin Elena Lange zu tun, die momentan in der Schweiz lebt, weshalb die Band aus dem erweiterten Kreis der Hamburger Schule selten zusammenkommt. Im Titel des Helden-Albums spiegelt sich womöglich die Sehnsucht Judith Holofernes’ nach Rückzug aus der wahr gewordenen Utopie des Erfolgs wider – hin zu einem Ort der Gelassenheit. Zwei Bands und Frontfrauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können? Dann sollten sie sich erst recht treffen! Wolfgang Frömberg sprach mit Elena Lange und Judith Holofernes über die alten Tanten Pop und Politik.
 
Kurz, wie es zu dieser Konstellation gekommen ist: Wir stellen vier deutsche Bands gegenüber: einmal zwei junge Boygroups, 1000 Robota und MIT ...
J: ... und die anderen sind zwei alte Frauenbands?
Da sieht man auch gewisse Parallelen: z. B. jeweils das vierte Album, selber Jahrgang ...
E: Wobei alle immer denken, ich sei älter als Judith.
J: Nö, ihr macht einfach schon länger Musik, oder?
E: Ja, eben.
Stella gibt’s schon fünf Jahre länger, seit 1995 ...
E: Du hast deine Hausaufgaben gemacht!
Ihr seid jeweils sehr starke Frauenpersönlichkeiten in Bands, deren Rest aus Jungs besteht, ihr seid Sängerinnen und Texterinnen. Genauso gibt es aber viele Unterschiede, da könnte man so ein Begriffspaar nehmen wie Mikrokosmos vs. Mainstream ...
J: Ich fand das total super, weil ich sonst auch immer mit Frauenpersönlichkeiten aus anderen Bands verglichen wurde. Es freut mich, über diese Parallelen mit einer Band zusammenzukommen, die ich wirklich sehr interessant finde.
E: Meinst du das jetzt ironisch?
J: Nee, meine ich ernsthaft. Ich habe die letzten Jahre damit zugebracht, nicht Juli und nicht Silbermond zu sein.
E: Ah, okay! Aber das hast du doch geschafft.
J: Das Problem war, dass durch unseren Mainstream-Erfolg Vergleiche angestellt wurden mit Bands, die ich persönlich sehr nett finde, aber die ich musikalisch nicht wirklich verwandt mit uns finde.
E: Die Parallele, völlig klar: Wir sind beide blond und blauäugig ... Aber im Ernst, der Unterschied liegt auf der Hand: Wir sind eine Indie-Underground-Band mit experimenteller Musik, die nie diesen Erfolg hatte wie ihr, worauf wir es auch nie angelegt hatten.
Ist der Erfolg angelegt? Heute steht in der Welt: WSH haben angefangen mit 34 Prozent Punk. Eine Erfindung – oder stammt das von euch?
J: Also, das war ein Witz, der total in die Hose gegangen ist. Es ging uns darum, eine Schubladisierung zu kommentieren. Wir dachten nie, wir wären Punk. Genauso wenig, dass wir soundso viel Prozent irgendwas anderes wären. Ich finde es interessant zu sehen, jetzt, wo der Musikmarkt in Deutschland vor sich hin stirbt, dass der Mainstream eine gewisse Unabhängigkeit garantiert. Weil wir es uns leisten können, auch mal nur halb so viel Platten zu verkaufen, ohne Taxi fahren zu müssen. Ich kenne Leute, die auf Titeln von Musikmagazinen sind, aber immer überlegen, ob sie sich die Musik mit zwei Kindern noch erlauben können. Wo man dann überrascht ist, wenn sie bei Jägermeister-Promo-Aktionen auftauchen, während es uns leicht fällt, das nicht zu machen, weil es bei uns noch keine Existenzprobleme gibt.
E: In den 90ern war es oft so, dass man diese Frage vorgesetzt bekam. Zum Beispiel: Geht ihr zu Motor? Wir konnten nie wirklich von unseren Verkäufen leben. Aber es war eine ästhetische Entscheidung, bei keiner Sound Foundation mitzumachen. Wir sind aber auch keine Band in dem Sinne wie WSH. Ihr spielt manchmal zusammen, oder?
J: [lacht] Ja, manchmal.
E: Wir haben seit vier Jahren nicht mehr zusammen gespielt. Ich lebte zwei Jahre in Japan und bin immer mal nur so für eine Woche nach Hamburg ins Studio gefahren. Bei mir ist es so, dass ich eben auch eine akademische Laufbahn mache.Ich bin nicht finanziellvon der Musik abhängig.
Eure Bands provozieren jeweils unterschiedliche Erwartungshaltungen ...
E: Was ist die Erwartungshaltung bei Stella?
Bei Stella könnten manche Leute darüber enttäuscht sein, dass die Essenz der letzten Jahre, in denen Stella etwa als anti-deutsche Band besprochen wurden, keine Slogans sind, sondern japanische Texte und experimentellere Musik.
E: Man kann ja nicht mehr von Politisierung sprechen, weil jedes Detail des Alltags politisiert ist. In den 90er-Jahren konnte man noch politisieren, weil die New Economyauf Depolitisierung gesetzt hatte. Was wir mit Stella machen, bedeutet keinen Rückzug. Aber wir versuchen, eine kritische Haltung ästhetisch umzusetzen. Kommunistische Inhalte, der Diskurs, das wird ja heute auch unter Popkultur abgebucht. Das bedeutet auch eine Art von Depolitisierung.



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aus Intro #185 (September 2010)
 
  • Mehr Infos

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  • siki 04.09.2010 | 19:40:55

    Ein voll sympatische BAND

  • siki 08.09.2010 | 09:22:41

    Ich meinte natürlich die Gruppe Wir sind Helden wem denn sonst!!!!!

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